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Cine Español: Afroamerikaner im Spanischen Bürgerkrieg
Den Faschismus durchschaut

Cine Español: Afroamerikaner im Spanischen Bürgerkrieg

Was brachte US-Amerikaner dazu, im Spanischen Bürgerkrieg zu kämpfen? Die bemerkenswerte Doku „Héroes invisibles“ beim Cine Español würdigt vor allem afroamerikanische Veteranen. Co-Regisseur und Festivalgast Alfonso Domingo war 15 Jahre lang Kriegsreporter.

08.12.2015
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. 2800 US-Bürger kämpften in der Abraham-Lincoln-Brigade gegen Franco. Dass unter ihnen zahlreiche Afroamerikaner waren, darunter die Krankenschwester Salaria Kea aus Ohio, ist kaum noch bekannt. Die Regisseure Alfonso Domingo und Jordi Torrent wollen solche vergessenen Geschichten aus dem Spanischen Bürgerkrieg wieder ans Licht holen.

Einer der afroamerikanischen Veteranen in ihrer Doku ist James Yates. Geboren 1906 in Mississippi, blickt er im Film zurück auf historische Fotos, auf denen er selbst abgebildet ist – manchmal im Split-Screen neben einer Aufnahme von Yates irgendwo in New York, als alter Mann. Im März 1937 kam er in Spanien an. Der ehemalige Schlachthofarbeiter und Eisenbahnkellner wurde Fahrer für die republikanischen Truppen. Er beförderte Essensvorräte, Waffen und Personen. Einmal chauffierte er den Schriftsteller Ernest Hemingway. Dessen Bild vom Spanischen Bürgerkrieg sei falsch, heißt es im Film. Der typische Freiwillige sei eben kein angelsächsischer, weißer, protestantischer Professor gewesen, sondern Gewerkschafter oder in der Arbeiterbildung aktiv.

Yates brauchte 40 Jahre, bis er seine spanischen Kriegserfahrungen niederschreiben konnte. „Vom Mississippi nach Madrid“, heißt sein Erinnerungsbuch. Er und seine Mitstreiter „wollten „Frankreich, England – und ein wenig auch den USA – zeigen, dass die Demokratie sich verteidigen, militärische Schlagkraft aufbringen konnte“, sagt im Film Milton Wolff, der letzte Kommandeur der Abraham-Lincoln-Brigade. Anders als zuhause in den USA, gab es bei den republikanischen Spanienkämpfern keine Segregation – was die US-Armee erst gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erreichte.

Für Regisseur Domingo ist es auch eine biografische Notwendigkeit, sich mit dem Bürgerkrieg in seinem Land auseinanderzusetzen. „Man spricht nicht darüber. Noch immer sind mehr als 100 000 Tote in Massengräbern verscharrt, ohne Namen.“ Selbst in seiner eigenen Familie wirkte das Tabu, sagte der 60-jährige Filmemacher im TAGBLATT-Gespräch. „Meine Eltern haben diese Zeit durchlebt.“ Darüber gesprochen hätten sie nie. „Sie haben gelitten“, sagte er. „Die Familie war zerrissen: Der eine Bruder kämpfte bei den Roten, der andere bei den Faschisten.“

Der zugleich wehmütige und mitreißende Soundtrack (Folk, Blues und Jazz) ist seinerseits ein Zeugnis des afroamerikanischen Widerstandsgeists.

Dass der Film in Tübingen gezeigt werden kann, ist auch dem Deutsch-Amerikanischen Institut zu verdanken. Domingo hat bereits eine weitere Doku über den Spanischen Bürgerkrieg gedreht. Darin porträtiert er den Anarchisten Melchor Rodriguez, auf republikanischer Seite Gefängnisdirektor in Madrid. „Er versuchte, faschistischen Gefangenen das Leben zu retten. Er war Humanist.“

Info „Héroes invisibles“ läuft am Dienstag, 8. Dezember, um 22 Uhr im Kino Arsenal. Englische Untertitel.

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08.12.2015, 01:00 Uhr
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