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"Eine 30 Jahre alte Frage beantwortet"

Chefin der Nobel-Jury über Neutrinos und die Bedeutung der ausgezeichneten Entdeckung

Die Physik-Nobelpreisträger 2015 haben den Blick auf das Universum verändert. Wie, das erklärt Anne L'Huillier, die Chefin der Nobel-Jury.

07.10.2015
  • JULIA WÄSCHENBACH, DPA

Was ist ein Neutrino?

ANNE L'HUILLIER: Ein Neutrino ist ein kleines Partikel. Es ist eines der grundlegenden Partikel, die unser Universum bilden. Man hat viele Milliarden Neutrinos in diesem Raum, die einfach nur durchströmen. Wir befinden uns in einem Ozean von Neutrinos.

Und was machen die?

L'HUILLIER: Nicht viel. Sie strömen nur vorbei, sie interagieren nur mit der so genannten schwachen Kernkraft, die in Kernreaktionen vorkommt. Manchmal treffen sie ein Atom und reagieren mit den Neutronen dieses Atoms - vielleicht.

Wofür sind sie dann gut, wenn sie nur herumströmen?

L'HUILLIER: Sie sind wichtig in Kernreaktionen. Wenn eine solche Reaktion in der Sonne, in Sternen vor sich geht, dann werden die Neutrinos zum Beispiel ausgestoßen, um die Energie zu bewahren. Oder ein Neutrino macht die Kernreaktion möglich.

Was ändert es, dass wir jetzt wissen, dass die Neutrinos Masse haben?

L'HUILLIER: Es ändert viel daran, wie wir das Universum verstehen. Erstens in der Teilchenphysik - da gibt es ein Modell, das sehr erfolgreich ist, das Standardmodell. Darin wird angenommen, dass Neutrinos keine Masse haben. Und jetzt haben wir herausgefunden, dass sie doch Masse haben! Das zeigt, dass das Modell geändert werden muss, damit es unser Universum richtig beschreibt.

Und zweitens?

L'HUILLIER: Zweitens gibt es sehr, sehr viele Neutrinos. Wir sehen sie nicht, aber sie sind da. Sie sind zwar sehr klein, aber weil es so viele gibt, ist die totale Menge sehr bedeutsam. Das ist mindestens so viel wie alle Sterne, die man sehen kann. Das verändert kosmologische Modelle, es ändert, wie wir über die Anordnung von Galaxien denken. Das ist eine relative neue Entdeckung.

Wie haben die Forscher die Entdeckung gemacht?

L'HUILLIER: Das war ganz harte Arbeit. Manchmal spielt in Entdeckungen auch ein bisschen Glück hinein. Man sucht nach etwas und findet etwas anderes. Das passiert. Aber nicht in diesem Fall. Sie haben genau gefunden, wonach sie gesucht haben. Sie wollten die Zahl der Neutrinos messen und zwischen den verschiedenen Arten Neutrinos unterscheiden. Das waren wirklich viele Jahre Arbeit.

Konnten sie sich denn sicher sein, dass es sich lohnen würde?

L'HUILLIER: Es gab ein Enigma, ein Rätsel. Und das bestand darin, dass die Neutrinos von der Sonne verschwanden. Das war vorher gemessen worden. Das war eine offene Frage, die es etwa 30 Jahre lang gab. Aber dieses Verschwinden konnte ja auch damit zusammenhängen, dass unsere Theorien über die Sonne falsch waren - oder die Messungen. Die diesjährigen Nobelpreisträger haben dieses Rätsel und dieses Problem gelöst.

Chefin der Nobel-Jury über Neutrinos und die Bedeutung der ausgezeichneten Entdeckung
Anne L'Huillier, die Chefin der Nobel-Jury. Foto: Getty

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07.10.2015, 12:00 Uhr
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