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Dieses Rot beißt

Das Frauentheater Purpur begeisterte mit „Heimspiel“

Tübingen. Es ist ziemlich grell für ein Fußballfeld. Sattgrün leuchtet die Bühne, von der sich die Trikots der 13 Darstellerinnen auch ohne Flutlicht schrillstens abheben: Sie tragen je nach Altersklasse – von 50 aufwärts bis jenseits der 80 – schreiendes Pink, Hellrot oder Orange zu einheitlich tomatenroten Schlabberhosen. Deren Länge liegt irgendwo zwischen Bermuda und Capri, dafür sind manche mit schwärzlichen Spitzen veredelt (Ausstattung: Reinhilde Hauser).

15.06.2010

Denn für die Miminnen des Frauentheaters Purpur kann das Alter auch die Zeit sein, „Falten und Wülste mit Spitze (zu) dekorieren?. Oder sich ironische Freiheiten zu definieren: „Ich werde Purpur tragen, denn ich bin die spätrömische Dekadenz, sprich: Hartz IV?.

„Heimspiel? heißt das Jubiläumsstück zum zehnjährigen Bestehen des Laien-Ensembles, wie immer unter der Leitung von Uschi Famers. Es ist eine rasant-vergnügliche Revue, die blitzschnell vom Elfmeter zum Makabren einer Beerdigungsfeier wechseln kann und nebenbei über das Älterwerden und das Leben sinniert. Die gut 100 Premierenzuschauer in der gedrängt vollen Werkstatt des Landestheaters am Sonntagabend waren begeistert.

Drei Teams „Ü 50?, „Ü 65? und „Ü 80? müssen im begrenzten Bühnenraum irgendwie gemeinsam klarkommen. Alle zusammen passen nicht gleichzeitig ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Wer gerade nicht dran ist, nimmt eben auf einer der Abseits-Bänke Platz. Nicht einmal der Coach mit der stilgerechten, aber Quilt-ähnlichen Fahne ist davor gefeit.

Nur einmal inszenieren alle 13 quasi an der Rampe eine Rangelei, als hätten sie eine Testosteron-Spritze bekommen. Ansonsten verfremden sie die Catchwords vom Fußballplatz lieber auf ihre Weise. Da genügt es schon, wenn eine doch recht distinguiert wirkende Frau ein genüssliches „Du Rampensau? von sich gibt. „Sieg ? Niederlage ? Eigentor?? Sie machen ein Fragezeichen hinter die Maßeinheiten des (sportlichen) Erfolgs und sagen lieber: „Macht nischt.? Sie sind ausgerechnet 13, und wie die Feen im Märchen „Dornröschen? können sie gute und böse Gaben verteilen, einander verhöhnen oder einander aus einer peinlichen Zwangslage heraushelfen.

Am Ende hat man sich so vom Schwung der purpurnen Anti-Diven anstecken lassen, dass auch jüngere Zuschauer ganz beflügelt aus dem Theater kommen. Bereit, das Leben ein wenig leichter zu nehmen, selbst in ungemütlicheren Situationen. Seltsamerweise ist es ausgerechnet das „Ü 65?-Team, das für Momente ostentativ ein wenig ächzt und schwächelt. Aber nur so lange, bis es von den Bühnen-Veteraninnen der Klasse „Ü 80? zur Ordnung gerufen wird.DOROTHEE HERMANN

Sogar gelbe Karten werden gezückt im Heimspiel des Frauentheaters Purpur. Bild: LTT

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Erstellt:
15. Juni 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Juni 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2010, 12:00 Uhr

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