Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Dämonen und Wunder

Dämonen und Wunder

In dem Cannes-Winner von Jacques Audiard flieht ein Tamile aus Sri Lanka mit einer Scheinfamilie nach Frankreich.

Frankreich

Regie: Jacques Audiard
Mit: Antonythasan Jesuthasan, Kalieaswari Srinivasan, Claudine Vinasithamby

- ab 0 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating

Film bewerten

rating rating rating rating rating
20.10.2015
  • Klaus-Peter Eichele

Der in Cannes mit der Goldenen Palme dekorierte Film von Frankreichs Regie-Star Jacques Audiard beginnt in einem Flüchtlingslager im Norden Sri Lankas. Dort schließen sich drei wildfremde Menschen – der ehemalige Guerillakämpfer Sivadhasan, die vom Bürgerkrieg traumatisierte Yalini und ein kleines Mädchen – zu einer Scheinfamilie zusammen, um gemeinsam nach Europa zu fliehen – wohl weil man in dieser Konstellation leichter Asyl bekommt.

Eine Sequenz später sind die drei bereits in Frankreich, wo sie bis zu einer Entscheidung eine kleine Wohnung in einer verwahrlosten Vorstadt von Paris zugewiesen bekommen. Zumindest Sivadhasan ist fest entschlossen, die Chance auf ein neues, besseres Leben zu nutzen. Er lernt fleißig französisch und stellt sich in einem Aushilfsjob als Hausmeister geschickt an. Das Ansinnen eines alten Kameraden, Waffen für die Heimat zu besorgen, lehnt er ab – auch wenn er dafür Prügel bezieht. Auch zwischenmenschlich läuft es anfangs gut: die Zweckgemeinschaft gedeiht mehr und mehr zu einer echten Familie. Doch während sich Sivadhasan damit am Ziel seiner Wünsche wähnt, ist die Dreisamkeit für Yalini nur eine Übergangslösung – sie will möglichst schnell zu Verwandten nach England.

Wer die wuchtigen, sehr körperbetonten letzten Filme von Audiard („Ein Prophet“, „Der Geschmack von Rost und Knochen“) kennt, wird sich ein bisschen wundern: „Dheepan“ ist über weite Strecken ein leises Drama, das sich ohne dramatischen Aufruhr auf den Alltag der Neuankömmlinge einlässt: Wie sie anfangs unbeholfen, dann immer forscher versuchen, in einer ihnen fremden Welt Fuß zu fassen; wie die Pseudo-Eheleute wie Schopenhauers Stachelschweine einander anziehen und dann wieder abstoßen.
Das ist alles akkurat beobachtet, vieles allerdings wie durch eine Käseglocke. Was die Figuren im Inneren bewegt, welche Wunden sie mit sich herumtragen und wovon sie träumen, bleibt merkwürdig verschwommen. Das Mädchen verschwindet zeitweilig sogar vollständig aus dem Blickfeld.

Dafür wird es im letzten Drittel dann doch noch rabiat: Ein Bandenkrieg, der die Scheinfamilie zunächst nur streift, rückt ihr immer dichter auf die Pelle – was den bis dahin so sanftmütigen Sivadhasan veranlasst, seine Fertigkeiten aus dem Bürgerkrieg zu reaktivieren. Dieser Showdown ist Audiard at his best – auch wenn er im Gesamtzusammenhang ein bisschen aufgesetzt wirkt.

Audiard mixt wieder Sozialrealismus mit wuchtiger Action – diesmal nicht ganz so stimmig wie sonst.

Spielplan

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.10.2015, 12:00 Uhr | geändert: 23.11.2015, 12:00 Uhr
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
 
Aus der Filmregion
Neueste Artikel
Zuschauer-Stimmen
Ein herausragender Film, zu Recht wird er als ein "deutscher Kaurismäki" bezeichnet. Als "Liebesfilm" würde ich ihn allerdings in keinster Weise bezeichnen, diese Szenen sind nur ein kleiner Teil. In erster Linie wird ohne viele Worte die aussichtslose Lage der prekär beschäftigen Menschen gezeigt, die beispielsweise trotz Verbots weggeworfene Lebensmittel direkt am Container im wahresten Sinne des Wortes "verschlingen". Sie versuchen, sich ihre Würde und auch ihren Humor zu bewahren. Interessant ist es, die Kurzgeschichte von Clemens Meyer zu lesen, sie umfasst nur 25 Seiten. Die Umsetzung im Film ist hervorragend gelungen, einige wenige Szenen wurden verändert bzw. hinzugefügt.
Elli Emann über In den Gängen
Aus der Filmwelt
Neueste Artikel
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Neue Trailer
Neueste
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram

Kino Suche im Bereich
nach Begriff

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular