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Einsatz

Daheim ein Familienmitglied, bei der Arbeit ein Hilfsmittel

Wenn nach Personen oder Drogen gesucht wird, ist oft vierbeinige Unterstützung gefragt. Die fünfjährige Omega ist Teil der Polizeihundestaffel.

31.01.2020

Von MELISSA SEITZ

Bianca Zeltwenger und die Belgische Schäferhündin Omega sind seit gut vier Jahren ein Team. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Während Felix Jeschke aufs Gas drückt, mit dem Streifenwagen zu Überholmanövern ansetzt und durch die Straßen kurvt, liegt Omega entspannt in ihrer Kiste und gibt keinen Laut von sich. Am Wilhelm-Geiger-Platz in Stuttgart-Feuerbach springen Jeschke und seine Kollegin Bianca Zeltwenger aus dem Auto. Was sie wissen: Zwei Personen haben sich gestritten, einer soll mit einem Messer weggerannt sein, der andere fuhr ihm in einem grünen Wagen hinterher.

Bei der Vernehmung bleiben die beiden Streithähne ruhig. Die Personalien werden aufgenommen, dann geht's in Handschellen aufs Revier. Omega bleibt die ganze Zeit im Wagen. „Wären die beiden jetzt aggressiv gewesen, hätte ich sie vielleicht rausgeholt“, sagt Zeltwenger. Um für Ruhe zu sorgen und einzuschüchtern. Das kann Omega nämlich gut: Die fünfjährige Belgische Schäferhündin ist seit vier Jahren ein Polizeihund und Zeltwenger ihr Frauchen.

Einsatz erledigt, weiter geht es. Die Schicht von Zeltwenger, Jeschke und Omega beginnt an diesem Tag um 13 Uhr. Zum Glück: „Omega ist gar kein Frühaufsteher“, erzählt Zeltwenger und lacht. Für die Beamtin war immer klar: „Ich will nach der normalen Polizeiausbildung zur Hundestaffel“, erzählt sie. Ihre Stelle trat sie aber ohne Hund an. Ein passender Vierbeiner musste erst für sie gefunden werden. Und das ist nicht so einfach.

Rückgaberecht inklusive

„Wir holen uns keine Welpen vom Züchter“, erklärt Michael Silberbauer, Leiter der Polizeihundestaffel in Stuttgart. Durchforstet wird das Internet nach privaten Anbietern und Annoncen. Der Hund muss zwischen zehn und zwölf Monate alt sein, wenn er zur Staffel kommt. Und: Es muss ein Rückgaberecht von sechs Wochen geben. „Wenn wir einen geeigneten Hund finden, es preislich passt und wir das Gefühl haben, dass er unsere Anforderungen erfüllt, nehmen wir ihn erst einmal mit“, erklärt Silberbauer. Stellt sich dann heraus, dass er eher rückwärts als vorwärts geht und keinen ausgeprägten Spieltrieb hat, geht er zurück an den Verkäufer. Belgische und Deutsche Schäferhunde zählen zu den Favoriten, in der Stuttgarter Polizeihundestaffel gibt es aber auch zwei Riesenschnauzer.

Omega und ihr Frauchen sind inzwischen ein eingespieltes Team – auch weil sie Tag und Nacht miteinander verbringen. Denn die Belgische Schäferhündin wohnt auch bei Zeltwenger daheim. „Das ist üblich“, erklärt Silberbauer. Die enge Verbindung zwischen Hund und Halter kann auch schwierig sein. Denn zu Hause ist das Tier ein Teil der Familie, im Dienst wird es als Hilfsmittel eingesetzt. „Mensch vor Tier“ lautet die Devise bei Einsätzen. Verschanzt sich zum Beispiel ein Täter in einem Gebäude, kann es sein, dass Omega vorgeschickt wird, um diese Person zu finden – auch wenn sie bewaffnet sein könnte. „So etwas ist mir zum Glück noch nie passiert“, erzählt die Polizeihundeführerin.

Halsbänder und ihre Funktionen

Zeltwenger und Jeschke fahren mit dem Streifenwagen durch die Stuttgarter Innenstadt, auch zu Orten, die den beiden als Brennpunkte bekannt sind. Immer mal wieder ertönt über Funk eine Stimme, sonst ist es ruhig. Auch Omega, die im Koffer des Wagens sitzt, gibt keinen Ton von sich. Dass die Schäferhündin aber auch anders kann, zeigt sie vor Schichtbeginn auf dem Gelände der Polizeihundestaffel: Zähnefletschend rennt sie auf Staffelausbilder Markus Neutz zu, beißt ihm in den Arm und lässt erst los, als es Zeltwenger sagt.

Woher weiß Omega, welche Aufgabe sie hat? „Durch das Kommando natürlich“, erklärt Jeschke, „aber auch durch das Halsband, das sie anhat.“ Ihre Weste mit dem Schriftzug „Polizei“ und das dicke Halsband bedeuten: Ich muss zubeißen. „Wir haben verschiedene Halsbänder“, erklärt Zeltwenger. „Das Orangefarbene hier“, sagt sie und holt ein Plastik-Band aus dem Fach über Omegas Autobox, „das benutzen wir, wenn sie Rauschgift aufspüren muss.“ Die Schäferhündin hat nämlich ein Spezialgebiet: Sie ist ein Rauschgiftspürhund.

Drogensuchaktion erfolgreich

Zeltwenger erinnert sich gut an einen von Omegas ersten Einsätzen nach ihrer Spezialausbildung: „Wir waren auf einem Spielplatz und mussten Drogen finden. Auf Anhieb fand sie unter Laub zwei Päckchen.“ Dass nicht jeder Einsatz so reibungslos verläuft, sei normal. Schließlich sei Omega auch nur ein Tier und habe nicht immer Lust, das zu machen, was Frauchen von ihr will.

Normalerweise fahren zwei Hunde in einem Streifenwagen mit, so könnte man im Fall der Falle auf den anderen zurückgreifen. Doch im Moment ist Omega der einzige Hund im Wagen. Jeschke hat seinen perfekten Partner noch nicht gefunden. Er erzählt, dass er versucht hat, seinen eigenen Hund zum Polizeihund ausbilden zu lassen. „Er war aber nicht aggressiv genug.“ Für ihn bedeutet es jetzt, warten, bis ein passender Hund für ihn gefunden wird.

Bevor Omega zubeißt, bellt sie den Staffelausbilder Markus Neutz erst an. Bewegt er sich, packt sie zu und lässt erst los, wenn es ihr Frauchen sagt. Foto: Ferdinando Iannone

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Erstellt:
31. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2020, 06:00 Uhr

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