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Sparkassen

Das Internet ist die wichtigste Filiale

Die Kunden gehen nur noch einmal im Jahr zur Bank, sagt Verbandspräsident Peter Schneider. Die Darlehen an die boomende Wirtschaft in Baden-Württemberg erreichen einen Rekordwert.

08.02.2018

Von THOMAS VEITINGER

Einen Rekordwert bei Darlehen verkündete Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg. Foto: Marijan Murat/dpa

Stuttgart. Langweilig ist es den Sparkassen derzeit nicht. Eine Herausforderung bleibt die Digitalisierung etwa mit Online-Bezahlsystemen wie Kwitt und Paydirekt. „Unsere Kunden öffnen im Schnitt 20 mal im Monat ihre App und gehen zweimal zum Geldautomaten. Ihre Filiale besuchen sie dagegen nur einmal – im Jahr“, sagte Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg bei Vorstellung der 2017er-Zahlen. Fast die Hälfte der Privatkunden greifen per PC, Tablet oder Smartphone auf ihr Konto zu.

„Die am meisten besuchte Filiale ist die Internetfiliale“, sagte Schneider. „Daher ist es verständlich, dass Sparkassen kaum besuchte Filialen schließen.“ Im vergangenen Jahr verkleinerte sich ihre Zahl um 56 auf 2100. „Wir werden aber weiter stark in der Fläche präsent bleiben und uns nicht nur auf die großen Städte konzentrieren“, versprach er. Der Rückgang soll abgebremst werden. Ebenso wie der Abbau der Mitarbeiter, dem 3312 Jobs seit 2012 zum Opfer fielen.

Hauptthema Nullzinspolitik

Das Hauptthema 2017 war aber erneut die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). „Wir stemmen uns mit Macht dagegen, auch um so lange wie möglich Negativzinsen zu vermeiden“, sagte Schneider. Dabei half das „unglaublich starke“ Kundengeschäft, das zum Wachstum in der Bilanz geführt habe. Am Jahresende vertrauten die Kunden in Baden-Württemberg ihren Sparkassen 133,6 Mrd. EUR an, 2,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Sie kommen wegen des Sicherheitsaspekts“, sagte Schneider.

Deshalb lehnten die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und Privatbanken in Deutschland die Vorschläge der EU-Kommission für ein vergemeinschaftetes System der Einlagensicherung in der Eurozone ab. „Die zurückgelegten Mittel für die Absicherung der Sparer dürfen nicht als Haftungsmasse für Banken anderer Länder zweckentfremdet werden.“ Mit den Institutssicherungen und den beschlossenen Standards und Verordnungen seien die Kundeneinlagen bereits in unbegrenzter Höhe geschützt. Falls die Pläne dennoch durchgesetzt werden sollen, drohte Schneider sogar mit einer Demonstration: „Dann braucht es mal 100?000 Leute vor der EZB. Das können wir gut organisieren.“

Die „signifikant höheren Kosten für die Regulierung“ sind laut Schneider der dritte Punkt, der die Sparkassen in Atem hält. „Trotz der erheblichen regulatorischen Anforderungen werden die Sparkassen auch in Zukunft ihre Kunden flächendeckend zu Wertpapieren beraten“, flachste der Sparkassen-Präsident. Die 20?000 Seiten umfassende Vorschrift „MiFID II“ sei umgesetzt.

Der Zwang zur Sprachaufzeichnung und die umfangreichen Unterlagen stoßen aber bei vielen Kunden auf Ablehnung. Das Wertpapiergeschäft habe zwar angezogen, sei aber für den normalen Kunden „kein Königsweg“, wie auch in den vergangenen Tagen mit starken Rückgängen an den Börsen zu sehen gewesen sei. „Wer weniger als 50?000 Euro investieren will und das Geld möglicherweise kurzfristig braucht, sollte sich den Schritt überlegen.“ Aktien eigneten sich auch nur als eine von mehreren Anlagearten.

Die Sparkassen profitierten von der auf Hochtouren laufenden Wirtschaft. 2017 wurde mit 13,8 Mrd. EUR Darlehen an Unternehmen und Selbstständige ein Rekord erzielt. In den Zahlen „spiegeln sich die sehr gute Verfassung und Dynamik der Wirtschaft“, sagte Schneider. Er habe auch keinen Grund anzunehmen, dass sich dies in nächster Zeit ändern könnte. Die Sparkassen bauten zwar ihr Geschäft stetig aus, aber die Erträge ließen sich nicht im gleichen Maße steigern. Die 1,2 Mrd. EUR Gewinn der 51 Sparkassen im Land fließen in das Eigenkapital. Denn: „Keiner soll glauben, es gehe ewig so weiter mit der Wirtschaft.“

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Erstellt:
8. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Februar 2018, 06:00 Uhr

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