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Co-Therapeut auf vier Pfoten
Karina Bien setzt Hündin Amira in der Therapie ein. Dazu gehört auch, „Mensch ärgere dich nicht“ zu spielen. Foto: Ferdinando Iannone
Gesundheit

Co-Therapeut auf vier Pfoten

Ob Hund, Kaninchen, Pferd oder Lama: Tiere spielen in der Logopädie, Ergotherapie und Psychiatrie verstärkt eine Rolle. Besuch in einer Stuttgarter Praxis.

21.04.2018
  • NADJA OTTERBACH

Stuttgart. Ein heller Raum im Zentrum für Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie in Stuttgart-Sillenbuch. Amira döst mit halbgeschlossenen Augen auf einer Decke. Sobald die Tür geöffnet wird, blickt sie auf und wedelt mit dem Schwanz. Ob sie gleich einen neuen Patienten begrüßen darf? Die siebenjährige Labrador-Hündin gehört zum Team der Einrichtung. Als Co-Therapeutin unterstützt sie Frauchen Carina Bien bei der Arbeit, zweieinhalb Tage in der Woche.

Was die Hündin kann, demonstriert sie voller Elan. Setzt sich auf einen Korbsessel an den Tisch und stupst einen Holzwürfel mit der Nase. „Mensch ärgere dich nicht“ einmal anders. Stellt man sich breitbeinig vor ihr auf, läuft sie Slalom unten durch. Im Motorikraum meistert sie den Bewegungsparcours in einem Affentempo. Sie kriecht mit Kindern durch den Tunnel, setzt sich mit ihnen auf die große Schaukel und lässt sich kraulen.

Ein Hund als Therapeut? Die Patienten können davon nur profitieren, ist Carina Bien überzeugt. Tiere bringen Menschen zum Lachen, schenken Lebensmut und regen verloren geglaubte Fähigkeiten an. Die 31-Jährige weiß: Tiere können eine Brücke zum Therapeuten bauen, sie wecken Vertrauen und geben Anerkennung. „Über ein Tier kommt man leichter ins Gespräch“, sagt die Ergotherapeutin, die mit ihrer Hündin vor acht Jahren die Ausbildung zum Therapiebegleithunde-Team absolviert hat. Zu ihr kommen Menschen mit Angststörungen, motorischen Einschränkungen oder psychischen Problemen. Auch verhaltensauffällige Kinder sind darunter. In den meisten Fällen wird Amira in die Behandlung miteinbezogen.

Und nicht nur sie: In Sillenbuch sind insgesamt drei Hunde im Einsatz, außerdem fünf Kaninchen. An zwei weiteren Standorten des Therapie-Zentrums im Raum Stuttgart werden die Mitarbeiter auch von Ponys, Pferden und einem Esel unterstützt. Carina Bien kann einige Erfolge aufzählen: Sie berichtet von dementen Senioren, die durch den Kontakt zu Tieren aktiver wurden. „Vielen alten Menschen im Pflegeheim fehlt es an körperlicher Nähe“; sagt sie. „Liegt ein Hund oder ein Kaninchen mit im Bett, beschleunigt sich der Puls sofort.“

Besonders freut sie sich, wenn Kinder durch den Kontakt zu Hundedame Amira ihre Versagensängste verlieren. Beispiel Mutismus: Die Angststörung lässt Kinder in bestimmten Situationen verstummen. Die Ergotherapeutin berichtet von einem fünfjährigen Mädchen, das außerhalb der Familie mit niemandem sprach. In der Therapie begann das Mädchen, Amira etwas ins Ohr zu flüstern. Als die Hündin eine Aufgabe nicht lösen wollte, entfuhr ihr ein lautes „Hey!“ Nach einem Jahr sei das Kind geheilt gewesen.

Dass Tiere eine positive Wirkung auf Menschen haben, ist in Forschungsarbeiten dokumentiert. Nicht nur in der Ergotherapie sind sie bedeutsam, auch in der Logopädie werden sie eingesetzt. Annette Mehwald arbeitet seit fast zehn Jahren mit ihrem Hund Cuzko. Sprachschmiede heißt ihre Praxis für Logopädie in Stuttgart-Ost. „Hunde kommunizieren auf einer anderen Ebene“, sagt sie. Sie könnten Mimik lesen und anwenden. Und, für sie das Wichtigste: Sie werten nicht. „Cuzko freut sich, egal, wie jemand aussieht oder spricht.“ Also nutze sie ihn als Türöffner und Motivator.

Auch das Stuttgarter Olgahospital setzt auf die Hilfe vierbeiniger Kollegen. Die Reittherapie ist fester Bestandteil im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, darüber hinaus werden die jungen Patienten von der ausgebildeten Border-Collie-Hündin Witch begleitet.

In der Region gibt es zahlreiche weitere Therapeuten mit ähnlichen Konzepten. Die meisten arbeiten mit Hunden, Pferden, Kaninchen und Meerschweinchen, in Einzelfällen auch mit Hühnern. Nicht so Sozialpädagoge Dirk Briddigkeit. Der Reutlinger hält drei Lamahengste, die bei der Gesundheitsheitswanderung genauso eine Rolle spielen wie bei der Burn-out-Prophylaxe. Das Ziel ist das gleiche wie in Sillenbuch: Die Lebensqualität der Menschen soll verbessert werden.

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21.04.2018, 06:00 Uhr
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