Export

China bremst Maschinenbau aus

Deutsche Firmen können ihre gelieferten Geräte nicht mehr in Betrieb nehmen und warten, weil die Quarantänebedingungen die Reisen der Spezialisten behindern.

08.04.2021

Von ROLF OBERTREIS

Chinesische Arbeiter in einem Werk des deutschen Technologieunternehmens Bosch in Suzhou. Foto: Bosch/dpa

China. China ist für den deutschen Maschinenbau der zweitgrößte Markt mit 18,1 Milliarden Euro im Jahr 2020, knapp hinter den USA (18,2 Milliarden Euro). Geschäfte mit China waren 2020 wegen Corona schwierig, teilt der Branchenverbandes VDMA mit. Seit Jahresanfang aber noch mehr. Grund sind verschärfte Einreisebedingungen, die China für ausländische Spezialisten etwa für die Wartung und Montage von Maschinen und Anlagen stellt.

„Für Mittelständler ist es kaum möglich, diese Vorgaben zu erfüllen“, sagt Ulrich Ackermann, der Leiter Außenwirtschaft im VDMA. Zum Teil erhielten die Firmen nicht einmal die offizielle ministerielle Erlaubnis zur Einreise nach China. Er verlangt von der chinesischen Regierung pragmatische Lösungen, ähnlich wie sie für Reisen von Fachkräften nach Korea, Indien oder in die USA gelten, natürlich bei negativem Corona-Tests oder auch überstandener Corona-Erkrankungen.

Der Technologietransfer in das Werk in China sei derzeit nahezu unmöglich, sagt Christoph Boensch, der Chef des Maschinenbauers Frimo aus Lotte (NRW). Neue Maschinen für Kunden könnten nicht installiert werden, doch zahlten Kunden erst, wenn die Maschinen in Betrieb genommen werden können. Und „chinesische Wettbewerber nutzen die Abriegelung Chinas, um in unsere Märkte weiter einzudringen“.

Ähnliches berichtet Ulrich Reifenhäuser, der Geschäftsführer des gleichnamigen Medizintechnik-Unternehmens aus Troisdorf. Nur bei erfahrenen Kunden sei die Inbetriebnahme von Maschinen virtuell möglich, aber längst nicht bei allen. Ein Vor-Ort-Service aber sei „bei den aktuellen Regularien in keiner Weise darstellbar und verzögert die geplanten Produktionen von aktuell benötigten Medizinprodukten auf unbestimmte Zeit.“

Einen beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden befürchtet Ulrich von Christen vom Textilmaschinen-Hersteller Erbatech aus Erbach (Hessen), wenn Maschinen nicht oder nur verzögert in Betrieb genommen werden können. Schlusszahlungen blieben offen, zudem drohten Schäden, weil Maschinen mangels Schulung nicht richtig betrieben würden. Letztlich leide darunter auch den Ruf des Unternehmens.

Von einer nahezu unlösbaren Aufgabe spricht Hans-Jürgen Zeiher, der Chef des auf den Stahlbereich fokussierten Maschinenbauers Primetals Technologies aus Erlangen angesichts der Einreisebeschränkungen. Dabei sei die Entsendung von Experten nach China dringend notwendig.

Die Einreiseregelungen werden von den chinesischen Behörden höchst unterschiedlich gehandhabt, sagt Ackermann. „Da ist ein Flickenteppich entstanden, der von den Unternehmen kaum noch zu durchblicken ist. Teilweise stehen die Bedingungen unmittelbar vor dem Abflug aus noch Deutschland noch nicht fest.“

Firmen berichten von unzumutbaren Quarantäne-Bedingungen in China, sagt Ackermann. Je nach Stadt und Region könnten sich die Quarantänezeiten seit Jahresanfang nach der Ankunft „bis hin zu 14 plus 7 plus 7 Tage“ verlängern. Also zum Teil auf bis zu vier Wochen.

Die Zimmer in den Hotels, die nicht verlassen werden dürften, seien sehr klein. Manche hätten kein Fenster und keine ausreichende Belüftung. Wäsche werde nicht gewechselt, die Hygienebedingungen seien mangelhaft, selbst bei Corona-Tests.

Der VDMA hat vom chinesischen Botschafter in Berlin gefordert, die Quarantänebedingungen müssten sofort verbessert werden. „Zumindest die Grundanforderungen an Hygienestandards müssen erfüllt werden“, sagt Ackermann. Angesichts vieler guter Hotels in China „dürfte dies eigentlich kein Problem sein“.

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Erstellt:
8. April 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. April 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. April 2021, 06:00 Uhr

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