Feuerrad und Nashorn-Kontakt

Circus Krone: Jubiläumsgastspiel auf dem Tübinger Festplatz

So nah wie bei der gestrigen „Celebration“-Premiere des Münchener Circus Krone kommt man einem Nashorn nicht einmal im Zoo. Die knapp 4000 Nachmittagsgäste im Zirkuszelt auf dem Tübinger Festplatz hielten noch öfter den Atem an.

28.04.2012

Von DOROTHEE HERMANN

Tübingen. In die schwingende Leichtigkeit des Manegentreibens stimmte das Saxofonsolo von Weißclown Yann Rossyann (unser Bild) ein. Zu seiner Melodie von „La vie en rose“ zeigte eine Akrobatin im pinkfarbenen Glitzerkostüm ein kleines Luftkunststückchen, ein zierliches Entree für die folgenden Abenteuer unter der Zirkuskuppel.

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Zirkus Krone: Der 3,5 Tonnen schwere Nashornbulle Tsavo und sein Dompteur Martin Lacey Jr.

Zirkus Krone: Tango Argentino, Trapez-Artisten Flying Zuniga.

Zirkus Krone: Ballet Holly-Bollywood (Orientalische Impressionen).

Zirkus Krone: Tango Argentino, Hohe Schule mit Jana Mandana Sembach-Krone.

Zirkus Krone: Pausenclown Les Rossyann.

Herrlich kontrastreich erschien im fast abgedunkelten Zirkuszelt eine chinesische Akrobatentruppe in geflammten Kostümen, die im Dunkeln zu flackern schienen. Sie platzierten sich auf einer breiten, goldenen Doppelschaukel mit Drachenornamenten. Sie diente nur dazu, genug Schwung für einen Salto zu holen und sich in die Luft oder gar durch ein Feuerrad zu katapultieren. Das etliche Meter entfernt befestigte, vertikale Sprungtuch reflektierte gleichzeitig die Schatten der Artisten, als wären in die Nummer asiatische Kampfkunst und chinesisches Schattentheater eingegangen.

54 Artisten und zwölf Tänzer/innen aus 14 Nationen wirken mit beim beeindruckenden neuen Programm des Münchener Circus Krone, der sein Tübinger Gastspiel gestern mit zwei umjubelten Premieren eröffnete. Die insgesamt 20 Nummern variierten Akrobatik vom Feinsten und Hochspannung, von den Flying Zuniga am Flugtrapez bis zum Actionspektakel von Crazy Wilson am Riesentodesrad.

Bei der Nachmittagspremiere im Circus Krone streckte gestern der 3,5Tonnen schwere Nashornbulle Tsavo (mit Trainer Martin Lacey) sein wuchtiges Horn fast bis in die ersten Zuschauerränge im Zirkuszelt auf dem Tübinger Festplatz. Weitere Bilder von der Zirkus-Premiere gibt es auf www.tagblatt.de. Bilder:Sommer

Wenn vor lauter Spannung dringend eine Atempause benötigt wurde, trat der Weißclown Yann wieder in die Manege. Dass er seinen knubbeligen Bruder Hector zu gefährlichen Kunststückchen mit einer Pistole anzutreiben versuchte, machte den zahlreichen Kindern im Publikum hörbar Spaß. Das Spaßmacher-Duo hatte auch tierische Kollegen: Als „Clowns mit Flossen“ waren die vier Seelöwen aus der Fernsehserie „Hallo, Robbie“ zu sehen.

Sehr umjubelt waren auch die gelenkigen Anastasini-Brothers aus den Vereinigten Staaten, die aus dem Stand in die unglaublichsten Akrobatiknummern wirbelten: Wie durch ein Wunder stand der jüngere plötzlich auf den emporgereckten Beinen seines Bruders. Sie beschworen den ganzen Zauber einer fast altmodischen Akrobatik, die auf genaueste Körperbeherrschung setzt – ohne technische Aufbrezelung.

Schon seine 3,5 Tonnen Gewicht machen aus dem Nashornbullen Tsavo eine imposante Erscheinung. Als er mit seinem Trainer Martin Lacey in die Manege trottete und Sägemehl aufschlabberte, fragte man sich unwillkürlich, was das mächtige Tier wohl als nächstes vorhaben mochte. Aber Tsavo steckte nur sein gewaltiges Horn ziemlich weit in Richtung Zuschauer und guckte sehr ernsthaft. Der Abschiedstrab des Kolosses um die Manege sorgte für neuerlichen Nervenkitzel.

Wunderbar elegant wirkten dagegen die tanzenden Pferde von Zirkusprinzessin Jana Mandana. Der Solo-Star ihrer zwölf fast weißen Cremellos ist sogar dazu fähig, auf den Hinterbeinen aufgerichtet mit Trippelschritten um die halbe Manege zu schreiten.

Wenn sich ein meterhoher Gitterzaun um die Manege schmiegt, werden die majestätischen Raubkatzen des Zirkus erwartet. Auf seinem hohen Podest war Löwe Kasanga in einer günstigen Position, um Trainer Martin Lacey einen langen Stock aus der Hand zu schlagen. Derartige Tatzenhiebe samt bedrohlichem Fauchen sollen speziell eingeübt und nicht wirklich gefährlich sein, hieß es aus Zirkuskreisen. Vielleicht ließ Lacey es deshalb zu, dass eine der acht Löwinnen als Schlussakt über ihn sprang wie über einen Kasten in einer Turnhalle. Für die unglaubliche Mensch-Tier-Nummer auf der silbernen Glitzerkugel wählte Lacey lieber nur King Tonga, den weißen Löwen.

Auf die Wahrzeichen des Zirkus, die acht Elefanten, müssen die Tübinger Zuschauer diesmal verzichten, „zum Wohl der Tiere“, wie Zirkus-Pressesprecherin Susanne Matzenau sagte. Das Leittier, Elefantenbulle Colonel Joe, sei derzeit in orthopädischer Behandlung. Weil Elefanten Gemeinschaftstiere sind, befindet sich auch seine Herde mit ihm zur Dickhäuter-Reha auf einem Elefantenhof.

Anstelle der Elefanten präsentierte der Zirkus eine dschungelbunte Papageien-Nummer, bei der Gelbbrust- und Grünbrust-Aras sowie gelbe Sonnensittiche frei durch das Zirkuszelt fliegen, bevor sie sich zu ihren Kunststücken bereit finden. „Man kann sie mit Erdnüssen wieder anlocken“, verriet Matzenau.

Der Circus Krone gastiert bis einschließlich Mittwoch, 2. Mai, auf dem Tübinger Festplatz. Die Vorstellungen sind wochentags um 15.30 Uhr und 20 Uhr. An Sonn- und Feiertagen (1. Mai) lädt der Zirkus um 14 Uhr und um 18 Uhr in die Manege. Am letzten Gastspieltag gibt es nur eine Vorstellung um 15.30 Uhr.
Die Zirkuskassen auf dem Festplatz sind geöffnet. Telefonisch Karten reservieren kann man unter der Kassen-Hotline 0 18 05 / 24 72 87 (14 Cent pro Minute aus dem Telekom-Festnetz). Eine ganz besondere Attraktion verspricht die öffentliche Raubkatzen-Dressurprobe am Sonntagvormittag, um 10.30 Uhr. Dabei präsentiert der Löwenflüsterer Martin Lacey 17 seiner Lieblinge, darunter den einzigartigen weißen Savannenkönig King Tonga.

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Erstellt:
28. April 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. April 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. April 2012, 12:00 Uhr

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