Bill Gates investiert in Tübinger Biotech-Unternehmen

Curevac will Produktion in der Nähe des Technologieparks bauen

Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung investiert 46 Millionen Euro in das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac. Der Microsoft-Gründer hält die von Curevac entwickelte RNA-Technologie für „eine der vielversprechendsten Technologien“ im Kampf gegen Infektionskrankheiten wie Aids. Curevac visiert nun den Weltmarkt an.

05.03.2015

Von Angelika Bachmann

Tübingen. Aufmerksam wurde der Milliardär und Microsoft-Gründer auf das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac, als dieses vor genau einem Jahr einen Preis der Europäischen Kommission erhielt: Ausgezeichnet wurde Curevac für seine Impfstoff-Technologie. Diese ist so robust, dass sie auch extreme Hitze und Temperaturschwankungen aushalten kann. Die Impfstoffe können preiswert und schnell hergestellt werden. Sie eignen sich deshalb ideal für Präparate gegen Infektionskrankheiten, die insbesondere in der sogenannten Dritten Welt viele Todesopfer fordern.

Impfstoffe – nicht nur für Entwicklungsländer: Die Gates-Stiftung investiert in die „revolutionäre Technologie“ des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac.

Die Curevac-Technologie überzeugte Gates und die von ihm mitbegründete Stiftung: 46 Millionen Euro investiert die Stiftung in Curevac und erhält damit vier Prozent der Unternehmensanteile. Laut einem Handelsregister-Auszug wird der Wert der Firma mittlerweile auf über 1 Milliarde Euro veranschlagt. Auch der langjährige Curevac-Investor, der SAP-Gründer Dietmar Hopp, wird weitere 21 Millionen Euro investieren.

Die Gates-Stiftung wird zudem die Entwicklung von Impfstoffen finanzieren. Die Kooperation umfasst mehrere Programme, die genaue Zahl wird derzeit nicht bekannt gegeben. Unter anderem sollen Impfstoffe gegen Rotaviren und HIV entwickelt werden. Sicher ist damit, dass neben der Eigenkapitalbeteiligung noch viele weitere Millionen US-Dollar in das Tübinger Unternehmen fließen werden. Um einen Impfstoff zu entwickeln und ihn bis zur Marktreife zu bringen, müssen etwa 100 Millionen Euro investiert werden.

Bill Gates

In einer Pressemitteilung der Stiftung rühmt deren Co-Vorsitzender Bill Gates das Potenzial der Tübinger Impfstoff-Technologie: „Wenn wir den Körper dazu anleiten können, seine eigene Abwehr zu bilden, können wir die Behandlung und Prävention von Krankheiten revolutionieren“, so Gates. „Technologien wie mRNA geben unserer Stiftung die Zuversicht für große Investitionen in die Zukunft. Wir freuen uns auf die Partnerschaft mit Curevac, die mit ihrer Technologie Pionierarbeit leisten.“

Hergestellt werden die Impfstoffe „hoffentlich in Tübingen“, wie Curevac-Geschäftsführer Ingmar Hoerr am Donnerstag dem TAGBLATT gegenüber sagte. Die Investition ermöglicht es Curevac, eine Produktionsanlage zu bauen. Man befinde sich derzeit in Gesprächen über den Standort, so Hoerr. Den werde man hoffentlich „in Laufnähe“ des jetzigen Firmensitzes im Tübinger Technologiepark finden. Es sei ein tolles Bekenntnis von Bill Gates, der damit US-amerikanisches Geld in die Biotech-Forschung und -Produktion an einem Standort in Deutschland investiere.

Ingmar Hoerr

Schon jetzt kann Curevac in seinen Reinraum-Laboren im Technologiepark Impfstoffe produzieren – etwa 3,3 Millionen Impf-Dosen pro Jahr. Für die nächste Zeit werde eine Produktion von etwa 30 Millionen Dosen pro Jahr anvisiert, so Hoerr. Die neue Produktionsanlage wäre in ihrer Dimension also überschaubar. „Das sind keine großen Fabrikhallen.“

Teil der Kooperation mit der Stiftung ist auch, dass sich Curevac verpflichtet, jeden mit Geldern der Stiftung entwickelten Impfstoff für Länder der Dritten Welt zu einem angemessenen Preis zu produzieren. Hierfür werde auch ein Teil der Kapazität der neuen Produktionsanlage reserviert, sagte Hoerr. Curevac behält dabei die Rechte, die Impfstoffe in allen anderen Ländern zu vermarkten und diese auch auszulizensieren.

