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Dolmetscherin

Damit Corona-News bei allen ankommen

Franziska Paschek übersetzt für die 37 000 Gehörlosen im Südwesten in Gebärdensprache.

06.04.2020

Von LSW

Franziska Paschek bei einer Pressekonferenz. Foto: Jana Hoeffner

Stuttgart. Auch dank Franziska Paschek verstehen 37 000 Menschen sofort, was die Landesregierung zur Corona-Krise mitteilt. Mindestens so viele Gehörlose und Hörgeschädigte leben nach Angaben des Landesverbands der Gehörlosen in Baden-Württemberg. Paschek übersetzt für sie in Gebärdensprache.

Das Ausmaß ihres ersten Auftrags Mitte März für die Landesregierung habe sie erst so richtig begriffen, erzählt Paschek, als Fernsehkameras auf sie gerichtet waren. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und drei Minister informierten damals die Öffentlichkeit, dass Schulen und Kitas geschlossen werden. Hunderttausende sahen im Fernsehen und bei Youtube die Regierungspressekonferenz – zum ersten Mal auch mit Gebärdensprachdolmetscherin.

„Der Pony war zu lang“

Paschek hatte erst zwei Stunden vorher davon erfahren. „Was hast du ausgefressen?“, habe sie sich im ersten Moment gedacht, als sich das Staatsministerium am Telefon meldete, erzählt sie. Dann habe sie natürlich zugesagt. „Damit die gehörlosen Menschen, die so dafür kämpfen, auch ihre Informationen erhalten“, sagt Paschek. Sie sei kurz von ihrem vorherigen Auftrag nach Hause und dann direkt ins Staatsministerium. Dafür ließ sie einen Friseurtermin sausen. „Mein Pony war viel zu lang“, erzählt sie – bei einer Gebärdensprachdolmetscherin keine Eitelkeit, denn die Augenbrauen sind wichtig für die Mimik, die mit Mund- und Körperhaltung sowie Handzeichen zu den Instrumenten der Gebärdensprache gehört, mit der sich Gehörlose verständigen.

Ein Drittel der Gebärden ist bildhaft. Die Gebärden erinnern an echte Dinge oder Handlungen. „Hamsterkäufe“ stellt Paschek etwa so dar: Erst die Hände an die Wangen gelegt – das erinnert an die vollen Backen eines Hamsters – und dann eine Armbewegung, wie man sie beim großzügigen Ausräumen von Regalen machen würde.

„Das Schöne ist, mit einer Sprache zu arbeiten, die lebt“, sagt die 30-Jährige. Sie kommt aus Zwickau und studierte dort Gebärdensprachdolmetschen. Mit ihrem Mann zog sie 2013 in den Südwesten. Heute lebt die Familie mit zwei Söhnen im Kita-Alter in Stuttgart. „Die sind jetzt zu Hause und halten mich zusätzlich auf Trab“, erzählt sie.

Sie finde es schön, „dass wir Dolmetscher mit den Gehörlosen so eine kleine Symbiose eingehen“, sagt Paschek. Sie sei bei Arztbesuchen dabei, bei Terminen auf Ämtern oder am Arbeitsplatz. Paschek betont: „Für mich ist jeder Auftrag gleich wichtig. Egal, ob ich bei einem Bewerbungsgespräch bin oder einem Politiker.“ Allerdings: „Wenn man weiß, dass da Hunderttausende vor dem Fernseher sitzen, steigt die Nervosität.“ dpa

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Erstellt:
6. April 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. April 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. April 2020, 06:00 Uhr

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