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Wäschehersteller Mey will mit neuen Techniken und modernem Design punkten

Das Blusenwunder von der Alb

Wäsche hat es nicht leicht auf dem Markt. Das Familienunternehmen Mey setzt sich trotzdem durch: Mit hoher Qualität, reizvoller Unterwäsche und neuen Techniken - hergestellt auf der Schwäbischen Alb.

09.12.2015
  • BIANCA FRIESS

Albstadt. Das "Blusenwunder" fühlt sich leicht an - ungewohnt leicht für einen Büstenhalter. Inmitten von Spitzenhöschen und Push-Up-BHs hängt das Wäschestück auf einer Stange. Daneben sind auch schlichte Unterhemden und in Kartons verpackte Slips zu finden. In der Männerabteilung fällt vor allem die Farbe blau auf: Dunkelblaue Schlafanzüge hängen neben karierten Boxershorts.

Im Juli diesen Jahres kam das Blusenwunder auf den Markt - mittlerweile ist es bereits ausverkauft, berichtet Matthias Mey, Geschäftsführer des Familienunternehmens. Er drückt das Körbchen zusammen, der Stoff springt sofort wieder in seine ursprüngliche Position zurück. Durch eine neue Technik sei der sogenannte Spacer-BH besonders atmungsaktiv und passe sich gut an den Körper an, erklärt der 42-Jährige. In der Branche habe sich der Begriff "Blusenwunder", der ursprünglich in der Werbung genutzt wurde, schon etabliert. Der Büstenhalter ist eine von Meys größten Innovationen der letzten Zeit.

"Innovation" - das Wort fällt häufig im Gespräch mit dem Geschäftsführer. Durch Neuerungen wie dem Blusenwunder kann Mey sich im Wettbewerb durchsetzen. Dabei hat es der BH für knapp 60 EUR nicht leicht auf dem Markt: Mey spricht von sinkenden Durchschnittspreisen in der Branche. Kunden geben im Schnitt immer weniger Geld für Wäsche aus, erklärt er.

Auf der anderen Seite legen viele Menschen Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit - an diesem Trend setzt Mey an. Das Image eines biederen Feinripp-Herstellers ist überholt: Früher habe man sich zum Beispiel eher auf schlichte Unterhemden konzentriert, berichtet Mey. Heute vermarkte das Unternehmen sich über reizvolle Dessous. In den großen Geschäften sei ihre Wäsche oft trotzdem noch recht altmodisch dargestellt, meint Mey. Deshalb sollen die eigenen Läden ausgebaut werden. "Was die Produktion angeht, ist es außerdem innovationsfördernd, dass alles an einem Standort stattfindet. So sind wir in Entwicklung und Umsetzung schneller", sagt der Geschäftsführer.

Vom Bürogebäude sind es nur wenige Schritte bis zur Strickerei. Dort arbeiten große, laute Maschinen neben Regalen, auf denen sich weiße Garnrollen stapeln. Einige Räume weiter, in der Design-Abteilung, entwickeln Mitarbeiter gerade die Kollektion der Wintersaison des kommenden Jahres, während die Näherinnen an den aktuellen Produkten arbeiten. Eine dunkelhaarige Frau sitzt an zwei ratternden Nähmaschinen gleichzeitig. An der einen Maschine näht sie einen Bund mit der Aufschrift "Mey Bodywear" auf schlichte schwarze Männerunterhosen auf, während daneben die Ränder versiegelt werden. Seit über 25 Jahren arbeite sie bereits hier, erzählt sie. Seitdem habe sich viel verändert, vor allem die Technik sei moderner geworden.

Dafür ist unter anderem Michael Höckele verantwortlich: Zusammen mit seinem Team optimiert er die Maschinen. "Wir erfüllen die Wunschträume mancher Mitarbeiter", sagt er. Die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze spiele eine große Rolle, berichtet auch Marketingleiter Roland Geiger. Die Nähmaschinen können zum Beispiel in der Höhe verstellt werden.

In der Zuschnitt-Abteilung stapeln sich dünne Stoffbahnen auf großen Tischen. Aus den Teilen, die darauf eingezeichnet sind, entsteht später ein rosa Blusenwunder. Leise fährt ein Laser über den Tisch und schneidet die Stücke entlang der Markierungen aus. Ein einzelner BH besteht dabei aus bis zu 56 Einzelteilen, sagt Mey.

Die Zutaten, wie er die Teile nennt, werden am Stammsitz in Albstadt auf Wagen gesammelt, die sich vor der Ladeluke stauen. Dort warten die Teile auf den Transport nach Ungarn, wo sie zusammengenäht werden. Dieser letzte Schritt der Dessous-Produktion wäre in Deutschland zu teuer, sagt Mey. In Ungarn verdienen die Näherinnen etwa ein Viertel der Löhne ihrer deutschen Kollegen. Wie hoch das Entgelt am Ende ist, hängt aber auch von der Schnelligkeit der einzelnen Näherin ab: In der Regel wird im Akkord gearbeitet.

67 Prozent der Wertschöpfung finden aber nach wie vor in Deutschland statt - das Familienunternehmen fährt gut mit diesem Kurs: 2014 setzte Mey 73 Mio. EUR um, 2010 waren es noch 67 Mio. EUR. Darauf will Mey sich aber nicht ausruhen.

Das nächste Ziel ist der Ausbau des Geschäftes im Ausland. "Im deutschsprachigen Raum sind wir sehr stark", sagt Mey. Die Exportquote von 22 Prozent sei aber noch ausbaufähig. Für Großbritannien beispielsweise müsse man sich erst den Tragegewohnheiten der Menschen anpassen.

Er legt einen blauen Männerschlafanzug mit Fisch-Aufdruck auf einen Tisch. Mit solchen anschaulichen Prints sei man dafür auf dem richtigen Weg, meint er. Nächstes Jahr werden die Stücke im Laden hängen - eine weitere kleine Innovation für Mey.

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09.12.2015, 08:00 Uhr
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