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Wozu braucht ein Künstler eine Galerie?

Damien Hirst zeigt in London, was er alles hat, und löst wilde Spekulationen über seine Absichten aus

Damien Hirst hat einen neuen Job. Der wohl berühmteste britische Künstler versucht sich jetzt auch als Galeriebesitzer. Tut er es aus Nächstenliebe?

09.10.2015
  • TERESA DAPP, DPA

London Damien Hirst ist längst mehr als ein weltberühmter Künstler, der Haie in Formaldehyd einlegt und Totenköpfe mit Diamanten dekoriert. Der 50-Jährige ist Multimillionär, vielfacher Haus- und Grundbesitzer, Gelegenheits-Stadtplaner, Publizist und Kunstsammler. Jetzt geht Hirst unter die Galeriebesitzer und eröffnet sein eigenes Museum in London, in dem er zeigen will, was er für sammelwürdig hält. Eintritt verlangt er dafür nicht.

Außen Backstein und ein zackiges Fabrikdach, innen hohe Decken, viel Licht und weiße Wände. Die Newport Street Gallery südlich der Themse sieht aus, wie moderne Museen eben aussehen. Das umgebaute Industriegebäude nimmt mit rund 3500 Quadratmetern Ausstellungsfläche einen erheblichen Teil der Straße ein. Das Architekturbüro Caruso St John hat auch die Tate Britain modernisiert und baut die neue Bremer Landesbank.

In seiner ersten Ausstellung ehrt Hirst den 2011 gestorbenen John Hoyland und dessen wenigstens in Großbritannien halbwegs bekannte abstrakte Malerei. Ausgerechnet Hoyland? Der wetterte in den 90ern nicht zu knapp gegen Hirst und dessen Künstlergruppe der Young British Artists (YBA). Ob die Ausstellung gut ist oder nicht - darüber sind die Kritiker uneins: "eine Art Offenbarung", befindet die "Times", "Hirst setzt aufs falsche Pferd", lästert der "Guardian". Interessanter ist die Frage, was Hirst bezweckt - schließlich soll er 25 Millionen Pfund (knapp 34 Mio Euro) ausgegeben haben, ohne jeden Zuschuss. Selbst für jemanden, dessen Vermögen die "Sunday Times" auf 215 Millionen Pfund schätzt, ist das eine Menge. "Ich glaube, Kunst sollte von so vielen Menschen wie möglich erlebt werden, und ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass ich Werke besitze, die in Kisten verstaut sind, wo sie keiner sehen kann", sagt der Künstler.

Die "nächste Stufe im Plan zur Herrschaft über die Kunstwelt" nennt dagegen der "Telegraph" das Projekt. Dabei nimmt Hirst sich selbst bewusst zurück. Als vergangene Woche die Kunstkritiker durch sein jüngstes Bauprojekt schlenderten, ließ er sich nicht blicken. Das "Wall Street Journal" glaubt, dass Hirst seine Karriere wiederbeleben will und auch kann. Sammler und Händler setzten bereits darauf, dass die Preise für seine Werke mit dem Interesse an der Newport Street Gallery wieder stiegen. Einen Versuch, sein Vermächtnis zu retten, wittert auch die "Times" - fügt aber hinzu: "Im wirtschaftlichen Klima Großbritanniens verdient jeder, der sein eigenes Geld in eine kulturelle Einrichtung von hoher Qualität steckt und die Türen für die Öffentlichkeit öffnet, Applaus und Respekt."

Im Kuratieren hat Hirst schon früher Gespür bewiesen: 1988 organisierte er die Meilenstein-Ausstellung "Freeze" in London, die der Bewegung der YBA zum Durchbruch verhalf. Inzwischen hat der Künstler mehr als 3000 Werke von Kollegen gekauft, darunter Jeff Koons, Francis Bacon und Banksy. Material für die Schauen hat er genug.

Damien Hirst zeigt in London, was er alles hat, und löst wilde Spekulationen über seine Absichten
Hohe Decken, weiße Wände: Damien Hirsts Newport Street Gallery in London. Foto: dpa

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09.10.2015, 12:00 Uhr
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