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Wettlauf gegen die Zeit

Das Höhlendrama von Thailand

Seit gut einer Woche werden in einer Höhle in Thailand jugendliche Fußballspieler und ihr Trainer vermisst. Die Suchaktion verläuft chaotisch.

02.07.2018

Erschöpfung und Hoffnung spiegeln sich in den Gesichtern der Eltern. Viele haben die Augen geschlossen und sind in ihren Gedanken und Gebeten ganz bei ihren seit gut einer Woche vermissten Söhnen. Ein buddhistischer Mönch leitet die Gebetszeremonie in der Nähe des Höhleneingangs in den Bergen im Norden Thailands. Eine blaue Plastikplane schützt die Familien vor dem Regen, überall ist rotbrauner Schlamm.

Obwohl es bisher kein Lebenszeichen von der in der weitläufigen Höhle eingeschlossenen Jugend-Fußballmannschaft gibt, klammern sich viele an die Hoffnung und die Versicherungen der Behörden, dass doch noch alles gut werden wird. Die Verantwortlichen stecken alle vorhandenen Ressourcen in die Suche, aber schlechte Koordination und mangelnde Erfahrung mit solchen Notlagen lassen Zweifel an ihrem Optimismus aufkommen.

Knapp 1000 Helfer habe die Regierung vor Ort im Einsatz, sagt Provinzgouverneur Narongsak Osotthanakorn. Aber niemand hier kenne sich mit Suchaktionen in Höhlen aus.

Am Samstag vergangener Woche waren die jungen Fußballer und ihr Trainer in die Tham Luang-Khun Nam Nang Non-Höhle in der Provinz Chiang Rai eingestiegen. Eine fatale Entscheidung. Mit etwa zehn Kilometern Länge ist die Höhle eine der größten des Landes. Und sie ist gefährlich. Gerade jetzt, in der Regenzeit, können Sturzfluten und Hochwasser Gänge unpassierbar und die Rückkehr ins Freie unmöglich machen.

Das Risiko unterschätzt?

Genau das ist vermutlich den 11 bis 16 Jahre alten Jungen und ihrem Trainer passiert. Sie kamen alle aus der Gegend im Grenzgebiet zu Myanmar und hatten die Höhle nach Angaben von Familien und Freunden bereits früher erkundet. Die Risiken eines solchen Ausflugs müssten ihnen also bekannt gewesen sein. Haben die Jungen sie dieses Mal unterschätzt?

Eine Mutter hatte am Samstagabend Alarm geschlagen, als ihr Sohn nicht vom Fußball zurückkehrte. Die Fahrräder der Jungs wurden beim Höhleneingang entdeckt. In der Höhle fanden die Suchmannschaften am Dienstag Hand- und Fußabdrücke der Vermissten. Dies werteten sie als Lebenszeichen. Doch seitdem: nichts. Schuhe und Rucksäcke wurden ebenfalls gefunden, was bedeutet, dass die Jungen kaum Proviant haben, falls sie überhaupt für den Tag etwas eingepackt hatten.

Thailändische Mediziner versichern, dass die Vermissten eine Woche überleben könnten. Dabei gehen sie aber davon aus, dass sie im Trockenen sind und Trinkwasser zur Verfügung haben. Mit jedem Tag stehen die Überlebenschancen schlechter. Über die nicht auszuschließende Möglichkeit, dass die Jungen ertrunken sein könnten, möchte hier in Chiang Rai niemand offen reden.

Am Ort des Dramas herrscht Durcheinander. Eltern und Helfer werden abgeschirmt, Informationen der Behörden sind dürr und nicht selten widersprüchlich. Die Suchaktion wirkt schlecht koordiniert. Verschiedene Teams arbeiteten mit unterschiedlichem Kartenmaterial. Erst am neunten Tag nach Verschwinden der Fußballer veröffentlichte die Regierung eine Höhlenkarte.

Trotzdem machen nur wenige Thailänder ihrem Frust über die schleppend vorangehenden Arbeiten öffentlich Luft. Eine Schauspielerin, die meinte, in jedem anderen Land hätte man die Jungs längst gefunden, erntete für diesen Social-Media-Post heftige Kritik. Die Mehrheit hält die Hoffnung am Leben, mit selbst geschriebenen Songs, Zeichnungen, Gebeten. „Ich warte auf gute Nachrichten“, schreibt ein User auf Twitter. Genau wie die Eltern im Schlamm vor der Tham Luang-Höhle wollen viele nur an ein Happy End denken.

Internationale Unterstützung

Die Suche nach dem verschollenen Jugend-Fußballteam wird mit internationaler Hilfe fortgesetzt. Australien schickte am Sonntag sechs Polizisten, die Erfahrung mit Tauchen in Höhlen haben, wie das australische Handels- und Außenministerium mitteilte. Hilfe leisten auch Retterteams aus Myanmar und Laos, bis zu 32 Angehörige der US-Streitkräfte, drei britische Taucher und ein britischer Höhlenexperte sowie fünf Experten aus China.⇥dpa

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02.07.2018, 06:00 Uhr
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