Grüne Hölle mit buntem Programm

Das Französische Viertel war ein großes Event

Ob Bands auf dem Platz des unbekannten Deserteurs oder Sumo-Ringen vor dem Werkstatthaus – das Französische Viertel wirkte beim Fest am Samstag nicht wie ein Stadtteil voller „Öko-Spießer“.

02.07.2012

Von Sascha Geldermann

Tübingen. Der Straßenmusikant Karle sitzt traurig in einer Ecke – niemand möchte seine schwäbischen Volkslieder hören. Da landet ein Außerirdischer neben ihm. Anfangs sind sich beide noch fremd – doch über die Musik nähern sie sich an. Das Theaterstück „Drei liedrige Strümpf“ von Eberhard Schilling und Bernhard Mohl über Volkslieder und Sprache brachte beim Fest im Französischen Viertel nicht nur Kinder zum Lachen.

Seit 1998 verwandeln sich in dem Stadtteil alle zwei Jahre Plätze in Bühnen und Straßen in einen Jahrmarkt mit Karussells, Essensständen sowie Veranstaltungen. Das diesjährige Motto „Die Grüne Hölle“ wurde dem Spiegel-Artikel über das Französische Viertel entnommen, der die Bewohner als „Öko-Spießer“ bezeichnet hatte. „Dass das so nicht stimmt, zeigt die Atmosphäre heute deutlich“, sagte Marc Mausch vom sechsköpfigen Koordinationsteam.

Die kleine Gruppe kümmerte sich nur um den Rahmen des Viertelfests. Für das Programm an sich sind die Leute verantwortlich, die hier leben und arbeiten. „Ohne großes Zutun hat sich so ein vielfältiges und fantasievolles Programm entwickelt“, sagte Mausch.

An Sport fehlte es dem Fest nicht. Der Hausarzt und Mitorganisator Wolfgang Raiser lud vor seiner Praxis zum Straßenfußball-Turnier. Und beim Sumo-Ringen vor dem Werkstatthaus verwandelten gepolsterte Kostüme zierliche Mädchen in massige Kämpfer.

Viele Unternehmer nutzten den Tag, um Einblick in ihre Arbeit zu gewähren. Bei Schmidt Maschinenbau führten Mitarbeiter die Besucher durch die Produktion der Nabendynamos. Uta Bittner lud derweil zu Kaffee und Musik in ihre Praxis für Physiotherapie „Körperzeit“. Ihre Wohnung liegt in demselben Gebäude: „Das Konzept von Wohnen und Leben im Viertel geht für mich voll auf“, sagte sie.

Kunstausstellung, Spiele für Erwachsene oder Basteln – an jeder Ecke gab es etwas zu entdecken. Auf der Aixer Straße bot der Berater Ludger Kühling ein spielerisches Coaching an, bei dem die Besucher Karten mit Sprüchen als Lösungen für ihre Probleme ziehen konnten.

Die LWV-Eingliederungshilfe stellte die beiden Wohnprojekte im Viertel vor, in denen Menschen mit Behinderung leben. Abends sorgte die Organisation dann dafür, dass sich die Panzerhalle in eine Disco verwandelte.

Ein Großteil des Programms war musikalisch. Auf dem Platz des unbekannten Deserteurs trommelte die Gruppe Ki Bong und im Café Latour spielte unter anderem die Weltmusikband Kaira Tiló. Hier vereinen fünf Musiker aus Deutschland, Chile, Senegal und Italien ihren Sound – die ihren Proberaum im Französischen Viertel haben.

Alison Joy Williams und Indigo Edge sorgten für eine der vielen Musikeinlagen auf den drei Bühnen des Viertelfestes.

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Erstellt:
2. Juli 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Juli 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Juli 2012, 12:00 Uhr

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