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Chinese im Flüchtlingsheim gibt Rätsel auf

Ein Chinese fliegt nach Stuttgart. Er will Europa bereisen. Stattdessen strandet er in einem Flüchtlingsheim in Dülmen. Was ist geschehen?

10.08.2016
  • NICO POINTER, DPA

Dülmen. Christoph Schlütermann kann die Aufregung nicht glauben. Er ist Kreisvorstand beim DRK, das ein Flüchtlingsheim in Dülmen in Nordrhein-Westfalen betreibt. Er hat dort einen Teil der Geschichte mitbekommen: Ein Chinese reist durch Deutschland. Er kann weder Deutsch noch Englisch, wird missverstanden, strandet für zwei Wochen im Flüchtlingsheim in Dülmen. Aber es gibt Zweifel an der Geschichte.

Schlütermann spricht von einer „Maschinerie“, in der der Chinese gefangen gewesen sei. „Da wäre er aufgrund seiner Sprachprobleme nicht rausgekommen.“ Der 31-Jährige aus einer Provinz in Nordchina wollte demnach kein Asyl – er wollte nach Frankreich und Italien reisen.

Laut einem Dolmetscher berichtete der Chinese, ihm sei der Geldbeutel am Stuttgarter Flughafen abhanden gekommen – mit rund 1000 Euro. Zuerst hieß es, der Chinese habe statt einer Diebstahlanzeige einen Asylantrag unterzeichnet. Nach Angaben des Bundesamts für Migration (Bamf) hat er den aber nie gestellt. „Sonst hätten wir ein Aktenzeichen und wüssten, was Sache ist. Wir haben absolut keine Daten zu diesem chinesischen Touristen.“

Auch der Diebstahl lässt sich nicht bestätigen. „Wenn er sich an uns gewendet hätte, wüssten wir davon“, sagt ein Sprecher der Bundespolizei am Stuttgarter Flughafen.

Laut dem Regierungspräsidium Karlsruhe ist der Chinese am 4. Juli um 14.30 Uhr mit sechs weiteren Landsmännern in der Erstaufnahmestelle in Karlsruhe angekommen und hat sich an der Pforte gemeldet. „Die Herkunft ist völlig unklar“, sagt Sprecherin Irene Feilhauer. Am 6. Juli wird er nach Heidelberg gebracht. Dort wird er als Flüchtling registriert. Ein Mandarin sprechender Übersetzer hilft beim Ausfüllen eines Personalisierungsbogens.

Nach Ansicht des Regierungspräsidiums spricht deshalb vieles dafür, dass der Chinese bewusst Asyl beantragen wollte. „Es muss ihm klar gewesen sein, wo er ist.“ Sein Pass wird ihm abgenommen und in die Erstaufnahmestelle Dortmund geschickt. Am 7. Juli fährt er aus freien Stücken mit einer Fahrkarte nach Dortmund, am 12. Juli nach Dülmen.

Am 15. Juli geht eine Mail aus Dülmen an die Aufnahmeeinrichtung in Dortmund, dass man eine Kopie seiner Unterlagen haben wolle. In einer Erklärung im Anhang macht der Chinese klar, dass er kein Asyl beantragen wolle, berichtet der Sprecher der Stadt Dortmund. Am 26. Juli treffen die Unterlagen in der Erstaufnahme-Einrichtung in Dortmund ein, eine Kopie wird ins Heim in Dülmen versandt.

Hat er sich durch Obrigkeitshörigkeit von den Behörden von einer Einrichtung in die nächste schieben lassen? Blieb er im Flüchtlingsheim aus Geldnot? Weil er keinen Pass mehr hatte? Wieso suchte er nicht Hilfe von Landsmännern, etwa in einem chinesischen Restaurant ums Eck? Feilhauer: „Die Geschichte hat faktisch viele Fragezeichen.“

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10.08.2016, 06:00 Uhr
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