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Mobilität

China baut selbstfahrende Tram

Die Bahn benötigt weder eine Oberleitung noch Schienen. Doch der Akku schwächelt.

29.09.2017
  • FELIX LEE

Peking. Geschmeidig gleitet der etwa 30 Meter lange Zug die Straße entlang. Auf den ersten Blick sehen die drei Waggons aus wie eine Straßenbahn. Doch dann fällt auf: Der Zug roll nicht mit Stahlrädern auf Schienen, sondern mit Gummirädern direkt auf asphaltiertem Boden. Auch Oberleitungen fehlen. Der Zug macht der Bezeichnung „Straßenbahn“ alle Ehre: Die Bahn fährt auf der Straße.

Der chinesische Zughersteller CRRC Zhuzhou Electric Locomotive hat ein neues Gefährt entwickelt, das den chinesischen Nahverkehr schon bald umkrempeln soll. „Autonomous Rail Rapid Transit“ (ART) heißt das Gefährt und ist eine Mischung aus Bus und Straßenbahn. Der Vorteil: Ein ART ist größer als ein Bus, der Bau wiederum günstiger als Straßenbahnen. Anfang Juni hat die Firma im chinesischen Zhuzhou den ersten Zug vorgestellt. Er ist zudem selbstfahrend.

Den Firmenangaben zufolge ist der Nahverkehrszug mit speziellen Sensoren ausgestattet, sodass er nicht nur die Fahrbahn an sich erkennen kann, sondern auch Entfernungen und Straßenverläufe. Das autonome Fahrsystem kann dann präzise die gewünschte Route berechnen. Alles was das System braucht, um den Weg zu finden, ist eine auf dem Asphalt angebrachte doppelte Strichellinie. Derzeit schafft die Tram Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern. Rund 300 Passagiere passen in die drei Waggons.

Der Antrieb dieses Zuges ist wie bei einer Straßenbahn elektrisch, benötigt aber keine Oberleitung. Versorgt wird der Antrieb stattdessen über einen Lithium-Titanat-Akku. Der Strom reicht allerdings nur für rund 40 Kilometer. Dann muss der Akku wieder aufgeladen werden. Allerdings benötigt er nur zehn Minuten Ladezeit für weitere 25 Kilometer.

Trotz dieser geringen Akkudauer preist die Stadtverwaltung von Zhuzhou den ART als „Tram der Zukunft“. Für mittelgroße Städte, die sich für ihr Nahverkehrssystem kein teures Schienennetz leisten können, sei dieser Zug ideal. Der Bau einer U-Bahn inklusive Schienen kostet pro Kilometer zwischen 400 und 700 Mio. Yuan (50 Mio. und 90 Mio. EUR), die Garnitur eines ART hingegen nur etwa 15 Mio. Yuan (1,9 Mio. EUR). „Die Einsparungen sind also enorm“, sagt der leitende Ingenieur Feng Jianghua.

Neue Ideen sind im Stau- und Smoggeplagten China angesagt. Das Verkehrsaufkommen in den meisten chinesischen Straßen hat in den vergangenen Jahren dramatische Ausmaße angenommen. Allein in der 20-Millionen-Hauptstadt Peking hat sich die Zahl der Autos in den vergangenen fünf Jahren auf sechs Millionen Fahrzeugen mehr als verdreifacht. Die chinesische Führung hat sich zum Ziel gesetzt, den motorisierten Individualverkehr in ihren Städten deutlich zu reduzieren, innerhalb der nächsten vier Jahre um 20 bis 30 Prozent. Felix Lee

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29.09.2017, 06:00 Uhr
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