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Clowns oder Hexen?
Karneval oder Fasnet? Hauptsache schön bunt, laut und lustig. Foto: dpa
Zünfte mischen rheinische und alemannische Fasnetstraditionen

Clowns oder Hexen?

Karneval oder Fasnet? Im Süden Baden-Württembergs regiert die schwäbisch-alemannische Fastnacht, im Norden mischt der rheinische Karneval mit. Manchmal geht auch beides gut zusammen.

03.02.2016
  • SANDRA CARTOLANO KATHRIN DRINKUTH, DPA

Freiburg. Die einen schunkeln zur Musik der Mottowagen, die anderen springen mit Häs und Maske in den Gassen: Durch Baden-Württemberg verläuft während der Fünften Jahreszeit eine unsichtbare Grenze. In Konstanz ruft man "Ho-Narro", in Mannheim "Ahoi" - an der schwäbisch-alemannischen Fastnacht im Süden und dem Karneval im Norden scheiden sich die Geister. Dabei ist das kein Widerspruch, sagt der Freiburger Volkskundler Werner Mezger. "Das sind zwei verschiedene Erscheinungsformen ein und desselben Phänomens."

Um zu verstehen, warum sich die beiden Traditionen so unterschiedlich entwickelt haben, muss man einige Jahre zurückgehen: Ende des 18. Jahrhunderts steckte das Brauchtum der Fastnacht in einer Krise, es galt aufgrund der Aufklärung als nicht mehr zeitgemäß. Eine Gruppe Kölner wollte sich mit dem endgültigen Aus des Fastnachtstreibens aber nicht abfinden: Sie taten sich zusammen, um die Bräuche des "Fastelovend" zu erhalten und zu erneuern. Die neu entwickelte Art des Fastnachtstreibens nannten sie Karneval.

"Das war die Geburtsstunde der bis heute üblichen rheinischen Ausprägung der närrischen Tage", sagt Mezger. 1823 zog das erste Mal der "Held Karneval" in die Domstadt ein. Und das Kölner Beispiel machte Schule. Auch im deutschen Südwesten habe es eine unglaubliche Strahlkraft entwickelt, sagt Mezger. Im 19. Jahrhundert sei dort Karneval gefeiert worden, etwa in Konstanz und Rottweil.

Aber es gab einen Haken: Der Karneval mit seinen großen Themenumzügen sei meist von bildungsbürgerlichen Schichten konzipiert worden, sagt Mezger. Oft machten akademisch gebildete Maler die Entwürfe. Die kleinen Leute, die zuvor die Fastnacht getragen hatten, waren nur noch Statisten. So kam es im schwäbisch-alemannischen Raum zur Rückbesinnung: "Die einfachen Leute haben gesagt: Wir holen die alten Narrenkleider wieder hervor und feiern die Fastnacht alten Stils, wie sie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts üblich gewesen war", sagt Mezger.

Und heute? Gibt es noch immer Einflüsse zwischen den beiden Formen. Zwar findet man in der Fastnacht kaum Mottowägen und auch das Kostüm - "Häs", "Hemdle" oder "Kleidle" - wechselt in der Regel nicht jedes Jahr. Stattdessen tragen die Narren "Larven" oder "Schemen" aus Holz, kunstvoll geschnitzt, die meist Figuren aus der Dorf- und Stadtgeschichte sowie Fabelwesen und Tiere verkörpern.

Aber bei manchen Zünften finden sich karnevaleske "Reste", wie Mezger sagt; etwa Gardemädchen und Prinzenpaare. Die badisch-pfälzische Region wird in der fünften Jahreszeit zum Schmelztiegel: Hier mischen sich alemannische und rheinische Fastnachtstraditionen. Die Kurpfalz sei der deutsche "Narrenäquator", sagt Rainer Holzhauser von der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine. Hier gebe es einen "herrlichen Narrenmischmasch": rheinische Fanfarenzüge und alemannische Guggenmusik, Saalfastnacht und Straßenkarneval, Narrenkappenträger und Fastnachtshexen.

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03.02.2016, 08:34 Uhr
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