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Vom Fahrrad- zum Autoland

China beeindruckt Baden-Württembergische Wirtschaftsdelegation

Der Ministerpräsident will den Chinesen zeigen, dass man "mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben kann". Vor allem ist Kretschmann auch daran gelegen, dass die Chinesen Daimlers Autos kaufen.

21.10.2015
  • ELISABETH ZOLL

Peking Peter Schabert weist auf ein riesiges Modell des Firmengeländes: "Das ist unser kleines schwäbisches Werk im Reich der Mitte", stellt der Chef die Produktionsstätte von Beijing Benz Automotive (BBAC) einer 120-köpfigen Delegation aus Baden-Württemberg unter Führung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wirtschaftsminister Nils Schmid vor. Der Spitzenmanager weiß wohl um seine Untertreibung. Auf 4,5 Millionen Quadratmetern - mehr als die Standorte in Untertürkheim und Sindelfingen - produziert Daimler Autos für China. Motoren- und Fahrzeugwerk sind auf dem Gelände, erste Zulieferer auch, weitere sollen folgen. Doch nicht nur die Fläche ist imposant. Rasant ist auch das Wachstum. Zwischen dem ersten Spatenstich und der heutigen Produktion von täglich 1000 Fahrzeugen der C- und E-Klasse liegen gerade einmal zehn Jahre.

BBAC, das Kürzel des chinesisch-deutschen Gemeinschaftsunternehmen, prangt in der Eingangshalle des Hauptgebäudes. Auf Chromplattformen sind ein Modell der C-Klasse und ein E 300 L ausgestellt. "Our Pride" (unser Stolz) vermitteln dicke Lettern. Die kurze Geschichte des Automobilwerkes sagt viel über die explosionsartige Entwicklung, die China in den vergangenen Jahren genommen hat. Vom Fahrrad-Land Anfang der 90er Jahre hat sich China zu einem der wichtigsten Märkte für die Automobilindustrie entwickelt.

Geht es nach dem Stuttgarter Konzern, soll Mercedes Benz dort im Premiumbereich schon in wenigen Jahren die erste Geige spielen. 2015 hat Benz Automotive in Peking 100 000 Pkw mehr als im Jahr davor produziert. Und das ist erst der Anfang im Reich der Mitte.

Autos sind in China ein Statussymbol. Wer jung und erfolgreich ist, den Sprung in die auf 350 Mio. Menschen gewachsene Mittelschicht geschafft hat, zeigt das gerne mit einem Automobil. Knapp 13,7 Mio. Pkw wurden voriges Jahr in dem riesigen Land verkauft. Und der Appetit auf Status und Prestige bildet sich erst noch heraus. Auf 1000 Chinesen kommen heute etwa 100 Pkw - in Deutschland sind es fast sechs Mal mehr. 244 Mio. Menschen besitzen einen Führerschein. Kein Wunder, dass die Größenordnungen auch deutsche Automobilkonzerne und Zulieferer zum Träumen bringen.

Doch Statistiken sind das eine. Die konkreten Auswirkungen dieser Entwicklung das andere. Schon jetzt ersticken Mega-Metropolen wie das 21 Mio. Einwohner große Peking an ihren eigenen Emissionen. Dichter Smog reizt an vielen Tagen Augen und Atemwege. Mit täglich wechselnden Fahrverboten in acht Großstädten und Beschränkungen bei der Autozulassung versucht die Regierung der verpesteten Luft Herr zu werden, an deren Folgen jährlich 4000 Menschen sterben.

Es sind Scheinlösungen für eine Wirtschaft, deren ungebremstes Wachstum auch die politische Staatsführung legitimiert. Investitionen in energie- und resourcen-schonende Technologien lautet deshalb die neue chinesische Strategie. Und da kommt Baden-Württemberg ins Spiel, das seit Jahrzehnten enge Beziehungen nach China unterhält.

Winfried Kretschmann sagt es so: "Wir sind beruhigt über die Positionierung unseres Flaggschiffes auf dem chinesischen Markt." Da in den kommenden Jahren aber weitere Millionen Neuwagen gebaut werden, ergänzt er: "Wenn das nicht zu einer Katastrophe führen soll, muss das nachhaltig geschehen." Womit der grüne Ministerpräsident bei einem zentralen Anliegen seiner Reise ist. "Wir wollen zeigen, dass man mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben kann."

Dieses Anliegen führt ihn und Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) in den kommenden Tagen auch in die baden-württembergischen Partnerregionen Jiangsu und Liaoning im Nordosten des Landes. Es ist der erste Abstecher des Ministerpräsidenten in die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Seinen Worten zufolge, kommt die Tour "zur richtigen Zeit".

China steuert um. Das Land will nicht länger verlängerte Werkbank sein für die Welt, sondern eine High-Tech-Schmiede werden mit eigenem Profil. Auslandsinvestitionen und Wissenschaftskooperationen sollen dabei helfen. Mit beidem ist Baden-Württemberg stark vertreten. 193 Hochschul-Kooperationen gibt es bereits. Und eine weitere, die zwischen der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen/Geislingen und der University of International Business and Economics in Peking, ist diese Woche hinzugekommen. "Unser Modell der beruflichen Bildung findet immer mehr Nachahmer weltweit", sagt Kretschmann. Nicht nur der Stern der Automobilindustrie ist zu einem Aushängeschild des Landes geworden.

China beeindruckt Baden-Württembergische Wirtschaftsdelegation
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Dritter von links) und Wirtschaftsminister Nils Schmid (Vierter von links) beim Besuch des Daimler-Werks in Peking. Foto: Daimler AG/dpa

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21.10.2015, 12:00 Uhr
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