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Christsozial und schwul
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD; links) und sein Stellvertreter Josef Schmid (CSU; rechts) beim Christopher Street Day in München. Foto: dpa
In der bayerischen Traditionspartei wollen Homosexuelle endlich wahrgenommen werden

Christsozial und schwul

Eine Homosexuellen-Gruppe streitet in der CSU für gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Der Aktivist Patrick Slapal betreibt geschickte Lobbyarbeit.

30.12.2015
  • PATRICK GUYTON

"An den Tagen nach Weihnachten, wo etwas mehr Ruhe herrscht, arbeite ich jetzt die ganzen E-Mails ab", sagt Patrick Slapal. Einige Dutzend CSU-Mitglieder und -Anhänger haben sich bei ihm gemeldet. Im Umfeld des vergangenen Parteitages der Christsozialen vor fünf Wochen hatte Slapal für Wirbel gesorgt: Der 27-Jährige, der seit seinem 14. Lebensjahr in der bayerischen Jungen Union aktiv ist, hatte schwule CSU-Mitglieder um sich geschart und ein Treffen in München organisiert. "Wir brauchen eine Gruppe in der Partei, die für die Gleichstellung von homosexuellen und lesbischen Partnerschaften mit der Ehe wirbt", beschreibt Slapal seine Motivation. 20 Unterstützer waren gekommen, weit mehr hätten sich danach bei ihm gemeldet.

Jetzt bereitet Slapal als bekennender schwuler Christsozialer das Jahr 2016 vor. Sein Ziel: "Wir wollen gezielt in den Parteigremien Einfluss nehmen für unsere Belange." In allen anderen Parteien gibt es homosexuelle Vertretungen, auch in der Union mit der LSU (Lesben und Schwule in der Union). Diese hat auch in Bayern einige Dutzend Mitglieder. Aber Slapal meint: "Die Partei tut sich seit langem mit dem Thema schwer."

Keiner ist in der Familienpolitik konservativer als die CSU, nirgendwo wird das traditionelle Familienbild höher gehalten. Alexander Dobrindt, Bundesverkehrsminister und ehemaliger CSU-Generalsekretär, bezeichnete Schwule einst als "schrille Minderheit". Schwule und Lesben gelten zumindest als CSU-fern. Doch Slapal, der in der Jungen Union von München-Schwabing Ämter innehat und im Münchner CSU-Kreisverband aktiv ist, hat einen Plan: "Um die Gleichstellung als CSU-Position durchzusetzen, muss man gezielt Einfluss nehmen." Er will sich 2016 mit "relevanten Ansprechpartnern" aus der Partei treffen, Lobbyarbeit betreiben. Slapal weiß, wie CSU funktioniert. Die Gleichstellung, so seine Vorstellung, soll ins Grundsatzprogramm aufgenommen werden, das bis Ende 2016 fertig werden soll.

An diesem Programm arbeitet derzeit eine Kommission, deren Vorsitzender der Münchner Landtagsabgeordnete Markus Blume ist. Dieser, soviel steht fest, lehnt die Vorstellungen der Schwulen-Rebellen in der Partei nicht ab. In der Landeshauptstadt sieht Blume, dass die Christsozialen nur mit mehr Offenheit eine Chance haben, um auch Großstadtpartei zu werden. Der Münchner zweite Bürgermeister Josef Schmid von der CSU zeigt sich schon seit Jahren gerne auf den Paraden des Christopher Street Day. Wohlwollend steht der Gruppe auch Bernd Fabritius gegenüber, wenngleich er sich dazu derzeit nicht öffentlich äußert. Fabritius ist CSU-Bundestagsabgeordneter und Präsident des Bundes der Vertriebenen, seine eigene Homosexualität versteckt er nicht.

"Die CSU verlangt eine Leitkultur", sagt Patrick Slapal. "Und wir sind für die Leitkultur der Offenheit." Von der Parteispitze habe er bisher noch kein kritisches Wort gehört, keine Ermahnung, es nicht zu bunt zu treiben. Keine Bändigung, keine Zurechtweisung. Es habe ein, zwei kritische Stimmen von Parteimitgliedern an die Landesleitung gegeben, die ihm übermittelt wurden. Auch in den für ein solches Thema sehr anfälligen sozialen Netzwerken hat sich kein Protest und keine Hetze entwickelt.

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30.12.2015, 08:30 Uhr
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