Besuch bei den Schwabenkaisern

Da ziehts mich hin (5): Rund um den Hohenstaufen - Ruinen, viel Natur und ein Geist

Bis nach Sizilien reichte das Reich der Staufer vor 800 Jahren. Stammsitz der schwäbischen Kaiser war der Hohenstaufen. Im Stauferland trifft man auf viel Vergangenheit - und liebenswerte Landschaft.

14.08.2010

Von ALFRED WIEDEMANN

Göppingen "Die Ruine, da ist die Ruine!" Das kleine Mädchen stürmt das letzte Stück Weg auf den Hohenstaufen voraus, Schwester, Mutter, Oma und Opa Knödler im Schlepptau. Der Aufstieg, nur wenige Minuten im Schatten der Bäume vom Göppinger Ortsteil Hohenstaufen zum 684 Meter hohen Kaiserberg, ist geschafft. Viel ist von der Stammburg der Staufer allerdings nicht übrig: 1525 von aufständischen Bauern zerstört, wurden später die verbliebenen Steinquader zum Neubau des Göppinger Schlosses abtransportiert. Die Grundmauern immerhin wurden rekonstruiert. So bekommt man wenigstens ein bisschen Ahnung von der ursprünglichen Burg.

Hans Knödlers Enkelinnen freuen sich auch an den wenigen Mauerresten: Die Gänge zwischen den alten Quadern werden erkundet, und wenn genug getobt ist, gibts hoffentlich ein Eis oder ein Vesper in der Gaststätte neben der Ruine. Die Aussicht vom Plateau begeistert, der Ausblick zur Alb, über Fils und Rems, zu den Limpurger und Ellwanger Bergen, natürlich auch zu den beiden anderen Kaiserbergen - Rechberg, 707 Meter, und Stuifen, 757 Meter hoch. "Wir haben es ja nicht weit hierher", sagt Ausflügler Knödler, daheim, in Iggingen im Ostalbkreis, sei der Ausblick auch schön. "Aber hier, auf dem Hohenstaufen, was man von hier aus alles sieht, ist schon toll!"

Die Aussicht ist nicht alles. Im Ort Hohenstaufen, am Weg hoch zur Ruine, ist nach einem Blick in die Barbarossa-Kirche der Besuch im Staufer-Dokumentationszentrum Pflicht. Schließlich kann man aus der Schule nicht mehr alle Details aus der Staufergeschichte parat haben. Im Schauraum lässt sich die Geschichte des schwäbischen Herrschergeschlechts studieren - mit Stadtgründungen und Kreuzzügen, Königen und Kaisern. Angefangen bei den Herren von Büren mit Friedrich dem Alten, der 1079 Herzog von Schwaben wurde und auf dem Hohenstaufen die Burg baute, über Friedrich I. Barbarossa (1152 - 1190), den rotbärtigen deutschen König und Kaiser, bis zu seinem Enkel Friedrich II. (1212 - 1250), dem gelehrten Stauferkaiser, bis zum letzten Staufer Konradin, der mit 16 Jahren 1268 in Neapel geköpft wurde. Die drei Stauferlöwen gehören bis heute zum Landeswappen Baden-Württembergs.

So viel Geschichte lockt ins Stauferland: "80 Prozent der Gäste kommen aus den neuen Bundesländern", sagt Manfred Pix, seit bald 25 Jahren Wirt in der Albvereins-Gaststätte. Feuerwurst, Spezi und Radler serviert er auf dem Hohenstaufen. Der Andrang schwankt: "Wenns regnet, oder wenns mehr als 30 Grad heiß ist, ist wenig los hier oben", sagt Pix. Stadt und das Land wollen das Tourismusziel gemeinsam attraktiver machen, die alte Hütte wird abgerissen, eine neue Wandergaststätte gebaut. Eine Interessengemeinschaft setzt sich jetzt sogar für einen Wiederaufbau der Burg auf dem Göppinger Hausberg ein.

Das Netz der Rundwanderwege um den Hohenstaufen ist bereits gut ausgebaut, zu Fuß kann man zu den anderen Stauferstätten wandern: Nur ein paar Kilometer sind es zur Burg Hohenrechberg, die ebenfalls prachtvolle Ausblicke bietet - und noch viel Mittelalter: Der frühere Wohnsitz der Rechberger, Gefolgsmänner der Staufer, hat den Bauernkrieg unzerstört überstanden. Erst ein Blitzschlag 1865 machte die Burg zur Ruine ohne Dach. Eine Ausstellung im Raum unter der Aussichtsplattform zeigt alte Ansichten und Modelle der Burg.

Auch ein Geist fehlt nicht: Auf dem Aasrücken, dem Höhenzug zwischen Hohenstaufen und Rechberg, soll nachts der Staufergeist spuken, ein Licht, das hin und her wandelt. Vielleicht Kaiser Rotbart? Oder der hingerichtete Konradin?

Genug gegruselt: Abstecher nach Schwäbisch Gmünd oder zum Kloster Lorch lohnen sich - wer nicht genug Puste hat, nimmt das Auto. Zum Wäscherschlössle bei Wäschenbeuren ist es auch nicht weit. Das Museum in der kleinen Burg ist geschlossen, aber auch der Blick von außen ist nicht ohne: Vor mehr als 1000 Jahren hatten hier die Herren von Büren ihre bescheidenen Anfänge. Kaum mehr als ein großes Haus ist die kleine Burg - mit allerdings mächtigen Mauern.

Falls die Kinder jetzt genug haben von Rittergeschichten, Burgenschauen und Geisterspuk: Nicht weit von Wäschenbeuren kann man gleich über zwei Spielplätze toben: Am Sonderbachsee und am "Eichener Wasen". Da lassen sich die Spielgeräte durchtesten, Grillstellen gibt es auch. Schön in der Natur liegen beide Spielplätze. Aber das wundert nach so viel schöner Landschaft am Weg durchs Stauferland niemanden mehr. "Wir leben in einer schönen Ecke!", hat Ausflügler Knödler schon auf dem Hohenstaufen gesagt. Recht hat er.

Wahrzeichen der Göppinger Landschaft mit einer grandiosen Aussicht: Auf dem Hohenstaufen stand einst die Stammburg der Staufer. Der Name Staufen kommt vom germanischen "Staupa", Becher, weil die Form des 684 Meter hohen Bergkegels einem umgestülpten Becher gleicht. Fotos: Achim Keiper/Alfred Wiedemann

Nach Bauernsturm und Abbruch übrig: Mauerreste auf dem Hohenstaufen.

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Erstellt:
14. August 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. August 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. August 2010, 12:00 Uhr

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