Faire Bohnen haben ihren Preis

Chocolart-Händler über Herkunft des Kakaos und Arbeitsbedingungen auf Plantagen

Kommen die Kakaobohnen für die edle Schokotafel aus Nicaragua oder von der Elfenbeinküste? Sind sie fair gehandelt oder nicht? Arbeiten auf den Plantagen Kinder? Wir haben bei Händlern auf der Chocolart nachgefragt.

03.12.2011

Von Volker Rekittke

Tübingen. Woher der Kakao für seine Anti-Stress-Pralinen oder für die Zartbitter-Schokolade Marke „Elisa“ stammt? Der Münchner Confissier Gerhard Madlon zeigt auf ein Informationsblatt an der Zeltwand – und erzählt. Felchlin, ein Schweizer Unternehmen („inhabergeführt“) importiere die Bohnen aus verschiedenen Ländern Westafrikas und Südamerikas, darunter Ghana und Madagaskar, Bolivien – und Venezuela, Anbauregion Maracaibo. „Wir bezahlen immer mehr als den Fairtrade-Preis“, verkündet das Unternehmen auf seiner Homepage.

Eröffnung ChocolArt: 100 Chocolatiers in der Tübinger Altstadt
Videoplayer konnte nicht geladen werden.

Eröffnung ChocolArt: 100 Chocolatiers in der Tübinger Altstadt --

01:57 min

Auch Johannes Becker weiß, woher die Rohstoffe für die Schokolade kommen, die der Konditor in seinem Marktplatz-Zelt zu Tübinger Schokotalern verarbeitet. „Die Zutaten kaufen wir bei einem kleinen Familienbetrieb nahe Paris.“ Die Inhaber würden sich die Plantagen, etwa auf Papua-Neuguinea, „persönlich anschauen“, sagt Becker. Kakaobohnen (Bild) aus Westafrika – auf dem Weltmarkt sind das die preiswerteren – habe er nicht im Sortiment: „Das hat aber auch seinen Preis.“ Für die von ihm georderte Rohschokolade zahle er doppelt bis vier Mal so viel wie für marktübliche Schokolade.

Andere Chocolart-Aussteller sind weniger gut informiert, etwa die Verkäuferin am Stand der Schell Schokoladenmanufaktur aus Gundelsheim: „Fair gehandelt? Das kann ich Ihnen nicht sagen.“ Ehrlich ist auch Konditormeister Ulrich Timpert von Vila Vita aus Marburg: „Keine Ahnung.“ Über die Herkunft der Schokolade oder illegale Kinderarbeit weiß Dimitrios Fassourakis vom „Süßen Laden Chocolat“ aus Tübingen nichts. Immerhin ist ein Teil seiner am Marktplatz-Stand verkauften Schokolade von der Firma Zotter. Die Österreicher werben offensiv mit „Bio und Fair“: Seit 2004 ist Zotter fester Lizenzpartner von „Fairtrade Österreich“, bezieht Basisrohstoffe wie Kakao und Rohrzucker über den fairen Handel.

Der wohl größte Schokokeks der Welt entstand auf dem Holzmarkt
Videoplayer konnte nicht geladen werden.

Der wohl größte Schokokeks der Welt entstand auf dem Holzmarkt --

02:26 min

Im Begleitheft zur Chocolart sind nicht nur alle Schokohändler und -hersteller aufgeführt – bei jedem steht auch, ob er fair gehandeltes Naschwerk verkauft. Und da ist das Angebot – trotz des Markt-Slogans „Genuss ohne Reue“ – auch in diesem Jahr noch sehr übersichtlich: Gerade mal zehn von über 50 Händlern haben (auch) Fair-Schokolade im Angebot.

Mit den größten Andrang auf der Chocolart gibt es wieder mal bei Ritter Sport auf dem Holzmarkt. Ganze Umhängetaschen voll mit Schoko-Quadraten schleppen die Kunden von nah und fern aus dem großen weißen Zelt heraus.

Einer von zehn Fair-Händlern auf der Chocolart: Der Münchner Chocolatier Gerhard Madlon mit seiner Bio-Fairtrade-Schokolade „Elisa“. Bild: Sommer

Speziell gekennzeichnete Fair-Trade-Produkte habe das Waldenbucher Unternehmen nicht im Angebot, sagt Firmensprecher Thomas Seeger. Allerdings unterstütze Ritter Sport seit 1990 Genossenschaften von Kakaobauern in Nicaragua. Den mittlerweile 18 Kooperativen, auf denen 2700 Bauern arbeiten, zahle der schwäbische Mittelständler Preise, die stets deutlich über denen des Weltmarkts lägen – „teilweise bis zu 40 Prozent darüber“, sagt Seeger.

Der faire Kakao aus Nicaragua deckt jedoch nur einen Bruchteil des Bedarfs bei Ritter: Je nach Ernte-Ertrag „maximal fünf Prozent“. Den größten Teil des Kakaos kaufen die Waldenbucher in Westafrika – und hier vor allem an der Elfenbeinküste. Dass dieses Land – der mit Abstand wichtigste Kakao-Produzent weltweit – wegen illegaler Kinderarbeit auf Kakao-Plantagen am Pranger steht, ist Seeger durchaus bewusst. Aber: „Wir brauchen auch den Konsum-Kakao – und der kommt aus Westafrika.“

In erster Linie Journalist: Miki Mistrati stellte seinen Film „Schmutzige Schokolade“ vor 03.12.2011 Kommentar: Weniger schmutzige, mehr faire Schokolade 03.12.2011 Faire Bohnen haben ihren Preis: Chocolart-Händler über Herkunft des Kakaos und Arbeitsbedingungen auf Plantagen 03.12.2011

Zum Artikel

Erstellt:
3. Dezember 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Dezember 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Dezember 2011, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App