Covid-19 in Tübingen

Coronavirus: Der Live-Blog vom 27. und 28. Februar 2020

Am Mittwoch wurde bei einer 24-Jährigen und ihrem 60-jährigen Vater am Tübinger Uniklinikum das Coronavirus festgestellt. Seit Donnerstagabend ist auch der infizierte Partner (29) der 24-Jährigen im Klinikum. Das TAGBLATT berichtet fortlaufend, was sich rund um das Virus in Tübingen und Baden-Württemberg tut.

27.02.2020

Von itz/hz/eik/loz/dpa

In der Medizinischen Klinik Tübingen sind die drei Infizierten untergebracht. Sie liegen auf der Infektionsstation und werden überwacht. Bild: Moritz Hagemann

Freitag, 28. Februar:

22.16 Uhr: Das war’s für heute. Wir verabschieden uns aber nicht, ohne nochmal die wichtigste Botschaft derzeit loszuwerden: Es gibt in Tübingen aktuell keinen Grund zur Panik. Bei allen drei Personen, die am Uniklinikum behandelt werden, sind die Kontaktpersonen bekannt. Alle Mitarbeitenden, die am Klinikum selbst Kontakt mit dem infizierten Oberarzt hatten, wurden überprüft – und alle waren negativ.

22.07 Uhr: Und wo gibt es Fälle in Baden-Württemberg? 14 sind es aktuell. Am stärksten betroffen ist der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald mit vier Fällen, drei davon sind Mitarbeiter der inzwischen geschlossenen Biotech-Firma Thermo-Fisher in Freiburg. In Tübingen gibt es aktuell drei Infizierte, wobei einer aus dem Kreis Böblingen (Steinenbronn) kommt. Im Kreis Göppingen (dort gab es am Dienstagabend den ersten Fall im Bundesland) sind zwei Erkrankte bestätigt. Zudem gibt es jeweils einen Fall in Heidelberg, Rottweil, Löwenstein (Kreis Heilbronn) und Benningen (Kreis Ludwigsburg). In Karlsruhe ist außerdem ein Geschäftsmann aus Nürnberg infiziert.

21.35 Uhr: Noch ein Überblick der Fälle in Deutschland: Die Zahl der Infizierten ist am Freitag auf rund 70 gestiegen. Das deutsche Epizentrum ist der Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen), der südlich von Mönchengladbach liegt. Dort sind nach Angaben des Kreises alleine 37 Fälle bekannt, etwa 1000 Personen befinden sich dabei in häuslicher Quarantäne. Ausgangspunkt ist ein infiziertes Ehepaar gewesen. In Baden-Württemberg gibt es 14 bestätigte Fälle, drei Personen werden am Tübinger Uniklinikum behandelt. Den hiesigen Infizierten gehe es gut, versicherte das Klinikum am Nachmittag. Mehr als ein Dutzend bestätigte Fälle gibt es auch in Bayern. In Erlangen und auch in Hamburg sind Klinikmitarbeiter infiziert worden – wie in Tübingen. Kurz vor 21 Uhr wurde außerdem der zweite Fall in Hessen vermeldet. Auch in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein gibt es vereinzelte Fälle.

20.58 Uhr: Wie der Reutlinger Gea unter Berufung auf Landrat Thomas Reumann berichtet, gibt es in Reutlingen einen Verdachtsfall. Die Aufregung erscheint allerdings umsonst: Es bestehe nur ein geringer Verdacht. Der Abstrich werde am Montag untersucht.

20.41 Uhr: Ansteckungsgefahr besteht vor allem in den sogenannten „Risikogebieten“. Das sind Regionen, in denen nach Definition des Robert-Koch-Institutes eine fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch vermutet wird. Dabei werden verschiedene Indikatoren – wie Erkrankungshäufigkeit und die Dynamik der Fallzahlen – angewendet. Reisen in folgende Risikogebiete sollten aktuell vermieden werden:

In China: Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan) und die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo, Taizhou in der Provinz Zhejiang.

Im Iran: Provinz Ghom

In Italien: Region Lombardei (Mailand, Brescia, Comer See) und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien.

In Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)

20.05 Uhr: Bei allen drei Patienten, die sich im Tübinger Uniklinikum befinden, liegt der Ursprung der Krankheit in Italien. Nun berichtet die Nachrichtenagentur AFP, dass das Coronavirus in Italien wohl „wochenlang unbemerkt“ durch das Land zog, bevor die ersten Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden sind. Laut Massimo Galli, dem Leiter des Biomedizinischen Forschungsinstituts in Italien, könne das Virus schon Mitte Januar im Land angekommen sein. Es ist ein Erklärungsansatz, warum die Lage in Italien so außer Kontrolle geraten ist. Inzwischen gibt es dort mehr als 800 Infizierte bei 21 Todesfällen.

19.47 Uhr: Die Universität Tübingen hat Hygiene-Regeln an ihren Gebäuden aufgehängt und informiert mit Links auf ihrer Webseite. Dort heißt es: „Die Situation an der Universität Tübingen ist derzeit so, dass der normale Betrieb unverändert aufrechterhalten werden kann. Lehrveranstaltungen und Klausuren können bis auf weiteres wie geplant stattfinden.“ Rückkehrenden aus Risikogebieten und Personen, die Kontakt zu mit Coronavirus-Erkrankten hatten, wird empfohlen, sich beim Gesundheitsamt Tübingen beraten zu lassen.

19.15 Uhr: Auch im Landkreis Reutlingen hat das Landratsamt eine Hotline eingerichtet. Unter der Nummer 07121/480-4399 werden auch am Samstag und Sonntag in der Zeit von 10 bis 15 Uhr Fragen beantwortet. Bekannte Fälle gibt es im Kreis Reutlingen bislang nicht.

18.57 Uhr: Nun geht es Schlag auf Schlag. Das Gesundheitsministerium meldet den 14. Infizierten in Baden-Württemberg. Diesmal wurde ein Mann im Landkreis Göppingen positiv getestet, der bereits seit dem vergangenen Dienstag als Kontaktperson Kategorie 1 (enger Kontakt mit einem Infizierten) identifiziert ist. Der Patient wurde stationär untergebracht.

