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Stuttgart

DPOlG: Jeder zehnte Polizeianwärter im Südwesten springt ab

Jeder zehnte Polizeianwärter in Baden-Württemberg bricht laut Gewerkschaftsschätzung seine Ausbildung ab.

02.04.2018

Von dpa/lsw

Ralf Kusterer. Foto: Marijan Murat/Archiv dpa/lsw

Stuttgart. Die grün-schwarze Landesregierung werde das Ziel der geplanten 1500 Neueinstellungen in der Polizei nicht erreichen, sagt die Deutsche Polizeigewerkschaft voraus. Dafür seien die zusätzlichen Abgänge zu hoch und die Maßnahmen für eine qualitativ hochwertige Ausbildung unzureichend und falsch, erläuterte der DPolG-Landesvorsitzende Ralf Kusterer am Ostermontag in Stuttgart. Als schlimm bezeichnete Kusterer die Situation in der Ausbildung der geplanten 900 Polizeivollzugsbeamten. «Bis zum März wurde noch kein zusätzlicher Auszubildender eingestellt. Und noch schlimmer, es verlassen uns viel zu viele Auszubildende wieder.»

Die Zahl derer, die die Polizei in der Ausbildung wieder verlassen, schätzt die DPolG auf rund zehn Prozent. «Nach unseren Schätzungen haben alleine im letzten Jahr rund 150 Beamte in Ausbildung uns wieder verlassen. Das wären sogar mehr als zehn Prozent.» Dies werde sich so fortsetzen.

Die Landtags-FDP sieht sich in Warnungen bestätigt. Es sei von vornherein klar gewesen, dass die von der FDP angestrebte Zahl 1000 realistisch gewesen sei - und die 1500 aus dem Koalitionsvertrag «reiner Wahlbetrug». Besonders verwerflich sei in diesem Zusammenhang, dass Innenminister Thomas Strobl (CDU) ständig Erfolgsmeldungen verbreite und nichts tue, um die notwendigen Ausbildungskapazitäten und Ausbildungsvoraussetzungen zu verbessern.

Der Innenexperte der Landtags-CDU, Thomas Blenke, bezeichnete die Äußerungen von Kusterer als überzogen. «Es gibt Leute, die brechen die Ausbildung ab, das ist völlig normal und hat es schon immer gegeben.» Tatsache sei jedoch auch, dass die anvisierte Anzahl der Neueinstellungen pro Jahr bei der Polizei ambitioniert sei. Der Polizeiberuf sei dennoch immer noch «erfreulich attraktiv».

Die Gründe für den Abbruch der Ausbildung sind laut Kusterer unterschiedlich. Viele junge Kollegen stellten zum einen fest, dass die Polizei nicht das Richtige für sie ist. Aber auch die weit entfernten Ausbildungsstandorte und die Rahmenbedingungen seien für viele junge Menschen nicht attraktiv. «Mit Wohncontainern und einer Mehrfachbelegung oder gar fehlendem W-Lan kann man heute junge Menschen nicht begeistern. Wenn dann noch die Entfernung dazu kommt, ist das für manche zuviel.»

Die Ausbilder beklagten zudem mangelnde Leistungsbereitschaft. «Dabei halten sich unsere Lehrer mit Äußerungen zurück. Viele trauen sich nicht, Mängel offen anzusprechen, weil sie befürchten, in ihrem Fortkommen gehindert zu werden», sagte Kusterer. Er sprach unter anderem deswegen von einer immer stärker werdenden Frustration und Demotivation in der Polizei.

Insgesamt 3600 Auszubildende sollen in diesem und im nächsten Jahr ihren Polizeidienst beginnen. Bekannt ist schon, dass es massiv an Ausbildern fehlt. Das Innenministerium in Baden-Württemberg startete deswegen bereits eine Initiative, um Beamte im Ruhestand temporär für diese Aufgabe zu gewinnen. Die Einstellungen von jeweils 1800 Auszubildenden in den Jahren 2018 und 2019 erfordern für die Ausbildungsstandorte Herrenberg, Wertheim, Biberach und Lahr zusätzliches Lehr- und Verwaltungspersonal. Dieser Bedarf wird derzeit ermittelt.

Ralf Kusterer. Foto: Marijan Murat/Archiv dpa/lsw

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Erstellt:
2. April 2018, 13:44 Uhr
Aktualisiert:
2. April 2018, 15:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. April 2018, 15:00 Uhr

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