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Kässpätzle als Tapas

Das Gasthaus „Bären“ verbindet schwäbische Küche mit südlicher Leichtigkeit

Seit ein paar Tagen ist das Gasthaus „Bären“ in der Tübinger Unterstadt wieder geöffnet. Im südlich anmutenden Ambiente bietet es einfache schwäbische Gerichte in kleinen Portionen. Offenbar kommt das an.

29.03.2016
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Am Samstagabend kurz nach neun Uhr ist im eben neu eröffneten „Bären“ schon kein Tisch mehr frei. Der Tübinger Chemiker Martin Löffler und seine Ostergäste müssen enttäuscht weiterziehen. „Wir haben gesehen, dass umgebaut wurde, und uns schon wochenlang gefreut“, sagte der 36-Jährige, der schon beim früheren Pächter Jörg Kramer gerne zum Fußballgucken kam.

Die Premium League gibt es bei den neuen Betreibern Dimitris Katsaras, Marko Chatziliadis und Jan Maier nicht mehr. Dafür haben sie den Traditionsgasthof mit viel Liebe zum Detail herausgeputzt. Böden und Wände sind neu. Nur die freigelegte Ziegelwand rechts neben dem Eingang ist original. Die exquisiten Bodenfliesen im hohen Nebenraum mit der Bar wirken handbemalt. „Wir haben die Einrichtung gemeinsam mit Innenarchitekt Stathis Gerakaris entwickelt“, sagt Chatziliadis. Der Innenarchitekt aus Thessaloniki kam mit einem Riesenlastwagen voller Möbel und Baumaterialien nach Tübingen. „Wir suchen auch hier, werden aber selten fündig“, so Chatziliadis, während Katsaras in der Küche Hand anlegt.

Am Samstagabend sitzen fast ausschließlich junge Leute in der anheimelnd stylischen Esskneipe. Mit ihren Fassböden, Werkzeugen und dem historischen Schwarz-Weiß-Foto über der Spiegelwand der Bar erinnert sie an eine Böttcherwerkstatt. „Es kommen auch Paare Mitte 50 oder größere Gruppen, Stammtische.“ Von manchen Gästen hörte Chatziliadis, dass sie schon seit 30 Jahren in den „Bären“ gehen. „Deshalb wollten wir den Namen beibehalten, weil es ein altes Tübinger Lokal ist.“

Derzeit gibt es noch keinen Ruhetag, aber mindestens einer wird kommen. „Zwei Läden ohne Ruhetag, das wird doch anstrengend“, meinte der 29-Jährige, der mit Katsaras auch im „Schwarzen Schaf“ an Bord ist. Er hat in Griechenland Deutsch studiert und in Tübingen Sport auf Lehramt draufgesetzt.

Als er wegen einer Schulterverletzung pausieren musste, jobbte er als Barkeeper im Art Café von Katsaras‘ Vater auf Waldhäuser Ost. „Ganz schüchtern ist schlecht“, beschreibt er die Voraussetzungen für den Job. „Man muss mit den Leuten gut können. Den Rest kann man alles lernen: Wie man einen Cocktail mixt, oder wie ein gutes Pils aussehen muss.“ Sein Lieblingscocktail ist Whisky sour. „Das ist Bourbon mit Zitrone und Rohrzucker und noch ein paar Sachen“, die er aber nicht verraten will.

Außer den drei Chefs arbeiten zwei Festangestellte (darunter der Koch) und 15 bis 17 Aushilfen in dem Lokal. „Die meisten sind Studenten.“ Zu essen gibt es schlichte schwäbische Gerichte wie Maultaschen, Kässpätzle oder Bratkartoffeln. „Wir werden öfter wechseln“, sagt Chatziliadis. „Deshalb ist die Karte mit Bleistift geschrieben.“

Es gibt kleine Portionen, die sich jede Tischrunde wie einen Vorspeisenteller zusammenstellen kann. „Damit man viel teilen kann“, umschreibt Chatziliadis das Konzept. Bis Mitternacht gibt es auf jeden Fall warme Küche. Danach sind noch Wurst- oder Käseteller mit Brot oder Salat zu haben. Derzeit stehen Linsensalat, Sauerkraut, Rote Bete (mit Apfel, Sesam und Walnüssen) auf der an altmodische Schulhefte erinnernden Speisekarte, die auf den Tischen ausliegt. Gebratene Zucchini oder Hackfleischbällchen mit Tomatensoße werden ebenfalls serviert.

Vor der Tür standen ein paar begeisterte Gäste und rauchten. Dem Tübinger Sport- und Englischstudenten Maximilian Härle hat es vor allem „das Konzept ,schwäbische Tapas‘ “ angetan. „Sonst ist man in Restaurants immer pappsatt. Hier kann man von allem problieren“, sagte der 26-Jährige.

Der Betriebswirt Anselm Rogowski lobte die „extrem netten Besitzer“. Der runderneuerte „Bären“ hat für den Ex-Tübinger, der mittlerweile in Düsseldorf lebt und nur zu Ostern in der alten Heimat weilt, „ein 300-Prozent-Upgrade zu früher“ hingelegt. „Es ist die perfekte Ergänzung zum ,Schwarzen Schaf‘“, schwärmte der 27-Jährige. „Zuerst geht man in den ,Bären‘, dann zieht man weiter ins ,Schaf‘.“

Der gebürtige Tübinger Sanjit Bhatia weiß schon, dass er wiederkommen wird. „Für Tübinger Verhältnisse hat der ,Bären‘ einen neuen Stil kreiert.“

Der „Bären“ hat auch eine schillernde Vergangenheit

Der Gasthof „Bären“ wurde bereits in den 1860er Jahren eröffnet. Wie der „Falken“ an der Krummen Brücke und der „Adler“ in der Jakobsgasse war er eines von zahlreichen kleineren Gasthäusern im Tübinger Wengerter-Viertel zwischen Kelternstraße und Haaggasse. Angeblich sollen die Wirtsleute, das Ehepaar Friedrich und Anna Gutbrod, ihre Gäste „des öfteren betrunken“ bedient haben, heißt es in einer Anzeige Ende Januar 1934. Das im Bierblech zusammengelaufene Tropfbier hätten sie wieder abgefüllt und erneut ausgeschenkt. Als eine Polizeistreife am 11. März 1938 Geräusche registrierte, „die mit einiger Sicherheit auf unsittliche Handlungen schließen“ ließen, wurde der Witwe Gutbrod die Konzession entzogen. Der „Bären“ aber überlebte. Mit einer „Altherrenstammtisch-Gesellschaft“ um den Bauunternehmer und langjährigen Gemeinderat Friedrich Dannenmann wurde das Lokal Anfang der 1950er Jahre geradezu honorig.

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29.03.2016, 01:01 Uhr
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