18.43 Uhr: Der 29-jährige Steinenbronner, der als dritter Infizierter im Tübinger Uniklinikum isoliert wurde, hatte seit seiner Ansteckung Kontakt zu 27 Personen. Nach Angaben des zuständigen Böblinger Landratsamtes sind 26 Kontaktpersonen des Mannes ermittelt und befinden sich in häuslicher Isolation. Die Kontaktpersonen seiner 24-jährigen Partnerin und ihrem Vater, bei denen das Virus am Mittwoch in Tübingen diagnostiziert wurde, sind allesamt ermittelt (siehe 17.15 Uhr). In allen drei im Tübinger Klinikum behandelten Fällen ist der Infektionsweg bekannt. Sie entstammen dem Göppinger Cluster. Dort wurde der 25-Jährige, der mit der Tübingerin in Mailand weilte, vor den anderen Betroffenen positiv getestet.

18.22 Uhr: Das Gesundheitsministerium meldet den 13. Corona-Fall in Baden-Württemberg. Demnach wurde ein 32-Jähriger aus dem Landkreis Heilbronn positiv getestet. Er hatte sich bis zum vergangenen Freitag, 21. Februar, in Mailand aufgehalten und ist zwei Tage später erkrankt. Der Abstrich wurde am Donnerstag genommen, inzwischen sei die stationäre Aufnahme des Mannes veranlasst.

17.15 Uhr: Seit dem späten Abend des 27. Februar befindet sich eine dritte Person, die mit dem Coronavirus infiziert ist, auf der Infektionsstation des Universitätsklinikums Tübingen (UKT), das teilte das UKT am späten Freitagabend mit. Es handle sich um einen bereits bekannten Fall, nämlich den 29-Jährigen aus dem Kreis Böblingen, der im direkten Zusammenhang mit dem Göppinger Cluster steht. Er sei der Partner der 24-Jährigen, die sich seit dem 25. Februar isoliert im Uniklinikum Tübingen befindet, so das UKT weiter. Nach dem ambulanten, positiven Testergebnis sei er mit seinem Auto nach Tübingen gefahren, dort stationär aufgenommen und ebenfalls isoliert worden. Ihm gehe es – ebenso wie der 24-Jährigen und deren Vater, einem ebenfalls infizierten Tübinger Oberarzt – gut.

Die noch von Donnerstagabend ausstehenden Testergebnisse der Personen, die Kontakt mit dem Oberarzt aus dem Tübinger Pathologischen Institut hatten, seien alle negativ, so das UKT. Wie geht es mit den negativ getesteten Kontaktpersonen weiter? Kontaktpersonen der Kategorie I (enger Kontakt) bleiben 14 Tage in häuslicher Quarantäne. Von den Kontaktpersonen der Kategorie II (weniger enger Kontakt) bleiben Mitarbeitende mit Patientenkontakt ebenfalls 14 Tage in häuslicher Quarantäne. Mitarbeitende ohne Patientenkontakt gehen – sofern sie keine Symptome haben – zur Arbeit. Solange keine Symptome auftreten, würden auch keine weiteren Abstriche genommen.

16.40 Uhr: Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nimmt in Baden-Württemberg weiter zu. Das Gesundheitsministerium teilte am Freitagnachmittag mit, dass zwei weitere Menschen erkrankt sind.

Birgit Walter-Frank, Leiterin des Gesundheitsamtes. Bild: Tanja Miller

16.30 Uhr: Der Informationsbedarf ist groß, das erfährt dieser Tage auch Birgit Walter-Frank, Leiterin des Gesundheitsamts am Landratsamt in Tübingen. Sie berichtet von sehr vielen besorgten Anrufern, die zum Beispiel von einer Italienreise heimkehrten. Einen Test auf das Coronavirus empfiehlt das Gesundheitsamt aber nur Menschen, die Symptome wie Halsweh oder Fieber zeigen und in einem Risikogebiet waren. Sie sollen aber auf keinen Fall einfach zum Hausarzt gehen, sondern dort anrufen und einen Termin vereinbaren, bei dem sie nicht in Kontakt mit anderen Patienten kommen.

Der Hausarzt nehme einen Abstrich und schicke die Probe an sein Vertragslabor. Die Laboruntersuchung könne bis zum nächsten Tag dauern, so Walter-Frank. Für den sogenannten PCR-Test (polymerase chain reaction), bei dem nach das Virengenom gesucht wird, müsse unter anderem zunächst RNA (Ribonukleinsäure) extrahiert werden. Der gesamte Prozess dauere seine Zeit. Begründeten Corona-Verdacht und positive Testergebnisse müssen die Hausärzte dann an das Gesundheitsamt zurückmelden.

Über denkbare Infektionswege kann auch Walter-Frank keine endgültige Auskunft geben. Laut Robert Koch Institut seien zwar keine Infektionen über Oberflächen dokumentiert, häufiges Händewaschen sei aber absolut angesagt.

16.03 Uhr: Am bevorstehenden Wochenende haben die Bundesliga-Volleyballer des TV Rottenburg (Samstag, 19.30 Uhr) und die Zweitliga-Basketballer der Tigers (Sonntag, 17 Uhr) Heimspiele in der Tübinger Paul-Horn-Arena. Gegner sind die Spitzenteams vom VfB Friedrichshafen und den Chemnitz Niners. Auf Autogramme und Selfies sollten Fans verzichten, zumindest wenn es nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts geht. Basierend darauf hat etwa der FC Bayern am Nachmittag eine Pressemitteilung herausgegeben. Die klare Anweisung an die Spieler sei: Bis auf Weiteres gibt es keine Autogramme und Fotos mit Fans.

15.08 Uhr: Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) bittet alle Patienten, die Fragen zum Coronavirus und einer möglichen Erkrankung haben, primär den Patientenservice unter der Telefonnummer 116117 in Anspruch zu nehmen. Insbesondere weist die KVBW darauf hin, dass gemäß den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts Personen mit Atemwegsinfekten, die nicht aus einem Risikogebiet oder aus einer Region mit gehäuften Krankheitsfällen kommen oder Kontakt mit einem gesichert Infizierten hatten, nach derzeitiger Erkenntnis nicht regelhaft getestet werden müssten. Daher sei in diesen Fällen ein Besuch einer Praxis oder Notfallpraxis nicht notwendig; es sei denn, der Krankheitszustand mache dies erforderlich. Das Robert Koch-Institut stufe das Risiko einer Epidemie in Deutschland nach wie vor für „gering bis mäßig“ ein.

14.41 Uhr: Das Zollernalb-Klinikum teilt mit, dass die beiden Balinger Verdachtsfälle ebenfalls negativ getestet wurden.

14.40 Uhr: Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus glauben viele Unternehmen in der Region Stuttgart, dass die Geschäfte in diesem Jahr leiden werden.

