Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Fremde Feder

Christoph Butterwegge: Armut im Alter

Altersarmut droht uns nicht erst 2030, ist also kein bloßes Zukunftsproblem, sondern existiert schon heute. Von 2003, als die Grundsicherung im Alter eingeführt wurde, bis 2011 hat sich die Zahl der Ruheständler, die sie in Anspruch nehmen, um etwa zwei Drittel auf über 436 000 erhöht.

10.11.2012
  • SWP

Da sich besonders ältere Menschen schwertun, diese Transferleistung - früher hieß sie Sozialhilfe - zu beantragen, weil sie zu stolz sind, weil sie sich schämen, weil sie den bürokratischen Aufwand scheuen oder weil sie irrigerweise den (bis zu einem Jahreseinkommen in Höhe von 100 000 Euro ausgeschlossenen) Unterhaltsrückgriff auf ihre Kinder fürchten, dürfte die Zahl der Älteren, die auf Hartz-IV-Niveau leben und mit 688 Euro pro Monat oder weniger auskommen müssen, bereits deutlich über einer Million liegen. Mehr als 760 000 Menschen im Rentenalter haben einen Minijob; fast 120 000 von ihnen sind 75 Jahre oder älter.

Hierzulande hat Altersarmut im Wesentlichen zwei Wurzeln: die Deregulierung des Arbeitsmarktes und die Umstrukturierung der Rentenversicherung. Aufgrund der starken Zunahme lückenhafter Erwerbsverläufe, der Ausweitung des Niedriglohnsektors, längerer Zeiten "abhängiger Selbstständigkeit" und zahlreicher Kürzungen im Sozialbereichverschiebt sich die Altersstruktur der Armutspopulation gegenwärtig in Richtung der Senioren. Die schrittweise Anhebung des Rentenzugangsalters auf 67 Jahre und dadurch künftig vermehrt zu erwartende höhere Abschläge verstärken diesen Trend noch.

Um Altersarmut zu verringern, ist ein ganzes Maßnahmenbündel nötig: Genannt seien nur die Rücknahme aller Kürzungsfaktoren in der Rentenanpassungsformel und die Erhöhung der Grundsicherung im Alter auf mindestens 900 Euro. Um künftigen Rentnern einen armutsfreien Ruhestand zu ermöglichen, wäre die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns von 10 Euro pro Stunde nötig, denn Erwerbs- führt längerfristig zu Altersarmut. Weiterhin müsste die Bundesagentur für Arbeit für Hartz-IV-Bezieher wieder Beiträge zur Gesetzlichen Rentenversicherung abführen. Durch die Einbeziehung von Selbstständigen, Freiberuflern, Beamten, Abgeordneten und Ministern sowie die Einführung der Beitragspflicht für Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen und Pachterlöse könnte die Renten- zu einer solidarischen Bürgerversicherung erweitert und auf ein solides finanzielles Fundament gestellt werden.

Info Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrt Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. Soeben ist das von ihm herausgegebene Buch "Armut im Alter. Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung" (Campus Verlag) erschienen.

Christoph Butterwegge: Armut im Alter

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.11.2012, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular