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Chancen für Mittelständler
Ein Container-Schiff läuft in den Hafen der kanadischen Stadt Vancouver ein, einem der großen Handelsumschlagplätze des Landes an der Pazifik-Küste. Foto: Shutterstock
Wirtschaftsbeziehung

Chancen für Mittelständler

Der Vertrag bedeutet weniger Bürokratie, sagen Unternehmer aus dem Südwesten. Sie können sich an Ausschreibungen beteiligen.

19.09.2017
  • HELMUT SCHNEIDER

Ulm/Toronto. Horst Wiedenmann setzt große Hoffnungen auf Kanada und das Handelsabkommen Ceta. Für seine Firma aus Rammingen bei Ulm, die Maschinen zur Pflege von Rasenflächen und Golfplätzen herstellt, bringt Ceta allerdings keine niedrigeren Exportzölle – was man gemeinhin als Vorteil von Handelsabkommen betrachtet. „Die Zölle sind vernachlässigbar“, sagt Wiedenmann. Denn sein Unternehmen hat zwei Auslandswerke, neben Ungarn auch eines in den USA. Seit 17 Jahren sitzen die Schwaben in Savannah, inzwischen mit einem Dutzend Mitarbeitern, die den nordamerikanischen Markt bearbeiten. Die drei Länder USA, Kanada und Mexiko sind über das Handelsabkommen Nafta miteinander verbunden. US-Präsident Donald Trump verhandelt Nafta jetzt neu. Was das für den Verkauf der Wiedenmann'schen Rasenmäher aus den USA nach Kanada bedeutet, ist noch nicht abzusehen.

Umso klarer ist für Horst Wiedenmann, der bei der Ulmer Industrie- und Handelskammer den Ausschuss „International“ leitet, dass das Handelsabkommen Ceta einen starken Impuls und großes Potenzial für die deutsch-kanadischen Wirtschaftsbeziehungen bringen wird. „Zwei Mitarbeiter von uns sind allein mit den Formalitäten der Zollabwicklung beschäftigt“, sagt Wiedenmann und unterstreicht damit den „Riesenaufwand“ für eine Firma mit rund 250 Beschäftigten. Mit Ceta fällt ein Großteil an bürokratischen Dokumentationen weg.

Bedienungsanleitungen, Sicherheitshinweise und vieles mehr, die bislang für den kanadischen Markt extra angefertigt werden mussten, sind jetzt einheitlich. Es gelten die höheren Standards der EU, betont der Mittelständler. Hauptkritikpunkt an Freihandelsabkommen allgemein und auch an Ceta war die Behauptung, sie opferten höhere europäische Standards auf dem Altar der Konzern-Profite.

Thomas Beck kennt diese Kritik und weist sie vehement zurück. Als Chef der Deutsch-Kanadischen Auslandshandelskammer (AHK) in Toronto weiß er, was Ceta den deutschen Firmen – viele sind Mittelständler wie Wiedenmann – vor allem bedeutet und wert ist: einheitliche technische und bürokratische Standards eben. Davon sei man zum Beispiel im Maschinenbau und in der Automobilindustrie noch weit entfernt.

Die Vorteile auf Seiten des europäischen Handelspartners in Übersee sind zunächst grundsätzlicher Art. Das Land ist in seinen Wirtschaftsbeziehungen ganz stark auf den Nachbarn USA ausgerichtet, dorthin gehen 80 Prozent seines Exports. „Kanada will wegkommen von der Konzentration auf die USA“, sagt AHK-Geschäftsführer Beck. Die Konzentration hat nicht nur historische, sondern ganz praktische Gründe. Man spricht hier wie dort Englisch. „Oft scheitert es schon an der Sprache“, sagt Beck auf die Frage, warum Kanadas Unternehmen Europa und Deutschland kaum auf dem Radar haben.

Das hat sich zwar in der jüngeren Vergangenheit zum Besseren gewendet, ist aber noch lange nicht ausreichend. Zumal längst andere Akteure auf dem Markt sind. Beck verdeutlicht dies am Thema Einwanderer: In den 70er Jahren kamen noch 90 Prozent von ihnen aus Europa, heute kommt die Hälfte aus China. Mit Ceta soll sich das ändern, zumindest wird es für Mitarbeiter deutscher Firmen in Kanada – Facharbeiter, Ingenieure, Architekten – einfacher. Es geht darüber hinaus aber auch um die Anerkennung von Bildungsabschlüssen und andere formale Hürden.

Was hält andererseits Kanadas Unternehmen von Investitionen in Deutschland ab? Beck fällt als erstes die gewerkschaftliche Mitbestimmung in Deutschland ein, die von den Kanadiern vermutlich als direkte Vorstufe zum Sozialismus gesehen wird. „Wir müssen dann Überzeugungsarbeit leisten, dass die Mitbestimmung eine gute Sache ist“, sagt er.

Für die deutschen Unternehmen öffnet Ceta einen Zugang, den sie bisher nicht hatten: „Jetzt haben wir die Chance, in öffentliche Ausschreibungen reinzukommen“, sagt Otto Sälzle, Chef der IHK Ulm. Er macht sich auch Hoffnungen auf den Brexit, also darauf, dass Großbritanniens Ausstieg die Spielräume Europas im Handel mit Kanada erweitert.

Und dann gibt es noch Irritationen mit der weltgrößten Wirtschaftsmacht. „In Sachen USA herrscht große Verunsicherung“, sagt Horst Wiedenmann, der Mittelständler mit US-Standbein. Er meint damit die von US-Präsident Trump angedeuteten Importzölle. In seinen Ergebnissen und Folgen völlig unklar ist eine zweite Baustelle: Trump hat das 1994 vereinbarte Freihandelsabkommen Nafta (zwischen USA, Kanada und Mexiko), einem der weltweit größten seiner Art, aufgekündigt. Es wird derzeit neu verhandelt. Ausgang ungewiss.

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19.09.2017, 06:00 Uhr
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