14.09 Uhr: Das Kultusministerium hat seine Hinweise für Schulen und Kindertageseinrichtungen aktualisiert und ergänzt. In einer Pressemitteilung, die am frühen Freitagnachmittag rausging, „informiert das Kultusministerium aufgrund der dynamischen Lage-Entwicklung“ erneut: Demnach sollen Schüler, Lehrer und andere Personen, die innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet waren, „unnötige Kontakte vermeiden“, die Schulen und Kitas nicht besuchen und vorläufig zuhause bleiben. Dies gelte umso mehr für diejenigen, die in einem Risikogebiet waren und auch Grippe-Symptome bei sich feststellen: Sie sollen sich von zuhause aus sofort telefonisch mit ihrem Hausarzt und dem kassenärztlichen Notdienst unter der Telefonnummer 116117 in Verbindung setzen. Direkt kontaktieren sollen das Gesundheitsamt indes diejenigen, die Kontakt zu einer mit Corona erkrankten Person hatten. Zusammenfassend teilt das Kultusministerium mit: „Bei Personen, die nicht in einem Risikogebiet waren und keinen Kontakt zu einem am neuartigen Coronavirus Erkrankten hatten, sind keine speziellen Vorsichtsmaßnahmen nötig. Diese Personen können daher uneingeschränkt am Schul- beziehungsweise Kita-Betrieb teilnehmen.“ Diese neue Einschätzung gelte für alle Schulen und Kindertageseinrichtungen im Land, so das Ministerium. Und auch die Erzieher/innen und Lehrer/innen sowie „alle Beschäftigten des Landes“ sind miteingeschlossen: Demnach werden sie, wenn sie sich in einem Risikogebiet aufhielten oder Kontakt zu einer infizierten Person hatten, „zunächst freigestellt“ und werden gebeten, sich telefonisch mit ihrer Dienststelle in Verbindung zu setzen. Bei der Definition der Risikogebiete beruft sich das Ministerium auf die Liste des Robert-Koch-Instituts.

14.08 Uhr: Der Mann aus Steinenbronn, der am Donnerstag als erster im Landkreis Böblingen positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ist in Absprache mit dem Landesgesundheitsamt nach Tübingen ans Universitätsklinikum verlegt worden. Diese Entscheidung sei eine erweiterte Vorsichtsmaßnahme und stehe in keinem Zusammenhang mit dem nach wie vor relativ milden Krankheitsverlauf, so das Böblinger Landratsamt. Da der Infizierte Parteimitglied sei, sagte der CDU Kreisverband Böblingen seine Nominierungsversammlungen für die Landtagswahl vorerst ab und verschob diese auf den Zeitraum zwischen Ostern und Pfingsten.

13.44 Uhr: „Angesichts der aktuellen Coronavirus-Ausbreitung wird vorsorglich unser Kreislandfrauentag abgesagt.“ Das teilen die Landfrauen im Kreis Tübingen mit. Die Veranstaltung war für Dienstag, 3. März, in der Stäblehalle in Remmingsheim geplant.

12.14 Uhr: Währenddessen ist die anfängliche Befürchtung der regionalen Wirtschaft, dass es konjunkturelle Folgen gibt, einer Gewissheit gewichen. „Je länger sich das Coronavirus verbreitet, desto stärker wird es auch die heimische Wirtschaft belasten“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp. Momentan seien die Auswirkungen schwer abzuschätzen, „schon jetzt sind aber einige Lieferketten gestört“, so Epp. Im schlimmsten Fall könnten Produktionen durch fehlende Bauteile aus China oder Italien sogar zum Erliegen kommen. Unternehmen sollten sich auf ausbleibende Lieferungen und alternative Lieferanten einstellen. Acht Prozent der Exporte im Land gehen nach China, knapp 4,7 Prozent nach Italien. „Für regionale Produkte könnten je nach Branche Verluste drohen“, so Epp. 330 Unternehmen aus der Region Neckar-Alb exportieren nach Italien, 160 Unternehmen nach China. Die IHK hat unter www.ihkrt.de/coronavirus einen Ratgeber für Unternehmen veröffentlicht. Dort gibt sie etwa Antworten auf Fragen wie die, ob Mitarbeiter zu Hause bleiben dürfen, weil sie Angst vor einer möglichen Ansteckung haben. Die IHK-Antwort: Grundsätzlich nicht – bei konkreten Gefährdungen oder bei klaren Alternativen wie Home-Office im Einzelfall aber schon.

12 Uhr: Nach den bislang zehn Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg hat Innenminister Thomas Strobl Anfeindungen gegen erkrankte Patienten kritisiert.

An den Tübinger Schulen (im Bild die Geschwister-Scholl-Schule) soll der Unterricht am Montag nach den Fasnetsferien normal starten. Archivbild: Erich Sommer

11.50 Uhr: An den Schulen in Tübingen, wo Schülerinnen und Schüler am Montag nach den Faschingsferien wieder zum Unterricht kommen müssen, sind wegen des Virus keine Schließungen und Unterrichtsausfälle geplant. Das Stuttgarter Kultusministerium hat die Schulen am Donnerstag, 27. Februar, in einem längeren Schreiben über die Infektionslage informiert: „Derzeit besteht nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden kein Anlass, den Schul- beziehungsweise Kita-Betrieb einzuschränken“, heißt es darin wörtlich. Das Kultusministerium weist die Leitungen und Rektoren der Kitas und Schulen im Weiteren an, „unverzüglich Kontakt zum örtlich zuständigen Gesundheitsamt aufzunehmen“, wenn sie Kenntnis von so genannten Verdachtsfällen erlangen. „Ich habe die Kontaktdaten des Gesundheitsamtes ausgedruckt und bereitgelegt“, erklärt Christoph Schnittert, stellvertretender Schulleiter des Schulverbunds aus Gemeinschaftsschule und Gymnasium an der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen auf Nachfrage des TAGBLATTs. Sobald am Montag der Schulbetrieb wieder aufgenommen ist, sollen auch die Eltern der Schülerinnen und Schüler umfassend informiert werden. Zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern, die von Reisen zurückkommen, macht das Kultusministerium ebenfalls Empfehlungen: Zeigen sie Grippe-Symptome, sollen sie „umgehend telefonischen Kontakt zu ihrem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Notdienst aufnehmen“. Über „Studien- oder Klassenfahrten ins Ausland“ sowie Schüleraustausch-Programm habe im konkreten Fall die Schulleitung vor Ort in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt zu entscheiden. Das Kultusministerium empfiehlt, „im Zweifel von derartigen Aktivitäten bis auf weiteres abzusehen“.

