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Erfrischung auf eigene Gefahr

Das Baden in Flüssen wird immer beliebter

Offizielle Flussbäder gibt es nur ganz wenige im Südwesten. An heißen Tagen erfrischen sich deshalb immer mehr Menschen an unkontrollierten Stellen - auf eigene Gefahr, weil das Wasser nicht kontrolliert wird.

21.08.2010

Von HANS GEORG FRANK

Künzelsau Nach starken Regenfällen sieht die braune Brühe des Kochers nicht gerade einladend aus. Trotzdem wagen sich einige unerschrockene Schwimmer in den Fluss, dem in Künzelsau (Hohenlohekreis) eine Badebucht abgerungen wurde. In dieses natürliche Freibad, durch eine Mauer vom Gewässer abgetrennt, hat die Stadt letztes Jahr 1,1 Millionen Euro investiert. "Für Badegäste, die natürliche Gewässer bevorzugen, ist die Badebucht schon seit Jahrzehnten ein Geheimtipp", sagt Rathaus-Sprecherin Elke Sturm. Allgemein geschätzt werde die "Freizeitanlage in der Stadt und doch mitten im Grünen". Das Wasser wird regelmäßig kontrolliert.

Beliebter Badeplatz in der Jagst beim Kloster Schöntal - auch ohne kontrollierte Wasserqualität. Fotos: Agenda/Wittmer

Die Kocherbucht ist eines der wenigen amtlich zugelassenen Flussbäder im Land. Die Strandbäder am Hochrhein in Gailingen und Büsingen sowie das Konstanzer Bad am Seerhein gehören dazu, in Schwörstadt (Kreis Lörrach) führt vom konventionellen Freibad ein Zugang zum Rhein, im Freibad von Karlsruhe-Rappenwört ist ein vom Rhein durchflossenes Becken offiziell nicht zum Baden freigegeben.

In Mannheim wurde zwar gerade für 4,6 Millionen Euro ein "Strandbad" eröffnet, dabei handelt es sich allerdings um eine Gaststätte auf Stelzen. Allenfalls ein Sonnebad ist hier zulässig, denn am "Rheinischen Lido", ist das Baden genauso verboten wie am Neckar im gesamten Stadtgebiet, teilt Pressesprecherin Tabea Gernoth mit. Es gebe ja schließlich vier Freibäder, einen Weiher und zwei Seen. Eingefleischte Schwimmer sollen sich durch Anordnungen jedoch nicht vom Baden in den Flüssen abhalten lassen - zumal in der Natur - kein Eintritt verlangt wird

Abtauchen im Neckar: Bei 30 Grad im Schatten kommt der Fluss grad recht.

Dörzbach im Hohenlohekreis wirbt zwar mit dem Hinweis auf "Baden in der Jagst" um Touristen, aber im Teilort Hohebach gibt es weder Umkleidekabinen noch kontrolliertes Wasser. Auf eigene Gefahr steigt man auch am Wehr in Schöntal, direkt neben dem Kloster, in die Fluten. An dieser Stelle tummeln sich an schönen Sommertagen viele Badende einträchtig neben Kanuten. Auch in Bächlingen bei Langenburg ist die Jagst ein beliebtes Erfrischungsrevier. "Ich gehe immer rein, wenn es warm ist und schwimme meine 300 Meter", erzählt Bernulf Schlauch. Vor allem an Wochenenden trifft der Bächlinger dort "auf Familien, die extra aus der Stuttgarter Ecke anreisen".

Die Jagst ist einer der populärsten Flüsse für Naturfreunde. Wer unterwegs bei der Anfahrt gut aufpasst, entdeckt viele Plätzchen zum Plantschen, etwa in Züttlingen bei Möckmühl, in Jagsthausen und in Unterregenbach.

Die Wasser-Wächterin des Landkreises Tübingen
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Die Wasser-Wächterin des Landkreises Tübingen --

02:40 min

Bei den Behörden jener Kreise, die gleich zwei Flüsse im Namen tragen, ist keine Auskunft über ausgewiesene Badestellen zu erwarten: Weder im Main-Tauber-Kreis noch im Rhein-Neckar-Kreis und auch nicht im Rems-Murr-Kreis. "Rems und Murr sind nicht als Badegewässer freigegeben", lässt Kreissprecher Steffen Becker wissen. Doch in der Rems tummeln sich trotzdem nicht nur Fische. "Baden in der Rems, lange verpönt und als undenkbar betrachtet, ist bei vielen Jugendlichen wieder angesagt", berichtet die Waiblinger Lokalzeitung.

Fehlanzeige auch in den Landkreisen Karlsruhe, Heidenheim, Schwäbisch Hall und Alb-Donau. "Nach unserer Einschätzung wird in der Donau in unserer Region auch kaum ,wild gebadet", erklärt Bernd Weltin vom Landratsamt in Ulm, die Leute ziehe es an die zahlreichen Seen nahe der Donau und der Iller.

Im Kreis Sigmaringen wirbt der Talhof bei Beuron mit dem Hinweis "Baden im Donautal" um Gäste. Und in Riedlingen (Kreis Biberach) wird der Erfrischungseffekt der Donau schon lange geschätzt. Die "Volksbankinsel" sei der inoffizielle Badestrand in der Stadt, verrät Hauptamtsleiterin Anita Missel, das Wasser sei dort "im Prinzip sauber". Von einer Brücke wagten die mutigsten Burschen auch den Sprung in die Donau: "Aber das ist hochgefährlich."

Tipps für weniger bekannte Badestellen sind im Internet in einschlägigen Foren, etwa für Nudisten, zu finden. Empfohlen wird beispielsweise die Kollerinsel im Rhein bei Brühl: "Das Wasser ist schön klar."

Im Ludwigsburger Stadtteil Hoheneck wurde zwar das Neckargestade kürzlich aufwendig renaturiert. Aber zum Baden geeignet ist es nicht. "Es gibt zu viele Krankheitserreger", warnt das Gesundheitsamt.

Dabei hätte der Neckar doch schon vor 30 Jahren sauber sein sollen: Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser (1931 - 2003) hatte Mitte der 1970er Jahre gewettet, dass im Fluss "ab 1980" wieder gefahrlos gebadet werden könne. Zum Beweis wollte er "kopfüber voranspringen". Vorsichtshalber hat der Politiker dann aber auf Wasserkontakt verzichtet und als Verlierer lieber zehn Flaschen Wein bezahlt - "Wieslocher Spitzenberg Spätlese".

Blick zurück ins Jahr 1974: So stark belastet waren die Flüsse früher 21.08.2010 Baden in Flüssen: Im Wasser können Parasiten lauern 21.08.2010

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Erstellt:
21. August 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. August 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. August 2010, 12:00 Uhr

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