Die von Curevac entwickelte Technologie basiert auf dem Botenstoff mRNA. Die daraus entwickelten Impfstoffe sollen das Immunsystem gegen spezifische Krankheiten aktivieren. Das 2000 gegründete Unternehmen nutzt die RNA-Technologie für die Entwicklung von Impfstoffen gegen Krebs. Einige werden bereits klinisch getestet. In zahlreichen Kooperationen, auch mit Pharmafirmen, treibt Curevac zudem die Entwicklung von Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten voran. Hauptinvestor ist SAP-Gründer Dietmar Hopp. Bill Gates investiert in Tübinger Biotech-Unternehmen : Curevac will Produktion in der Nähe des Technologieparks bauen 05.03.2015 Gates und Hopp investieren in Curevac: 46 Millionen Euro aus Seattle für Tübinger Impfstoff-Hersteller 05.03.2015 Biotech vom Berg ins Tal: Zwei Tübinger Firmen wollen beim Weststadt-Aldi ins eigene, größere Domizil ziehen 10.02.2015 Wiege der Biochemie: Die Tübinger Schlossküche wird zum Museum: Curevac spendet 100.000 Euro für die Ausstattung 02.11.2014 Das Diagnostik-Herz im Keller: Cegat komplettiert mit Neubau den Technologiepark 07.07.2014 Sanofi zieht Option: Curevac entwickelt neuen Impfstoff 01.07.2014 Zwei Millionen Euro für Tübinger Biopharma-Firma: Curevac gewinnt EU-Preis für robuste Impfstoffe 10.03.2014 Impfstoffe für die Welt: 2 Millionen Euro-Preis für Tübinger Biopharma-Firma Curevac 11.03.2014 Boombranche Biotech: In der Hightech-Bundesliga 09.02.2014 Der Technologiepark wächst auf der Viehweide: Bund verkauft der Stadt das ehemalige BFA-Gelände 04.02.2014 Curevac kooperiert in den USA: US-Krebsforschungsinstitut testet Kombi-Präparat 04.11.2013 Geerdet zum Erfolg: Curevac-Chef Ingmar Hoerr über Visionen und die Pflicht zum Handeln 02.11.2013 Tübingen: Curevac und Janssen entwickeln Grippe-Impfstoff 04.10.2013 Biotechfirma Curevac auf Erfolgskurs: Eigener Bau auf BFA-Gelände?: Es wird eng auf der Viehweide 29.05.2013 Tübingen: Gegen Grippe geschützt: Virusforscher und Curevac testen neuen Impfstoff 26.11.2012 Von Nachwuchsforschern gegründet: Biotech-Firma CureVac: SAP-Mitbegründer Hopp investiert in Tübinger Firma 18.09.2012 Kommentar: Jetzt aber mit Volldampf voran! 30.06.2012 Südwest-Hochschulen: Gründerfieber an den Unis 04.05.2012 Kritik von Dietmar Hopp: Finanzamt schreckt Risiko-Investoren ab 10.03.2012 Job-Boom in Tübingen: In der Unistadt entstehen viele neue Arbeitsplätze 27.02.2012 Kooperation mit Sanofi und US-Behörde: Biotech-Firma Curevac gelingt Millionendeal 15.11.2011 Impfung wirkt: Erste Resultate der Curevac-Studie bei Lungenkrebs 08.11.2011 8600 Quadratmeter seit kurzem komplett vermietet: Im Gründerzentrum auf der Viehweide arbeiten 300 Menschen 24.05.2011 Curevac, Immatics und Cegat: Die Vorzeige-Firmen im Biotechnologiezentrum 24.05.2011 Wer im Technologiezentrum ist: 20 Firmen unter einem Dach 24.05.2011 Neue Strategie gegen Krebs: Erste Patienten-Studie mit ermutigenden Ergebnissen 05.10.2010 Medizin der Zukunft: Uni-Klinikum geht von der Forschung direkt zum Patienten 17.07.2010 27 Millionen von Hopp: Biotech-Firma Curevac schafft sich zweites Standbein 11.05.2010 : Ein neues Zeitalter der Krebsmedizin 13.08.2009 Tübingen: Impfstoff gegen Prostatakrebs wird auch in den USA getestet 08.01.2009 : Erfolgsstory mit Risiko 04.12.2007 TÜBINGEN: Neue Hopp-Millionen für Curevac 13.07.2007 Curevac erprobt Mittel gegen Lungenkrebs: Zweiter Impfstoff 28.05.2009

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Erstellt:
5. März 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. März 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. März 2015, 12:00 Uhr

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