11.40 Uhr: Zwei weitere Menschen aus Baden-Württemberg haben sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert: Ein Mann aus dem Kreis Ludwigsburg und ein weiterer aus dem Rhein-Neckar-Kreis. dpa

Donnerstag, 27. Februar:

21.10 Uhr: Gibt es auch weitere Infizierte in Tübingen? Das war die Frage, auf deren Beantwortung am Donnerstag alle warteten, die das Tübinger Uniklinikum (UKT) aber auch am späteren Donnerstagabend noch nicht vollständig beantworten konnte. Aber das UKT entwarnte: Insgesamt wurden 65 Personen getestet. Dabei handelte sich um 16 Kontaktpersonen der Kategorie 1, also mit engem Kontakt zu dem 60-jährigen infizierten Oberarzt der Pathologie. Weiterhin wurden 49 Personen der Kategorie 2 getestet, die nur weniger eng Kontakt mit dem Mann hatten. Bis 20.35 Uhr am Donnerstag waren mehr als 55 Abstriche ausgewertet – allesamt negativ. Wenige Ergebnisse stehen noch aus.

19.50 Uhr: Eine Meldung wollen wir dann doch nicht vorenthalten. Das Gesundheitsministerium gibt vier weitere Fälle in Baden-Württemberg bekannt. Bei drei Infizierten handelt es sich um zwei Frauen und einen Mann aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald bzw. der Stadt Freiburg. Sie gehören zu einer Gruppe Geschäftsreisender, die zwischen dem 19. und 21. Februar an einem Business-Meeting in München teilgenommen hatten. Laut Robert-Koch-Institut gehörten sie zu 13 ermittelten Kontaktpersonen eines italienischen Teilnehmers, der am 20. Februar erste Symptome verspürt hatte und nachfolgend in Italien positiv auf Corona getestet wurde. Die drei Patienten befinden sich zurzeit isoliert zur Behandlung in einer Klinik. Ein weiterer bestätigter Fall wurde aus dem Landkreis Böblingen gemeldet. Dieser steht im direkten Zusammenhang mit dem Göppinger Cluster (zu dem auch die Tübinger Infizierten zählen) – es handelt sich bei der Person um eine Kontaktperson zu der Reisebegleiterin des Indexfalles aus Göppingen. Diese Person ist wohnhaft im Landkreis Böblingen.

19.28 Uhr: Liebe Leserinnen und Leser, das war‘s für heute mit unserem Live-Blog. Sollte das Tübinger Uniklinikum am Donnerstagabend noch Neuigkeiten zu den getesteten Kontaktpersonen der beiden Infizierten bekanntgeben, werden wir umgehend auf unserer Homepage darüber berichten.

19.09 Uhr: Gewissheit gibt es inzwischen in Balingen. Der dortige Verdachtsfall hat sich nicht erhärtet, die Patientin Mitte 50 wurde negativ getestet, obwohl sie zuletzt in Italien weilte und Symptome aufwies. Allerdings sind inzwischen zwei weitere Verdachtsfälle aufgetaucht, die jedoch die Zollernalb-Klinik mit leichten Symptomen wieder verlassen konnten. Darunter ein junger Mann, der im Kino in Neu-Ulm mit dem 25-jährigen Mann saß, bei dem in Göppingen das Virus festgestellt wurde. Unsere Kollegen des Zollern-Alb-Kuriers berichten ausführlich.

18.47 Uhr: Offenbar haben einige Arztpraxen Engpässe bezüglich fehlender Schutzausrüstung. „Grundsätzlich ist es so, dass die Arztpraxen selbst verantwortlich für die Ausrüstung sind“, sagt Landratsamts-Sprecherin Martina Guizetti. „Wer nicht entsprechend vorgesorgt hat, den können jetzt Engpässe treffen.“ Das Amt habe ein gewisses Kontingent an FFR-1-Masken, die man den Praxen zur Verfügung stelle und das Problem dem Landesgesundheitsamt für weitere Maßnahmen weitergegeben.

18.23 Uhr: Angesichts einer steigenden Zahl von Corona-Infektionen rät auch die Evangelische Landeskirche in Württemberg ihrer Pfarrer- und Dekaneschaft zu vorbeugenden Maßnahmen. In einem Rundschreiben, das in den kommenden Tagen versendet werden soll, legt sie den Verantwortlichen in den Gemeinden unter anderem nahe, das Heilige Abendmahl vermehrt mit Einzelkelchen zu feiern. „Es kann auch ermutigt werden, nur das Brot zu nehmen oder im Gebet mitzufeiern. Denn für die lutherische Theologie wird die Gnade immer ganz empfangen“, heißt es in dem Schreiben. Auch wird dazu geraten, auf den Händedruck zum liturgischen Friedengruß in diesen Tagen besser zu verzichten. Achtsamkeit ist nicht nur im Gottesdienst ratsam, sondern auch bei Festen und anderen Gemeinde-Veranstaltungen. So lautet eine weitere Empfehlung, bei der Zubereitung und Darbietung von Speisen auf besonders gute Hygiene zu achten und beim gründlichen Händewaschen gegebenenfalls auch alkoholische Desinfektionsmittel zu verwenden.

17.56 Uhr: Beim TAGBLATT kamen Fragen auf, wann denn die häusliche Quarantäne bei den zwölf Ärzten begonnen habe, die mit dem infizierten 60-Jährigen in engerem Kontakt waren? Dies sei am Mittwoch gegen 15 Uhr gewesen, also „nach Bekanntwerden der positiven Ergebnisse bei den beiden infizierten Patienten“, schreibt UKT-Hygieneleiter Jan Liese auf Nachfrage.

17.47 Uhr: Kontaktpersonen zu Corona-Infizierten zeigen selbst oft keine Symptome und werden deshalb zunächst nicht auf das Virus getestet und auch nicht krankgeschrieben. Wer bezahlt aber Lohn oder Gehalt, wenn solche Arbeitnehmer in häusliche Quarantäne geschickt werden? Die Regelungen zur Quarantäne finden sich im Infektionsschutzgesetz. Das Tübinger Landratsamt schreibt auf TAGBLATT-Nachfrage: „Quarantäne kann nicht vom Arbeitgeber angeordnet werden, sondern von der Ortspolizeibehörde.“ Bei Gefahr im Verzug könne auch das Gesundheitsamt selbst eine Quarantäne anordnen. So lange diese ohne einen positiven Befund erfolgt, liege dann aber eine sogenannte bezahlte Freistellung vor - keine Krankschreibung und auch kein Sonderurlaub. Der Arbeitgeber müsse die Kosten dafür tragen und könne sich diese später von der Behörde erstatten lassen. Arbeitgeber dürfen laut Landratsamt ihre Mitarbeiter nicht wegen Verdachts auf eine Infektion in unbezahlten Urlaub schicken.

