Verfahren

Cyberangriffe auf Olympia

Russland soll die Spiele ins Visier genommen haben. Die USA erheben Anklage gegen mutmaßliche Hacker. Zudem soll es schon Pläne für Attacken auf Tokio geben.

21.10.2020

Von sid

Der „Olympische Zerstörer“ sollte bei der Eröffnungsfeier in Pyeongchang zuschlagen. Während die russischen Sportler bei den Winterspielen 2018 wegen massiver Dopingverfehlungen ihres Landes nur als neutrale Athleten und ohne eigene Flagge am Einmarsch der Nationen teilnehmen durften, startete der eigene Militärgeheimdienst eine Cyber-Attacke auf die eigentlich so freudige Zeremonie. So beschreibt es zumindest die US-Justiz, die Anklage gegen sechs mutmaßlich Verantwortliche erhob.

Doch damit soll es nicht genug sein: Fast zeitgleich meldete sich das britische Außenministerium zu Wort und beschuldigte Russland, seine Angriffen fortzusetzen. Nach Angaben des britischen Außenministers Dominic Raab sollen Ziele in Zusammenhang mit den letztlich auf 2021 verschobenen Sommerspielen in Tokio ausspioniert worden sein.

Man sei in „ständiger Alarmbereitschaft“, kommentierten die Tokio-Organisatoren, aber „ernsthafte Auswirkungen“ hätten Cyberangriffe bisher nicht gehabt. Das OK habe weitreichende Gegenmaßnahmen getroffen, hieß es. Aus Sicherheitsgründen wurden diese nicht konkretisiert.

In rund zwei Wochen verhandelt der Internationale Sportgerichtshof CAS einen Einspruch Russlands gegen eine Vierjahressperre für Großereignisse, welche die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA 2019 ausgesprochen hatte. Sollten diese Sanktionen Bestand haben, dürfte Russland auch in Tokio nicht mit einem eigenen Team an den Start gehen.

Destruktiv und zerstörerisch

Die Angeklagten in den USA sollen die „destruktivste und zerstörerischste Serie von Cyberangriffen durchgeführt haben, die je einer einzelnen Gruppe zugeordnet werden konnte“, sagte der stellvertretende Heimatschutzminister John Demers.

Denn die Gruppe soll nicht nur Olympia ins Visier genommen haben, sondern zwischen 2015 und 2019 weltweit aktiv gewesen sein. Inklusive Angriffe auf Infrastruktur in der Ukraine, Indien und den Niederlanden sowie auf die französische Präsidentschaftswahl. Der Schaden beispielsweise durch den Erpressungstrojaner „NotPetya“ soll sich auf über eine Milliarde Dollar belaufen.

Für die Olympischen Spiele in Pyeongchang listet die US-Justiz für den Zeitraum zwischen Dezember 2017 und 2018 detailliert auf: Angriffe mit Schad- und Spionagesoftware auf Offizielle, Olympiateilnehmer, Sponsoren und Besucher sowie auch IOC-Mitglieder. Mit dem Programm „Olympic Destroyer (Olympischer Zerstörer)“ sei gezielt die Eröffnungsfeier angegriffen worden.

Insgesamt seien „Tausende“ Computer, die Olympia in Südkorea unterstützen sollten, betroffen gewesen. Als Konsequenz, so berichtete es der Guardian kürzlich, konnten Besucher vor der Eröffnungsfeier ihre Tickets nicht ausdrucken, das WLAN-Netzwerk im Stadion wurde gestört. Auch die TV-Übertragung sei angegriffen worden.

„Es gab einen Angriff am Eröffnungstag, aber wir konnten nicht die Quelle herausfinden“, sagte Lee Hee Beom, ehemaliger Präsident des Organisationskomitees von Pyeongchang. Hintergrund der Angriffe auf die Mega-Veranstaltung sollen die Dopingsanktionen gegen Russland gewesen sein. Im Vorfeld der Winterspiele wurde das russische NOK vom IOC für Pyeongchang ausgeschlossen, letztlich nahmen 168 Sportler als „Olympische Athleten aus Russland“ teil.

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Cyberangriffe auf Sportorganisationen gegeben. Unter anderem waren dabei die Wada und die US-Anti-Doping-Agentur USADA in den Fokus genommen worden.

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Erstellt:
21. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Oktober 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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