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Rat bei Sanierung

Das Aus für Energiefresser

Experten geben Lesern Anregungen, wie sie ihre Häuser und Wohnungen am besten sanieren können und woher sie dafür Geld bekommen.

06.03.2017

Von SIMONE DÜRMUTH

Zur Senkung der Energiekosten gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Foto: © Marcus Kretschmar / Fotolia.com

Ulm. Für viele Hauseigentümer kann es sich durchaus lohnen, über eine energetische Sanierung nachzudenken. Doch als Laie ist es schwer, herauszufinden, wo die Schwachstellen sind, und wie man sie beseitigt. Und es ist letztlich auch immer eine Frage des Geldbeutels. Dazu gaben Karin Janßen, Finanzierungsexpertin vom Verband der Privaten Bausparkassen, Kurt Eberhardt, Gebäudeenergie-Berater aus Ulm und Andreas Kohl von der Stiftung Warentest am Telefon den Lesern Tipps.

Mit wieviel Zuschuss können wir rechnen, wenn wir das Dach unseres 40 Jahre alten Einfamilienhauses dämmen lassen? Wo stellt man den Antrag?

Für Ein- und Zweifamilienhäuser, die vor dem 1. Januar 2002 gebaut worden sind, kann man für diese energetische Einzelmaßnahme aus dem KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“, Nr. 152, mit einem Zuschuss von 10 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal 5000 EUR rechnen. Bei den geplanten Maßnahmen müssen technische Mindestanforderungen eingehalten werden. Es ist grundsätzlich ein KfW-Sachverständiger hinzuziehen, der das bestätigt. Den Antrag auf Zuschuss stellen Sie direkt bei der KfW – und zwar vor Beginn des Sanierungsvorhabens. Zu den Antragsformalitäten erhalten Sie auch Auskunft über die kostenfreie Service-Nummer 0800 539 90 02.

Wir haben ein 30 Jahres altes Zweifamilienhaus. Die Heizkosten sind ziemlich hoch, deshalb wollen sanieren. Wir wissen aber nicht, womit wir anfangen sollen.

Der sinnvollste erste Schritt bei einem geplanten Sanierungsvorhaben ist eine Energieberatung vor Ort. Engagieren Sie einen Fachmann, der in der Lage ist, die Schwachstellen Ihres Hauses zu ermitteln und dementsprechend Empfehlungen für die energetische Sanierung zu geben. Das Haus wird dabei ganzheitlich betrachtet. Ihr Nutzerverhalten wird berücksichtigt. Unter www.energie-effizienz-experten.de finden Sie nach Postleitzahlen geordnet solche Fachleute.

An unserem Zweifamilienhaus aus dem Jahr 1975 wurde bereits eine Menge gemacht. Jetzt soll die Heizung durch den Einbau einer Wärmepumpe optimiert werden. Gibt es dafür einen Zuschuss?

Ja, das Bafa – also das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle – bezuschusst solche Maßnahmen wie eine leistungsgeregelte Luft/Wasser- Wärmepumpe mit einem Zuschuss von 30 Prozent der Nettoinvestitionskosten. Der Antrag kann über das online-Portal www.bafa.de bestellt werden. Beachten Sie, dass eine solche Flächenheizung eine niedrige Vorlauftemperatur haben muss.

Wir wollen für die Finanzierung unserer geplanten Sanierungsmaßnahmen Fördermittel einbeziehen. Wo beantragt man die?

Sofern es sich um Förderdarlehen aus den KfW-Programmen handelt, gehen Sie zu einem Kreditinstitut oder einer Bausparkasse Ihrer Wahl. Das sind in dem Fall die so genannten durchleitenden Institute. Bundesländer, Städte und Gemeinden vergeben auch Fördergelder für mehr Energieeffizienz. Unter www.baufoerderer.de finden Sie weitere Informationen.

Eine Komplettsanierung meines sehr alten Hauses kann ich mir nicht leisten. Würde es etwas bringen, wenn ich nach und nach etwas mache?

