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Unsere Berge

Da war mal eine Wallburg

Die Bergkirche, eine der schönstgelegenen im Land, gab ihm seinen Namen. Hier war mal ein Beginenkloster. Die letzten Kirchenschätze lagern im Landesmuseum. Direkt dahinter führt der Weg hinauf – zum Kirchkopf.

26.08.2009
  • Ernst Bauer

Talheim. Nomen est omen: Es geht einem viel durch den Kopf, wenn man dieses Fleckchen Erde hinter dem Friedhof erkundet. Hagenbuttenbüsche, Streuobstwiesen, ein Glockenschlag von der Bergkirche entfernt. Weites Land. Die Bauernhöfe im Tal. Heimat. Talheim. Vom Parkplatz am komfortablen Grillhütten- und Spielplatz aus geht es geradewegs bergauf, himmelwärts, an der Zwieselschlucht ist eine Schranke, dann links ein kleines Schild: „Zum Kirchkopf“.

Grillen, Motorsegler, Glockenläuten

Ein wild umwucherter Pfad führt hinauf, ein Torbogen aus Ästen hinein in dieses geheimnisvolle Talheimer Haupt voller Stämme, Wipfel, Ganglien, Windungen. Dichter junger Laubwald. Es ist ein Kreuzweg mit vielen Verschnauf-Stationen, Serpentinen, Steinen, immer am Abgrund. Die Schläfe pocht, der Kopf wird frei.

Heidenei! Wo bin ich denn hier gelandet? Nach 20 Minuten eine alte Schutzhütte im Wald, zwei Bänke, zwei Bäume auf der Lichtung, dem kleinen Kirchkopf-Plateau; ein hinreißender Blick auf Talheim, den Farrenberg vis-à-vis, die Albhochfläche hinter Salmendingen, grün eingebettet das Dorf, glitzernde Dächer, schwaches Summen von der Landstraße, eine Grille zirpt, übertönt den Verkehr.

Reste einer riesigen Wehranlage

Es ist kühl hier oben, etwas unheimlich, die Blätter rauschen, von irgendwo her kommt Glockenläuten. Kein Mensch zu sehen. Ein hoher Erdwall begrenzt den Kopf auf der anderen Seite, wo ein breiterer Pfad bergabwärts führt. Die Kirchenglocken läuten noch immer, der Wind weht den Klang von der Alb herüber, wie es scheint, 16 Uhr. Am Himmel brummen die Motorsegler.

Es sind mehrere Wälle. Reste einer alten Burg, nur noch zu erahnen. Von einer vorgeschichtlichen Anlage ist im Burgenführer für die Schwäbische Alb die Rede, von drei Wällen mit Gräben. Der Belsener Heimatforscher Jürgen Meyer mutmaßt, dass es Teile einer riesigen Wehranlage waren, die das Bergplateau des Kirchkopfs in 770 Metern Höhe bis zu 100 Meter breit abriegeln, einer „Fliehburg“ des 5. bis 8. Jahrhunderts. „Es ist anzunehmen, dass darauf in irgendeiner Form Palisaden standen“, schreibt er ins seinem Buch „Archäologische Geheimnisse“. Doch: „Wen und was galt es auf der Hochfläche zu schützen? Machte es militärisch überhaupt einen Sinn?“ In der Oberamtsbeschreibung wird von Scherbenfunden der Urnenfelderkultur berichtet, einem „mehrphasigen“ Wall.

Weit schweift der Blick hinab zu den Gänsen im Tal, auf den Wiesen da unten. Einige Bäume sind mit roten Kreuzen markiert. Die sind wohl zum Abholzen bestimmt. „Bei den Felsen“ wird es plötzlich ungeahnt steil, halb auf dem Hosenboden rutscht man hinab, landet – mehr fallend als kletternd – auf dem landwirtschaftlichen Weg, der von der Leichenhalle links abzweigt. Riesige Stämme lagern an der Gabelung, Reste von „Lothar“, Sturmholz und frisch gesägte Äste, sauber aufgebeigt. Vom Friedhof dringen Stimmen herüber: „I war a Weile net do.“ Die ersten Rasengräber sind angelegt worden, die beiden Kindergräber am unteren Eingang frisch gerichtet. Kirchkopflos erinnert man sich an eine schreckliche Tat.

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26.08.2009, 12:00 Uhr
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