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Chance für ältere Arbeitnehmer
Bosch-Werk Blaichach: In der Fabrik 4.0 tragen Werkstücke Barcodes, RFID-Chips oder internetfähige Sensoren. Foto: Bosch
Neue Assistenzsysteme können schwere körperliche Arbeit erleichtern

Chance für ältere Arbeitnehmer

Die Fabrik der Zukunft jagt manchen Menschen Angst ein. Angst davor, ersetzt zu werden. Der technische Unternehmesberater Jens Nitsche gibt Entwarnung. Die Smart Facttory gehe nur mit Menschen.

12.12.2015
  • MIRIAM KAMMERER

Was sind Folgen von Industrie 4.0?

JENS NITSCHE: Mit Industrie 4.0 werden tiefgreifende Veränderungen in der industriellen Wertschöpfung einhergehen auf Basis einer intelligenten Vernetzung von Mensch, Maschine und Produkt. Die Vernetzung und die Digitalisierung von Prozessen sind Treiber von 4.0.

Was war die Voraussetzung dafür?

NITSCHE: In den letzten Jahren sind die Preise für Hard -und Software stark gefallen. Das begünstigt zusammen mit den technischen Weiterentwicklungen eine fortschreitende Digitalisierung in der Produktion.

Haben Sie ein Beispiel für die Einführung von 4.0 in der Fabrik?

NITSCHE: Ja, Bosch-Rexroth. Sie haben die Werkstückträger mit RFID-Chips ausgestattet, so dass sich die Aufträge selbstständig von einer Maschine zur nächsten navigieren können. Mit RFID-Chips ist eine Technologie für Sender-Empfänger-Systeme gemeint, die zum automatischen und berührungslosen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten und Lebewesen mit Radiowellen führt. Die Werkstückträger wissen also selbst, was der nächste Arbeitsschritt ist. Die Informationen darüber, werden dem Mitarbeiter in Echtzeit angezeigt. Die Arbeitsplätze richten sich selbstständig auf den Mitarbeiter ein. Das heißt, sie erkennen, ob der Mitarbeiter kurzsichtig oder fremdsprachig ist, und passen sich dementsprechend an.

Hat sich der Wandel auch wirtschaftlich niedergeschlagen?

NITSCHE: Ja, sowohl die Qualität als auch die Effizienz sind gesteigert worden. Das zeigt, dass nicht nur eine Technologie umgesetzt wurde, sondern auch wirtschaftlich ein Fortschritt gemacht wurde.

Ist Industrie 4.0 nur etwas für große Unternehmen oder auch für den kleinen Handwerksbetrieb?

NITSCHE: Der Schreiner um die Ecke ist nicht direkt betroffen. Irgendwann wird er in Berührung damit kommen. Letztlich trifft 4.0 auf alle klassischen Produktionsunternehmen zu, auch auf kleine und mittelständische Betriebe.

Kann ein kleines oder mittelständisches Unternehmen den Wandel allein schaffen?

NITSCHE: Eine Beratung von außen ist sicher sinnvoll, damit ich überhaupt weiß, auf was ich mich konzentrieren muss. Und welche Schritte ich zuerst mache, dazu braucht man eine klare Strategie.

Gibt es eine Art To-Do Liste für Unternehmen?

NITSCHE: Nein, die Vorgehensweise hängt von der Branche ab. Aber man kann in seinem Produktionsumfeld mit der Identifizierung von Warenströmen durch die Fabrik beginnen. Und dann die Vernetzung der Maschinen untereinander durch die Einführung von entsprechenden Softwaresystemen vorantreiben. Was schließlich dazu führt, dass die Fertigung sich selbst steuert. In dem Bereich ist die Technologie heute schon verfügbar.

Also wird die Smart Factory Schritt für Schritt eingeführt?

NITSCHE: Ja, ich brauche einen strategischen Stufenplan, wie ich mich an das Thema herantaste. Das hat mehrere Gründe: Es ist eine finanzielle Belastung und erfordert Ressourcen. Auch die Mitarbeiter müssen in diesem Prozess mitgenommen werden.

Wie weit ist die Smart Factory in Baden-Württemberg verbreitet?

NITSCHE: Wir haben 2014 dazu mit dem Fraunhofer-Institut eine Umfrage gemacht. 6 Prozent haben gesagt, dass sie sich auf das Thema sehr gut vorbereitet fühlen. 39 Prozent haben gesagt, dass sie sich schon vorbereitet haben. Zu denen, die es schon eingeführt haben, gibt es keine genaue Zahl, sie dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen.

Ist Deutschland im internationalen Vergleich spät dran?

NITSCHE: Wir befinden uns in einem Wettbewerb mit den USA und China und momentan ist noch nicht so ganz klar, wer die Vorreiterrolle hat. In den USA wird viel geforscht zu dem Thema und der Staat fördert Industrie 4.0 sehr. Ich bin mir nicht sicher, wer das Rennen macht. Die Frage ist, ob unsere Geschwindigkeit und unser Pragmatismus ausreichen.

Die Landesregierung hat eine Allianz 4.0 ins Leben gerufen. Hilft das, Fahrt aufzunehmen.

NITSCHE: Absolut. Die Initiativen vom Bund und auch die von der Landesregierung helfen eine Plattform zu bilden und das Thema bekannter zu machen.

Es heißt die Fabriken der Zukunft werden leerer. Rettet uns das vor dem demographischen Wandel?

NITSCHE: Ich sehe nicht pauschal einen Arbeitsplatzabbau, die Art der Arbeit wird sich ändern. Sie geht eher zur Wissensarbeit. Industrie 4.0 ist tatsächlich für ältere Arbeitnehmer auch eine Chance, weil durch entsprechende Assistenzsysteme schwere körperliche Arbeit erleichtert werden kann.

Das heißt auch, dass es ungelernte Kräfte zukünftig schwerer haben. . .

NITSCHE: Ja, das sind die Arbeitsplätze, die am stärksten vom Wandel betroffen sind. Hierin sehe ich den größten Handlungsbedarf. Das kann die Industrie nicht allein bewältigen, das ist eine gesellschaftliche Herausforderung.

Also wird das Gespenst der menschenleeren Fabrik nicht wahr?

NITSCHE: Nein, da möchte ich einen Kollegen vom Fraunhofer Institut zitieren: ,Die Fabrik der Zukunft ist genauso menschenleer, wie das heutige Büro papierlos ist.

Die Studie vom Fraunhofer-Institut heißt "Revolution der Arbeitsgestaltung". Ist die Veränderung der Arbeit wirklich revolutionär?

NITSCHE: Der Grundgedanke von Digitalisierung und Vernetzung von Mensch, Maschine und Produkt ist revolutionär, die Umsetzung ist ein evolutionärer Prozess. Das wird noch die nächsten 15 Jahre dauern, bis sich das flächendeckend ausgebreitet hat.

Was passiert mit einem Unternehmen, das einfach nicht mitmacht?

NITSCHE: Wer eine Nische besetzt, wird vielleicht überleben. Die meisten, die das Thema ignorieren, werden später zweite Liga sein.

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12.12.2015, 08:30 Uhr
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