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Die Bilanzprüferinnen

Danièle Nouy und Sabine Lautenschläger bilden Spitze der Aufsicht

Europas Banken sollen sturmfest gemacht werden, damit sie bei der nächsten Finanzkrise nicht umkippen. Zwei Frauen spielen bei dieser neuen und für Europa bedeutsamen Aufgabe eine maßgebliche Rolle.

28.10.2015
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt Mit dem Umzug in ihr eigentliches Quartier müssen sich die Damen und Herren von der Europäischen Bankenaufsicht SSM noch gedulden. Erst im Januar ist der Eurotower am Willy-Brandt-Platz im Frankfurter Bankenviertel fertig. Schon vor einem Jahr hat die neue Behörde ihre Arbeit aufgenommen. Gut sei das erste Jahr gelaufen, sagt Danièle Nouy, die Chefin des SSM. "Die Ergebnisse im ersten Jahr waren vernünftig", sagt die kleine, energische 65jährige Französin.

"Vieles funktioniert sogar schon sehr gut", sagt auch Andreas Dombret, im Vorstand der Bundesbank für die Aufsicht zuständig. Ähnlich sieht es Sabine Lautenschläger, die 51-Jährige, aus Stuttgart stammende deutsche Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB), die im Leitungsgremium des SSM sitzt. Sie hat langjährige Erfahrung aus ihrer Arbeit bei der Finanzaufsicht Bafin und der Bundesbank.

Lautenschläger verkörpert zugleich das Dilemma der Aufsicht. Der SSM ist nicht unabhängig, er untersteht der EZB. Die Zentralbank macht die Geldpolitik und trifft zugleich die wichtigen Entscheidungen - etwa darüber, ob eine Bank saniert oder gar geschlossen werden muss. Bislang war das noch nicht der Fall, bei den griechischen Banken war die Lage freilich kritisch.

Nouy und Lautenschläger gelten als hart und durchsetzungsstark. "Jede Bank muss die Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells belegen: Sie muss profitabel sein und die zentralen Anforderungen im Blick auf Kapital und Liquidität erfüllen", sagt Nouy. Die Banken sind solider aufgestellt. Manche, aber nicht alle, schütten wieder Dividenden aus.

Namen nennt Nouy nicht. Aber dem Druck der Aufseher schreiben Beobachter auch die dramatischen Abschreibungen und den Rekordverlust zu, den die Deutsche Bank eben erst verkündet hat. Sorge bereiten die niedrigen Zinsen und die entsprechend geringe Profitabilität der Geldhäuser.

Großbanken, Sparkassen und Volksbanken halten die neue Aufsicht und die erhöhten Anforderungen für gut. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Banken, bescheinigt dem SSM "höchsten Respekt und Anerkennung", seine Liste der Kritikpunkte ist aber lang: zu wenig Transparenz, viel zu viele Daten, zu kurze Fristen, über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehende Kapitalanforderungen.

Jan-Pieter Krahnen, Professor für Kreditwirtschaft an der Uni Frankfurt, hat für Kritik wenig Verständnis. Der SSM habe enorm viel geleistet und sei auf dem richtigen Weg. "Die Großbanken müssen sich an neue Standards anpassen, an eine neue Aufsichtskultur mit international besetzten Aufsichtsteams, auch wenn das zu Reibereien führt." Ähnlich sieht es Banken-Professor Michael Koetter von der Frankfurt School of Finance. "Die Banken sind nach der Krise in der Bringschuld. Da galt es schließlich, einen Augias-Stall auszumisten."

Die Großbanken werden von Teams überwacht, für die Deutsche Bank sind es 70 Aufseher. Die werden von einem SSM-Experten geführt, der nicht aus dem Land der jeweiligen Bank stammen darf, und von Aufsehern des SSM und der nationalen Behörden. 130 Experten hat die Bundesbank abgestellt. Dank EU-Recht verdient ein Aufseher beim SSM doppelt so viel wie einer der Bundesbank. Derzeit zählt der SSM in Frankfurt 1070 Aufseher.

Kann der SSM die nächste Finanz- und Bankenkrise verhindern? "Dieses Versprechen kann ich nicht geben", sagt Nuoy. "Aber wir sind besser ausgestattet als je zuvor, um eine Krise zu bewältigen." Allerdings fehlt für den Ernstfall - die Sanierung oder Auflösung einer Bank - ein Abwicklungssystem. Es wird seit Jahresbeginn in Brüssel aufgebaut - von der früheren Bafin-Chefin Elke König.

Danièle Nouy und Sabine Lautenschläger bilden Spitze der Aufsicht
Danièle Nouy, Chefin der Europäischen Bankenaufsicht SSM (links) und Sabine Lautenschläger, Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB). Fotos:dpa

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28.10.2015, 12:00 Uhr
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