Zehn Zimmer stehen auf der Infektionsstation der Medizinischen Klinik Tübingen zur Verfügung. Bild: Moritz Hagemann

17.42 Uhr: Das Tübinger Landratsamt hat inzwischen eine Hotline eingerichtet und gibt Hinweise:

  • Waschen Sie regelmäßig und gründlich ihre Hände mit Wasser und Seife. Die Erreger können auch an Türklinken, Haltegriffen, Treppengeländern oder ähnlichen Gegenständen haften und von dort über die Hände weitergereicht werden. Beim Corona-Virus ist es zwar sehr wahrscheinlich, dass die Erreger nicht über Oberflächen weitergegeben werden können, dennoch empfehlen wir sicherheitshalber entsprechende Vorsicht walten zu lassen.
  • Niesen oder husten Sie in die Ellenbeuge oder in ein Papiertaschentuch, das Sie nur einmal benutzen und sofort entsorgen.
  • Enge Kontakte, vor allem mit kranken Personen meiden. Dabei 1 bis 2 Meter Abstand halten.
  • In der Infektzeit auf Händeschütteln, Umarmungen und Küsschen zur Begrüßung verzichten.
  • Wenn Sie selbst krank werden und Erkältungssymptome und Fieber entwickeln, bleiben Sie zuhause, damit Sie niemanden anstecken. Wenn Sie aus einem aktuellen Risikogebiet (Info: www.infektionsschutz.de) kommen oder engen Kontakt zu Personen hatten, die aus solchen Gebieten zurückgekehrt sind, kontaktieren Sie bitte einen Arzt oder melden Sie sich bei den Hotlines. Bitte kommen Sie nicht zum Gesundheitsamt ins Landratsamt, hier werden keine Tests vorgenommen!

Für weitergehende Fragen hat das Landratsamt Tübingen unter der Telefonnummer 07071/207-3600 eine Hotline für Fragen eingerichtet. Die Hotline ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Per E-Mail kann die Abteilung Gesundheit unter infektionsschutz@kreis-tuebingen.de kontaktiert werden.

16.50 Uhr: Nach dem Kinobesuch eines Coronavirus-Patienten aus Eislingen (Kreis Göppingen) in Neu-Ulm müssen mehrere Sitznachbarn des Mannes in Quarantäne. Die vier Kinobesucher dürfen nach Anordnung des Gesundheitsamtes vorläufig ihre Wohnung nicht mehr verlassen, teilte das Landratsamt in Neu-Ulm am Donnerstag mit. dpa

16.40 Uhr: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Südwesten bereitet sich auf einen möglichen Ausbruch von Erkrankungen an dem Coronavirus vor. „Unsere Aufgabe ist es, uns rechtzeitig und frühzeitig auf alle Eventualitäten vorzubereiten“, sagte Jürgen Wiesbeck, Einsatzleiter für alle Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in Stuttgart.

Aktuell werden zwei Corona-Patienten am Tübinger Uniklinikum behandelt. Bild: Moritz Hagemann

16.38 Uhr: Die Telefonkonferenz am UKT ist nun beendet. Viele Neuigkeiten gab es nicht. Die spannendste Frage ist weiter offen: Haben sich weitere Personen mit dem Coronavirus infiziert? Darüber will das Tübinger Klinikum noch am Donnerstag informieren. Vor allem sind noch die Ergebnisse der zwölf Oberärzte offen, die mit dem 60-jährigen Oberarzt der Pathologie in engem Kontakt standen. Die Kontakte der 24-Jährigen untersucht nicht das Klinikum. Dafür ist das Gesundheitsamt zuständig, wie auch eigentlich im Fall des 60-Jährigen, welcher aber aufgrund seiner Beschäftigung am UKT anders gehandhabt wird.

16.28 Uhr: Das Klinikum bittet darum, von Anrufen abzusehen und sich stattdessen an das Gesundheitsamt zu wenden. Die vielen Nachfragen erschweren die Arbeit angesichts der sowieso schon ausgedünnten Personaldecke.

16.21 Uhr: Das Problem am Coronavirus ist, dass er neu ist und die Datenlage noch nicht gut sei, so Liese. „Wir schauen natürlich auf den Anteil an Personen, die durch die Erkrankung sterben.“ Weltweit wisse man aber nicht, wer alles infiziert ist, was die Zahlen etwas verfälscht. Ob das Virus ansteckender als die Grippe ist? Es sei schwierig, das genau zu sagen. Liese: „Was die Gefährlichkeit angeht, ist der Vergleich mit der Influenza nicht ganz unberechtigt.“ Jedoch, so ergänzt Göpel, gehöre Covid-19 zur Familie der SARS- und MERS-Viren, die gefährlich seien, was einen gewissen Respekt vor der Erkrankung mitbringt.

16.17 Uhr: Zwölf Oberärzte sind Kontaktpersonen und derzeit nicht im Einsatz, ihnen gehe es gut. „Der Krankenhausbetrieb ist gesichert“, sagt Göpel dennoch. Aktuell gebe es noch die Spezialsituation, dass man sich in den Faschingsferien befinde und weiteres Personal fehle, aber man sei auf Krankheitsausfälle immer vorbereitet. Weder Patienten noch Besucher des UKT seien in Gefahr.

16.14 Uhr: Wie wird das Coronavirus verbreitet? Das seien Fragen, die auch weiterhin noch untersucht werden müssen. Es kristallisiere sich heraus, dass dies vorwiegend über eine Tröpfcheninfektion geschieht, sagt Liese.

16.08 Uhr: Sämtliche Kontaktpersonen wurden kontrolliert, sagt Jan Liese, Hygieneleiter: 16 Personen der Kategorie 1 mit engen Kontakt, 49 Personen ohne näheren Kontakt (Kategorie 2). Bislang sind 24 Proben der leichten Kontakte negativ, aber weitere Ergebnisse werden noch erwartet im Laufe des Tages.

16.07 Uhr: Die Telefonkonferenz in der Tübinger Uniklinik beginnt. Den beiden Patienten in der Tübinger Uniklinik geht es gut. „Das Hauptproblem ist eine gewisse Langeweile“, sagt Siri Göpel (Oberärztin in der Infektiologie der Medizinischen Klinik).