Jede Einzelmaßnahme hat auch eine energetische Wirkung. Wenn noch gar nichts gemacht wurde, dann ist es wahrscheinlich sinnvoll, mit der Fassadendämmung zu beginnen. Danach die Fenster und Türen zu erneuern und dann das Dach in Angriff zu nehmen. Eine Vor-Ort-Beratung ist unbedingt empfehlenswert, um Fehler zu vermeiden.

Wir wollen ein KfW-Effizienzhaus 40 neu bauen. Müssen wir da unbedingt eine Lüftungsanlage einbauen?

Ja. Denn ohne eine solche Anlage – am besten mit Wärmerückgewinnung – erreichen Sie die von der KfW vorgeschriebenen Werte nicht. Der Heizwärmebedarf darf höchstens 25 Kilowattstunden pro Quadratmeter Gebäudefläche betragen, wenn Sie die Förderung aus dem KfW-Programm in Anspruch nehmen möchten.

Wir haben ein Haus aus dem Jahr 1954 geerbt und wollen es energetisch auf Vordermann bringen. Wir werden praktisch von Dämmung über Fenster und Heizung alles machen. Wie wird das gefördert?

Für ein solches Vorhaben stellt die KfW zinsverbilligte Darlehen bis zu 100?000 EUR pro Wohneinheit zur Verfügung. Dazu kommt ein Tilgungszuschuss je nach erreichtem Effizienzniveau von maximal 27?500 EUR. Wenn Sie ohne KfW-Darlehen sanieren, steht alternativ ein Zuschuss von maximal 30?000 EUR zur Verfügung.

Wir haben Nachtspeicheröfen im Haus und damit über 3000 EUR Betriebskosten im Jahr. Jetzt liegt Gas am Haus an. Sollten wir umsteigen auf den anderen Energieträger? Was kostet der Umbau? Lohnt sich das?

Der Umbau, den Sie ansprechen, kostet im Minimum 30?000 EUR, je nach den Gegebenheiten im Haus. Sie sparen allerdings rund die Hälfte der bisherigen Betriebskosten, wenn die Gasheizung installiert ist. Es kann sich also durchaus lohnen.

Wir wollen eine Pellet-Anlage einbauen, weil unsere Heizung kaputt gegangen ist. Dazu benötigen wir knapp 22?000 EUR sofort. Was tun?

Fragen Sie bei einer Bausparkasse nach einem Vorausdarlehen. Für energetische Maßnahmen kann man einen solchen Kredit in Höhe bis zu 30?000 EUR beantragen. Dabei erfolgt im Gegenzug aber kein Grundbucheintrag.

Unser Haus ist Baujahr 1989. Der Fensterbauer will bei uns im Haus eine Dreifachverglasung einbauen. Was halten Sie davon?

Schauen Sie sich unbedingt vorher Ihre Fassade genauer an. Der Dämmwert der Fenster muss niedriger sein als der Dämmwert der Gebäudehülle. Ist das nicht der Fall, kann es zur Bildung von Schimmel kommen. Außerdem sind solche Fenster derart dicht, dass kein Luftaustausch mehr stattfinden kann. Sie benötigen also auch ein vernünftiges Lüftungskonzept.

Wir wollen aus unserer alten Immobilie ein KfW-Effizienzhaus machen und das alles ohne KfW-Darlehen finanzieren. Wird denn die geforderte Baubegleitung auch bezuschusst?

Die Kosten dieser qualifizierten Baubegleitung können in der Tat durch einen Zuschuss zumindest gesenkt werden. Die Höhe ist allerdings begrenzt auf 50 Prozent der Kosten und auf maximal 4000 EUR je Objekt.

Kurt Eberhardt, Karin Janßen und Andreas Kohl (v.l.) Foto: Matthias Kessler

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Erstellt:
6. März 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. März 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. März 2017, 06:00 Uhr

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