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Cem Özdemir sorgt mit AfD-Abrechnung für Aufsehen
Cem Özdemirs Brandrede gegen die AfD löste ein großes Echo aus. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundestag

Cem Özdemir sorgt mit AfD-Abrechnung für Aufsehen

Der Grünen-Politiker redet sich in einer Debatte über einen Antrag der Rechtspopulisten zu Deniz Yücel in Rage. In sozialen Netzwerken stößt dies großenteils auf Begeisterung.

24.02.2018
  • REBECCA JAKOB

Berlin. Deniz Yücel ist erst seit ein paar Tagen wieder aus türkischer Haft frei und wird gleich zur Zielscheibe für die AfD. Die Partei forderte am Donnerstagabend im Bundestag in einem Antrag, den Journalisten öffentlich zu maßregeln. Grund waren zwei satirische Kolumnen aus den Jahren 2011 und 2012, in denen er sich nach Meinung der AfD deutschlandfeindlich geäußert hatte. So hatte Yücel in der „tageszeitung“ zum Thema Geburtenschwund unter anderem geschrieben: „Der baldige Abgang der Deutschen“ sei „Völkersterben von seiner schönsten Seite“. Der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio bezeichnete Yücel in seiner Rede deshalb als „Hassprediger“.

Die Abgeordneten des Bundestags stimmten mit 552 zu 77 Stimmen gegen den Antrag der AfD. Aus den Reihen der anderen Parteien hagelte es Kritik gegen die Rechtspopulisten. In einer emotionalen Rede bezeichnete Grünen-Politiker Cem Özdemir die AfD als „Rassisten“, die „aus demselben faulen Holz geschnitzt sind wie Erdogan“.

Özdemir startete eine Generalabrechnung mit der Partei. „Sie wollen bestimmen, wer Deutscher ist und wer nicht“, rief der Grüne und fragte: „Wie kann jemand, der Deutschland, der unsere gemeinsame Heimat so verachtet, wie sie es tun, darüber bestimmen, wer Deutscher ist?“, und fügte hinzu: „Sie verachten alles, wofür dieses Land in der ganzen Welt geachtet wird und respektiert wird.“ Dazu gehöre die Erinnerungskultur ebenso wie die Vielfalt des Landes, dazu gehörten Bayern und Schwaben, aber auch Menschen mit Vorfahren aus Russland oder Anatolien, die stolz darauf seien, Bürger dieses Landes zu sein.

„Sternstunde“ und „historisch“

Die Rede löste in den sozialen Netzwerken Euphorie aus: Özdemirs Facebook-Beitrag mit einem Video seiner Rede wurde bis Freitag über 5500 Mal geteilt, fast 13 000 Mal mit „Like“ bewertet und 260 000 Mal angesehen. Nutzer bezeichneten die Stellungnahme des Politikers als „historisch“ und „Sternstunde“. Doch auch Gegenstimmen finden sich, manche Nutzer empfanden die Rede als beleidigend und unsachlich. In einem Kommentar heißt es: „Pfui Teufel vor so einem Schwachsinn. Absolut übel.“

Redner aller anderen Parteien bezogen im Bundestag gegen den AfD-Antrag Stellung. Der Vize-Bundetagspräsident Wolfgang Kubicki (FDP) nannte den AfD-Antrag verfassungswidrig. Er sei „intellektuell erbärmlich“. Der Linken-Abgeordnete Jan Korte bezeichnete die AfD als „verlängerten Arm“ des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan „im Kampf gegen Yücel und die Pressefreiheit“. Lars Castellucci (SPD) forderte die Partei auf, den Antrag zurückzuziehen.

Rebecca Jacob

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24.02.2018, 06:00 Uhr
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