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China bringt Know-how von Batterien nach Deutschland
Die Batterie macht ein drittel der Wertschöpfung eines E-Autos aus.⇥Foto: Toshifumi Kitamura/afp
Auto

China bringt Know-how von Batterien nach Deutschland

Das für Modelle mit E-Antrieb wichtige Bauteil wollen einheimische Unternehmen nicht herstellen. Jetzt tritt der Konzern CATL an.

10.07.2018
  • Thomas Veitinger & Roland Muschel

Ulm. Batterien spielten für Konsumenten lange Zeit keine allzu wichtige Rolle. Bei Spielzeug etwa werden sie zähneknirschend mitgekauft, in Batteriewerkzeug sind die Energiespeicher bereits eingebaut. Beim Auto ist das nun anders. Die Batterie macht gut ein Drittel der Wertschöpfung eines Elektroautos aus und bestimmt Leistung und Reichweite. Möglicherweise wird ihre Qualität künftig über den Erfolg eines Automodells mitentscheidend sein.

Als der Automobilzulieferer Bosch Ende Februar nach langer Überlegung bekannt gab, dass er keine Zellen für E-Autos baut, war der Aufschrei groß. Für die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut ist „eine Zellfertigung vor Ort strategisch sinnvoll und notwendig“. Staatssekretär Matthias Machnig sprach von einem „industriepolitischen Rückschlag“. Ohne eine eigenständige Entwicklung und Produktion von Verbrennungsmotoren „hätte die deutsche Auto- und Zulieferindustrie nie eine globale Spitzenstellung bekommen“.

Gestern hat der der größte chinesische Batteriezellenhersteller CATL bekanntgegeben, dass er eine Fabrik in Thüringen produzieren will. Zunächst soll ein dreistelliger Millionenbetrag investiert werden. Langfristig sollen in Erfurt bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen.

China bringt Know-how von Batterien nach Deutschland
Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. Foto: Institut für Automobilwirtschaft

BMW will in den nächsten Jahren Batteriezellen im Wert von 4 Mrd. EUR bei CATL einkaufen. Zellen für 1,5 Mrd. EUR sollen von 2021 an aus der geplanten Fabrik in Erfurt kommen, sagte BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann. Auch Daimler macht mit den Chinesen Geschäfte. „Wir begrüßen die Entscheidung von CATL in Deutschland zu produzieren“, teilt der Stuttgarter Konzern mit. „Wir beauftragen die Lieferanten nach unseren speziellen Vorgaben zu fertigen. Die Eigenschaften der Zellen sind wettbewerbsdifferenzierend.“

VW, Daimler und BMW kaufen Zellen derzeit in Asien und bauen diese dann selbst zu großen Akkus für ihre Elektroautos zusammen. Panasonic in Japan, LG, Samsung und SK in Korea, CATL und BYD in China – der Markt sei „eher ein Oligopol mit höchstens zehn dominierenden Anbietern“, sagt Branchenexperte Jörn Neuhausen von der Beratung PwC. Immerhin: „Aktuell gibt es genug Wettbewerb, und alle Autohersteller kaufen ihre Zellen bei mehreren Herstellern ein, damit kein Monopol entsteht.“

Dabei ist die Versorgung mit Zellen in Zukunft nicht unbedingt sicher. „Wer wird als erster beliefert, wenn die Stückzahlen gewaltig hochgehen sollten?“ fragt der bayerische IG-Metall-Chef und BMW-Aufsichtsrat Jürgen Wechsler. Eine chinesische Zellfabrik in Thüringen sei gut, aber die deutsche Industrie müsse Schlüsseltechnik selbst produzieren.

Warum aber wagt sich Bosch nicht in die Fertigung und scheut Investitionen in Deutschland, während die Chinesen diese riskieren? Auch Daimler und der Chemiekonzern Evonik hatten es im sächsischen Kamenz versucht, aber aufgegeben. Stefan Reindl sieht eine mögliche Unterscheidung in der „Fertigungstiefe in der geplanten Fabrikationsstätte“: „Personal- und energieintensive Fertigungsbereiche könnten beispielsweise in China verbleiben“, sagt der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft der Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt. Dort sind die Löhne und Stromkosten erheblich billiger. Zudem hat CATL laut Reindl besseren Zugang zu den Rohstoffen und besitzt das Know-how bei der Entwicklung und der Produktion von Batteriezellen. Es mache für deutsche Hersteller durchaus Sinn, zunächst auf Zulieferer und langfristig selbst auf eine Zukunftstechnologie – wie Festkörperakkus – zu setzen.

Landeswirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut will im Land mit dem Bund eine digitalisierte Batteriezellen-Produktion 4.0 realisieren und dafür 8 Mio. EUR in die Hand nehmen.

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10.07.2018, 06:00 Uhr
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