16 Uhr: Die Pressekonferenz am Balinger Zollernalb-Klinikum begann pünktlich um 16 Uhr und mit großem medialen Interesse. Das Coronavirus-Testergebnis eines Verdachts-Falls lag indes nicht rechtzeitig vor, sodass sich die Krankenhaus-Vertreter hauptsächlich auf allgemeine Informationen zu Covid-19 konzentrierten. Bei der Patientin handelt es sich um eine Frau Anfang 50, die am Mittwoch mit Fieber und Gliederschmerzen in die Balinger Klinik gekommen war. Außerdem war die Frau vor einer Woche aus einer Region Italiens zurückgekehrt, die inzwischen als Corona-Gebiet bekannt ist. Die Frau wurde in einem Einzelzimmer der Klinik isoliert und wartet nun auf das Testergebnis.

Die Balinger Pressekonferenz im Livestream des Zollern-Alb-Kuriers:

15.55 Uhr: Angesichts der Gefahr durch das neuartige Coronavirus rät das Kultusministerium, anstehende Klassenfahrten ins Ausland und Schüleraustausche zu überprüfen. Ob sie stattfinden könnten, sollten die Schulleitungen zusammen mit den örtlichen Gesundheitsämtern entscheiden. dpa

15.40 Uhr: Tübinger Supermärkte und Drogerien verzeichnen nicht erst seit Mittwoch einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage bei Desinfektionsmitteln aller Art. Drogerie-Abteilungsleiterin Angelika Frick vom Drogeriemarkt Müller in der Tübinger Friedrichstraße sagt, sie sei fast ausverkauft. Vor allem Handdesinfektionsmittel würde stark nachgefragt. Aber auch das Regal mit den Flächendesinfektionsmitteln ist fast leer. Nachschub habe die Zentrale erst für Mitte März versprochen, so Frick.

Desinfektionsmittel sind fast ausverkauft, dank Corona. Bild: Hans-Jörg Schweizer

15.20 Uhr: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer sagte auf TAGBLATT-Nachfrage: „Solange wir die Personen nachverfolgen können, welche Kontakt mit Corona-Infizierten hatten, ist es entscheidend, diese Personen zu isolieren. Aktuell spricht alles dafür, dass das Virus in Tübingen nicht über den Kreis der Kontaktpersonen hinaus gelangt ist.“ Auch Palmer sieht deshalb keinen Grund, die Messe FDF (siehe 11.11 Uhr) abzusagen: „Wenn die nach Todes- und Erkrankungszahlen aktuell in Deutschland sehr viel gefährlichere Influenza kein Grund ist, die FDF zu meiden oder abzusagen, dann ist es Corona auf keinen Fall.“

15.08 Uhr: Der 25-Jährige in Göppingen war der erste Fall in Baden-Württemberg, er weilte mit der 24-jährigen Tübingerin in Mailand. Nun äußerte sich Göppingens OB Guido Till (CDU): „Ich bitte Sie, möglichst rational mit dieser Krankheitsgefahr umzugehen“, schrieb Till am Donnerstag in einem offenen Brief auf der Internetseite der Stadtverwaltung. „Ich denke, wir haben unseren Fall eingrenzen können“, führt er weiter aus. Man müsse allerdings auch noch abwarten, wie sich die Lage nach der Rückkehr der Urlauber aus den Faschingsferien entwickele. „Sollte es notwendig sein, werden wir alle erdenklichen Maßnahmen ergreifen, um eine Epidemie einzugrenzen.“ Das gelte zwar auch für das Schließen von Schulen, Kindertagesstätten und öffentlichen Gebäuden, aber solch eine Situation sei noch nicht eingetreten.

14.28 Uhr: Um 16 Uhr gibt es neue Informationen. Das Tübinger Uniklinikum kündigt eine 30-minütige Telefonkonferenz mit Jan Liese (Leiter Krankenhaushygiene) und Siri Göpel (Oberärztin in der Infektiologie der Medizinischen Klinik) an. Dann ist bekannt, ob es neue Fälle in Tübingen gibt und wie das Klinikum damit umgeht.

14.16 Uhr: Nach den vier bestätigten Fällen wachsen in der Bevölkerung die Ängste. Mehrfach wird betont, dass die wichtige Maßnahme zunächst einmal ist, Ruhe zu bewahren. Die Hände regelmäßig desinfizieren, bei Symptomen nicht mehr auf die Straße gehen und auch keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren – Dinge, die empfohlen werden. Für alle Fragen zum Coronavirus hat das Stuttgarter Landesgesundheitsamt eine Hotline für Rat suchende Bürgerinnen und Bürger eingerichtet. Sie erreichen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werktags zwischen 9 und 16 Uhr telefonisch unter 0711 904-39555.

13.41 Uhr: In Japan hat sich eine Frau Mitte 40 zum zweiten Mal am Coronavirus infiziert. Es ist der erste derartige Fall in Japan. Laut des japanischen Gesundheitsamtes war sie in Osaka am 1. Februar aus dem Krankenhaus entlassen worden und galt als gesund. Am 3. Februar wurde sie negativ getestet. 25 Tage später sind aber erneut die Symptome aufgetreten und der Test auf Covid-19 war nochmals positiv. In Japan sind jedoch bereits über 900 Menschen infiziert (acht Todesfälle).

13.18 Uhr: Das Berliner Robert-Koch-Institut hat sich dazu entschieden, fortan täglich bei einer Pressekonferenz über den Stand des Coronavirus in Deutschland zu informieren. RKI-Präsident Lothar Wieler sagte am Donnerstag, das Virus sei tödlicher als die Grippe. Allerdings könne man erst am Ende der Epidemie sehen, wie viel höher die Sterberate ausfalle. Nach Angaben Wielers erwarte 15 Prozent der Infizierten ein schwerer Verlauf, ein bis zwei Prozent würden am Coronavirus sterben. Es gehe darum, die Ausbreitung des Virus so gut wie möglich einzudämmen, um Zeit gewinnen zu können. Es besteht die Hoffnung, dass zeitnah ein Impfstoff entwickelt werden kann. An dieser Entwicklung ist auch die Tübinger Firma CureVac beteiligt. Auch Wieler sagte allerdings, dass die Isolierung ganzer Städte in Deutschland nicht zu erwarten sei.

12.16 Uhr: Seit Bekanntwerden der beiden Tübinger Fälle sind die Anrufe besorgter Bürgerinnen und Bürger beim hiesigen Gesundheitsamt deutlich angestiegen. Wie Sprecherin Martina Guizetti mitteilt, will das zuständige Landratsamt nun eine Hotline einrichten und erarbeitet derzeit eine Zusammenstellung von häufig gestellten Fragen.

