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Southside Festival

Das Jetzt mit Livemusik gefeiert

Mindestens 60 000 Besucher bejubeln beim größten Rock- und Pop-Open-Air des Südwestens in Neuhausen ob Eck große Namen aus aller Welt, vor allem aber auch deutsche Künstler.

24.06.2019

Von UDO EBERL

Leoniden-Gitarrist Lennart Eicke am frühen Samstagabend beim Southside 2019. Foto: Udo Eberl

Neuhausen ob Eck. Die Southside-Auszeit ist noch immer ein Renner für deutsche Südländer, Schweizer und Österreicher. Raus aus dem Alltag und Pfingstferien-Trott, rein ins Brückentag-Festivalvergnügen. Mit den Foo Fighters und Die Toten Hosen – letztere waren nach knapp zwei Jahrzehnten erstmals wieder in Neuhausen ob Eck (Kreis Tuttlingen) am Start – hatte man zudem Headliner aufgefahren, die als Kombi wie schon beim Rock am Ring vor vier Jahren richtig gut zogen.

Allerdings stellten sich das Southside und das gleichzeitig stattfindende Hurricane in Scheeßel (Niedersachsen), die zu den größten Veranstaltungen für Rock, Indie und Alternative in Deutschland gehören, noch deutlich breiter auf – auch infrastrukturell mit einer dritten Open-Air-Bühne. Veranstalter FKP Scorpio versuchte, dem musikalischen Zeitgeist, dem HipHop, ebenso wie auch dem „Saufside“-Megaparty-Ruf gerecht zu werden – und hatte dabei sicher auch Coachella im Hinterkopf.

Am Sonntag, dem dritten und letzten Festivaltag, brachten auf dem Flugfeld in der Nähe des Oberen Donautals bei herrlichstem Sommerwetter Die Orsons mit neuen Stücken vom kommenden Album und Unterstützung durch HipHop-Allrounder Tua „Schwung in die Kiste“. Und fuhren mit dem Schlauchboot über die Köpfe des begeisterten Publikums direkt ins Jetzt. Die 257ers sorgten mit einer Kostümshow in stabiler Seitenlage, Schnellreimen, Igitt-Parade und Schaumbad für die Fans für Feierlaune.

Deutlich tiefer lag das Niveau am Freitag bei Bausa. „Auf einem Festival sollte niemand nüchtern sein“, proklamierte der Mainstream-Held mit den Light-Reimen . Bei so einem Festival darf auch der Besucher sein Niveau schon mal radikal absenken. In Erinnerung aber bleiben etliche Liveshows: Die Toten Hosen feierten den 57. Geburtstag von Frontmann Campino mit einem Konzert, das alle Hits der Düsseldorfer bündelte. „Wer will jetzt schon woanders sein“, fragte der Sänger und zollte der Menge – 57 000 schienen direkt vor und neben der Grünen Bühne zu stehen – Respekt dafür, dass sie im Nieselregen derart Spaß hatten.

Die Hosen waren während der drei Haupt-Tage – auch am Donnerstag gab's schon Konzerte – der Publikumsmagnet. Für alle, die nicht dabei sein konnten: Sie spielen auch beim Taubertal Festival (8. bis 11. August) in Rothenburg ob der Tauber.

Die Foo Fighters um Ex-Nirvana-Drummer Dave Grohl spielten gut gelaunt bereits am Freitagabend eine makellose Headliner-Show mit reichlich Power: zweieinhalb Stunden ehrliche Rockriffs und Old-School-Sounds beim Song-Streifzug durch mehr als zwei Jahrzehnte. Drummer Taylor Hawkins am Mikro mit Schlagzeuger Hamish Rosser von Wolfmother und der Coverversion von Queens „Under Pressure“ – ein Kracher. Und bei „My Hero“ sang auch noch die Tochter von Frontmann Dave Grohl im Background-Chor.

Kurz darauf bot Rock-Legende Robert Smith mit ewig junger Stimme und seiner Band The Cure einen Jahrzehnte-Mix, der besonders junge Festivalgänger etwas ermüdete. Die meisten großen Hits sparte er sich für die Zugaben weit nach Mitternacht auf. Parkway Drive trugen am Samstag mit mächtig Rockgetöse, Flammenwerfern und rachitischem Gesang düster und spannend auf – und hatten zudem ein Streichquartett im Einsatz.

Enttäuschend oder einfach nur langweilig: Die Australier Tame Impala vernebelten für anderthalb Stunden nicht nur das ganze Gelände, sie schienen sich mit ihrem mächtig gehypten, überbewerteten Psychedelic Rock vor allem selbst ins Nirvana zu spielen. Die auf Alben so packenden Interpol machten coolen Rock-Dienst nach Vorschrift, und Cigarettes After Sex klangen so Schwarzweiß wie sie sich selbst sehen wollen. Da gelang Johnny Marr zur selben Zeit vor kleinerem Publikum im Zelt ein viel fesselnderes Gitarrenspektakel.

Schön zu hören: Auch Anspruch und Songs mit Raffinesse funktionieren im Festival-Format. So abgefahren wie die Karriere von Bilderbuch war deren Bühnenshow. „Ein Festival ist da, um die Liebe in den Himmel zu schreien“, konstatierte Sänger Maurice Ernst – und die Ösi-Vielkönner riefen ihr ganzes Spektrum ab. Bosse gehörte 2016 zu den Künstlern, die bereits angereist waren, und dann wegen des Unwetters nicht auftreten konnten. „Ihr glaubt gar nicht, wie viel Bock wir auf Euch haben!“, rief er ins Publikum und dankte „Peter Maffay und dem Wettergott“ für trockene Momente. Faber bewies, dass auch Chansons mit Schmackes funktionieren können. Zu echten Abräumern wurden die Leoniden: Die hyperaktiven Jungs mischten die Menge mit mitreißendem Rockpop und Ohrwurm-Refrains auf und konnten ihr Glück kaum fassen: „Vor zwei Jahren standen wir um 12 Uhr mittags auf der Bühne“ – 2019 zur besten Festival-Zeit um 19 Uhr. Zwischen 15. und 17. August sind die Kieler beim Dornstadter Obstwiesenfestival nochmal umsonst und draußen zu erleben.

Energie ohne Ende gab es von Christine and the Queens. Powerfrau Héloïse Letissier gab alles, und schien singend bewegt weniger außer Atem als ihre Tänzer.

Am Sonntag endete das Southside mit Auftritten von Bloc Party, Macklemore, AnnenMayKantereit und Mumford & Sons.

Die Toten Hosen, Samstags-Headliner beim Southside 2019. Foto: Udo Eberl

Überragend am frühen Freitagabend auf der Green Stage: Héloïse Letissier von der französischen Gruppe Christine and the Queens beim Southside 2019. Foto: Udo Eberl

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Erstellt:
24. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2019, 06:00 Uhr

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