11.50 Uhr: Die Tübinger Stadtwerke haben für alle Tübus-Fahrer ein Merkblatt mit Hygiene- und Verhaltenstipps erstellt. „Zusätzlich wird jede Fahrerin und jeder Fahrer des SWT-Verkehrsbetriebes schnellstmöglich mit einem Hygiene-Pack ausgestattet“, teilt Sprecher Ulrich Schermaul mit. Das beinhaltet etwa ein Desinfektionsgel oder Desinfektionstücher. „Darüber hinaus ist vorgesehen, in allen Bussen während der Nacht im Depot diejenigen Bereiche gründlich zu desinfizieren, die stark von den Fahrgästen genutzt und angefasst werden, also Halteschlaufen, Haltestangen, Automaten-Displays.“ Tagsüber können die Busse aufgrund des laufenden Betriebes nicht gereinigt werden. Die Maßnahmen gelten laut Schermaul für alle Verkehrsunternehmen (Tübus, Kocher, Schnaidt), die im Linienverkehr unterwegs sind.

Die Pressekonferenz am UKT vom Mittwoch im Re-Live:

11.11 Uhr: Die Tübinger Messe FDF wird wie geplant am Samstag starten. „Wir sind mit allen Behörden in engem Kontakt und ich kann sagen, die FDF wird definitiv stattfinden“, sagt Veranstalter Michael Bartmann. Man nehme Sorgen von Besuchern vor dem Coronavirus allerdings ernst, versichert der Organisator: Bestimmte Flächen wie Türgriffe würden regelmäßig desinfiziert, auf Toiletten gibt es Desinfektionsmittel, es hängen Hinweise zur Hygiene aus. Bartmann weist, „bei allem Verständnis für den Ernst der Situation“, darauf hin, dass die FDF eine regionale Verbrauchermesse ist und, auch von den Ausstellern her, keine internationale Schau. Weder aus den in den Medien angesprochenen italienischen Gebieten, noch aus dem asiatischen Raum kämen Händler. 71.000 Besucherinnen und Besucher kamen zur Messe im Vorjahr auf den Tübinger Festplatz.

10.45 Uhr: Das Zollernalb Klinikum in Balingen kündigt gerade für Donnerstagnachmittag um 16 Uhr eine Pressekonferenz an. Dort gibt es seit Mittwoch einen Verdachtsfall. Es könnte ein Zeichen sein, dass die dortige Patientin positiv ist. Aber: „Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir vorab keine Informationen zum aktuell begründeten Verdachtsfall herausgeben können“, teilt das Balinger Klinikum mit.

10.21 Uhr: Inzwischen wurden von allen Personen, mit denen die beiden Tübinger Corona-Patienten nach ihrer Rückkehr Kontakt hatten, Abstriche genommen. Zunächst wollte das UKT nur bei Symptomen Tests machen. Alle Kontaktpersonen der Kategorie 2 (nicht so enger Kontakt) sind negativ, wie Klinikumssprecherin Bianca Hermle mitteilt. Die Ergebnisse der Tests der Kontaktpersonen 1 (enger Kontakt) werden für Donnerstagnachmittag erwartet. Der 24-Jährigen und ihrem 60-jährigen Vater, bei denen am Mittwoch das Coronavirus diagnostiziert wurde, gehe es „unverändert gut“. Der Mann sei auch nach wie vor symptomfrei.

10.12 Uhr: Auch am Stuttgarter Flughafen herrscht „Normalbetrieb“, wie eine Sprecherin auf Nachfrage mitteilt. „Unser Flugbetrieb ist in keinster Weise eingeschränkt.“ Fünf Mal pro Woche heben etwa die Maschinen von Laudamotion von Stuttgart in Richtung des Flughafens Mailand Bergamo ab. Auch Eurowings fliegt mehrmals wöchentlich von der Landeshauptstadt aus den Flughafen Mailand Malpensa an. Ebenso hat Alitalia Direktverbindungen von Stuttgart nach Norditalien. In Italien gibt es inzwischen etwas mehr als 400 Infizierte. Passagiere, die derzeit aus der stark betroffenen Region in Stuttgart landen, werden nicht gesondert behandelt oder untersucht, sagte die Sprecherin. Das passiere, sobald Behörden dies anordnen. Ansonsten hängen überall in den Flughafenterminals mehrsprachige hygienische Informationen aus. Die Frau aus Tübingen war mit ihrem Begleiter übrigens per Auto in Mailand.

9.52 Uhr: Wie geht eigentlich die Deutsche Bahn mit dem Coronavirus um? „Das beschäftigt uns“, sagte ein Bahn-Sprecher dem TAGBLATT. Allerdings will sich die Bahn derzeit nicht weiter äußern. Nur soviel: Derzeit gibt es deutschlandweit keine Einschränkungen im Bahnverkehr. Die Bahn stehe zur Bewertung der Entwicklung des Virus in ständigem Austausch mit den relevanten Gesundheitsorganisationen und -behörden.

9.30 Uhr: Als es Ende Januar den ersten Verdachtsfall am Tübinger Uniklinikum gab, mussten die Untersuchungswerte nach damaliger UKT-Auskunft noch nach Berlin geschickt und dort untersucht werden. Inzwischen ist das alles auch in Baden-Württemberg möglich. Binnen fünf Stunden kann die Erkrankung festgestellt werden. Der Mann, der Ende Januar in Tübingen getestet wurde, war nicht vom Coronavirus betroffen. Alleine am Uniklinikum in Freiburg sind bereits 14 Personen getestet worden – allesamt negativ.

In der Medizinischen Klinik Tübingen sind die drei Infizierten untergebracht. Sie liegen auf der Infektionsstation und werden überwacht. Bild: Moritz Hagemann

9.04 Uhr: In Deutschland gibt es seit Dienstagmittag zehn neu erkrankte Corona-Patienten. Die Zahl der Infizierten stieg hierzulande auf knapp über 20 an, einen Todesfall gibt es dabei nicht. Dass die Situation in Deutschland keineswegs vergleichbar mit jener in Norditalien ist, beweist ein Interview im „Kicker“. Dort spricht Robin Gosens, deutscher Fußballprofi bei Champions-League-Achtelfinalist Atalanta Bergamo, über das Virus und seine Folgen: „Die ganze Stadt ist irgendwie ein bisschen außer Rand und Band. Es gab Hamsterkäufe. Die Supermarktregale sind leergefegt: Pasta und Reis, Obst und Gemüse – alles komplett weg, weil die Leute Panik haben, dass die Behörden jetzt auch Bergamo abriegeln, um den Überblick zu behalten.“ Davon ist Tübingen noch meilenweit entfernt.

8.03 Uhr: Wie geht man mit dem Coronavirus um? Wie schützt man sich? In diesen Fragen wird stets auf das Robert-Koch-Institut verwiesen – etliche Mal auch bei der Tübinger Pressekonferenz am Mittwoch. Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung unter anderem für Infektionskrankheiten, es sitzt in Berlin und beschäftigt fast 1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf seiner Homepage hat das Institut alles Wissenswerte zu Covid-19 zusammengefasst. Dort gibt es unter anderem auch Antworten zu häufig gestellten Fragen rund um die Erkrankung.

7.26 Uhr: In einem ausführlichen Facebook-Statement hatte sich bereits am Mittwochabend Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zu Wort gemeldet. Dort erklärt er, „warum wir in Wahrheit zwei Gefahren bannen müssen: Die unmittelbare Gefahr durch das Virus und die Gefahr einer Überreaktion“. Die Politik brauche im Umgang mit dem Virus wissenschaftliche Beratung. „Sie kann aber auch getrieben werden von Ängsten in der Bevölkerung. Deshalb ist jetzt innehalten, lesen, verstehen und nachdenken so wichtig“, so Palmer. Es gebe keinen Grund, in Tübingen Schulen zu schließen oder Veranstaltungen abzusagen. Der OB warnt davor – wie bereits Landrat Joachim Walter bei der Pressekonferenz zu den beiden Fällen –, die bestehenden Systeme durch überzogene Reaktionen auf das Virus zu gefährden: „Die daraus entstehenden Verluste wirtschaftlicher Art, aber auch der fehlende Nachwuchs für nachzubesetzenden Stellen, würde sehr schnell viele Menschenleben fordern.“

7.03 Uhr: Nach den vier bestätigten Fällen in Baden-Württemberg – zwei in Tübingen, jenem in Göppingen und einem in Rottweil am Mittwochabend – könnte das Virus auch im Zollernalbkreis angekommen sein. Im Balinger Zollernalb Klinikum, einem Lehrkrankenhaus des Tübinger Uniklinikums, stellte sich am Mittwoch eine Patientin vor. Entsprechend der Kriterien des Robert-Koch-Instituts stuft das Klinikum die Patientin als „begründeten Verdachtsfall“ ein. Demnach sei spätestens im Laufe des frühen Nachmittags am Donnerstag eine Entscheidung zu erwarten. Auch in Balingen gilt: keine Panik! Das Klinikum sei auf diese Situationen vorbereitet.

Donnerstag, 6.29 Uhr: Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, war der 25-jährige Mann, der die 24-jährige Tübingerin wohl angesteckt hat, am Wochenende in Neu-Ulm noch im Kino. Mit ihm seien nach Informationen des zuständigen Landratsamtes über 100 weitere Menschen im Saal gewesen. Nicht aber die nun auch betroffene Tübinger Studentin, das bestätigte das Tübinger Uniklinikum bereits am Mittwochnachmittag. Deshalb hatte sie nur Kontakt zu zwei Kommilitoninnen nach ihrer Rückkehr.

Zwei bestätigte Corona-Fälle in Tübingen
Videoplayer konnte nicht geladen werden.

Am Mittwoch bestätigte das Tübinger Uniklinikum (UKT) das Coronavirus bei zwei Patienten. Im Video sprechen UKT-Direktor Michael Bamberg, UKT-Hygieneleiter Jan Liese sowie Landrat Joachim Walter über die Fälle und den Umgang mit der Erkrankung. Video: Moritz Hagemann

© ST 03:36 min

Vorgeschichte: Die 24-jährige Infizierte weilte bis Sonntag in Mailand und war dabei in Begleitung des 25-Jährigen, bei dem in Göppingen erstmals in Baden-Württemberg das Coronavirus diagnostiziert worden ist. Die Studentin wohnt mit ihrem Vater zusammen – auch der 60-jährige Oberarzt der Pathologie ist infiziert. Das Tübinger Uniklinik reagierte umgehend und schickte alle Beschäftigten nach Hause, die in engerem Kontakt mit dem Erkrankten waren. Außerdem seien alle Personen erfasst, zu denen die beiden Infizierten Kontakt seit der Rückkehr der Frau aus Mailand hatten. Hier geht‘s zur Berichterstattung vom Mittwoch.

Informationen zum Coronavirus

Illustration des Coronavirus (2019-nCoV) des Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Die Fortsätze auf der Oberfläche des Virus erinnern an eine Corona. Bild: Wikimedia - CDC/ Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAM [Public domain]

Das derzeit grassierende neuartige Coronavirus gehört zur Familie der Coronaviridae, deren Vertreter bei Wirbeltieren verschiedene Erkrankungen hervorrufen. Manche Coronaviren können Artenbarrieren überwinden und mehrere Wirtspezies infizieren.

Beim Menschen sind momentan sieben Coronavirusspezies als Erreger von leichten Erkältungskrankheiten bis hin zu schweren akuten Atemwegssyndromen bekannt (Stand Februar 2020). Neben dem sich aktuell weltweit ausbreitenden Sars-Cov-2 ist auch der Erreger der Sars-Pandemie 2002/2003 Sars-Cov sowie der 2012 aufgetretene Erreger Mers-Cov von Bedeutung.

Sars steht für Severe Acute Respiratory Syndrome (Schweres Akutes Atemwegssyndrom), Mers bedeutet Middle East Respiratory Syndrome (Atemwegssyndrom des Mittleren Ostens).

Der Begriff Corona bezieht sich auf das Erscheinungsbild dieser Viren: Die Fortsätze auf der Virenhülle sehen unter dem Elektronenmikroskop wie ein Strahlenkranz aus, der einer Sonnenkorona ähnelt. Corona kommt aus dem Spanischen und bedeutet Krone.

Die durch das Sars-CoV-2 (Severe-Acute-Respiratory-Syndrome-Coronavirus-2) ausgelöste Erkrankung der Atemwege wurde Covid-19 genannt (Coronavirus-Disease-2019, deutsch: Coronavirus-Krankheit-2019).

Antworten auf häufig gestellte Fragen zum neuartigen Coronavirus Sars-Cov-2 gibt es von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Fachliche Informationen zu der neuen Atemwegserkrankung Covid-19 (verursacht durch das Coronavirus Sars-Cov-2) stellt das Robert-Koch-Institut zur Verfügung.

Das Tübinger Landratsamt hat unter der Telefonnummer 07071/207-3600 eine Hotline eingerichtet (täglich, auch am Wochenende, 8 bis 18 Uhr).

Zum Dossier: Alle Corona Live-Blogs

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Erstellt:
27. Februar 2020, 07:04 Uhr
Aktualisiert:
27. Februar 2020, 07:04 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2020, 07:04 Uhr

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