Mit Horst Schuh auf Tradition gesetzt

CDU-Landtagskandidat kommt wieder aus Rottenburg

Horst Schuh riss die Arme hoch, die Anhänger Lisa Federles machten lange Gesichter: Fünf Stunden nach Versammlungsbeginn stand der Baisinger Ortsvorsteher am Donnerstagabend als Landtagskandidat der Tübinger Wahlkreis-CDU fest.

24.07.2010

Von Renate Angstmann-Koch

Bühl. Nach Friedhelm Repnik und Klaus Tappeser machte mit dem 52-jährigen Horst Schuh wie stets seit 22 Jahren ein Bewerber aus Rottenburg das Rennen. „Ich bin froh und glücklich“, sagte er über das Ergebnis. Der Wahlkampf mit „fünf qualitativ sehr guten Kandidaten“ sei fair gewesen, hob er hervor. Er hoffe, dass diejenigen, die ihn noch nicht wählten, zum gemeinsamen Wahlkampf bei der Stange bleiben.

Seine Frau Monika und sein Sohn hatten Schuh zu der Nominierungskonferenz begleitet. Auch die Söhne seiner Hauptkonkurrentin Lisa Federle waren im Saal. Sie machte keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung: „Die Rottenburger haben sich für konservative Werte entschieden und nicht für neue Wege“, sagte die 48-jährige Tübinger Notärztin. Sie wertete die Entscheidung als „Ruck nach rechts“.

Die Wahlkreis-CDU habe die Chance verpasst, mit ihr als Landtagskandidatin neue Wählerschichten zu erschließen. Für die kurze Zeit, in der sie CDU-Mitglied ist, sei das Ergebnis gleichwohl eine „Wahnsinns-Anerkennung“, hob die Stadt- und Kreisrätin hervor. „Das ist Demokratie“, tröstete sie sich: „Ich habe ja nach wie vor meinen tollen Beruf, den ich sehr liebe.“

Zirka 400 Männer und Frauen drängten sich am Donnerstagabend im für diesen Anlass zu kleinen Bühler Schloss-Saal. Die Wahlkreis-CDU hatte mit deutlich weniger Andrang gerechnet. Neben Mitgliedern mit Erstwohnsitz im Landtagswahlkreis Tübingen waren auch CDU-Leute aus den anderen fünf Kreisgemeinden und reichlich Parteiprominenz erschienen – so die Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz, der Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer oder der frühere Stuttgarter Regierungspräsident Udo Andriof.

Die Reihenfolge der Vorstellungsreden wurde ausgelost. Jeder Kandidat erhielt zehn Minuten Zeit, anschließend gab es bis zu zehn weitere Minuten für eine Befragung.

Der spätere Wahlsieger Horst Schuh kam als dritter an die Reihe. Der Leiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts Tübingen steht seit drei Wochen an der Spitze der Rottenburger CDU-Gemeinderatsfraktion. Besonders wichtig seien für ihn Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz und Chancengleichheit. „Wir müssen Stammwähler ansprechen“, betonte er. Die Bildungspolitik sei der Schlüssel für faire Lebens-Chancen. Baden-Württemberg brauche aber „keine Nachhilfe, weder von den Roten, den Grünen oder gar den Linken“.

Bei der Sprachförderung und der Schulsozialarbeit seien aber noch Verbesserungen möglich. Als weitere Schwerpunkte nannte Schuh die Förderung des ländlichen Raums, die Anbindung an die Metropolregion Stuttgart („wir müssen höllisch aufpassen, dass auch wir ein Stück des Kuchens erhalten“), die Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise, Investitionen in Universität und Forschung und die Familienpolitik. Auch in kleinen Kommunen brauche man eine gute Betreuung der bis zu Zehnjährigen nach dem Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“.

„Ich bin kein Politikprofi und gehe nicht in Ministerien ein und aus, aber in unzähligen Häusern und Familien im Wahlkreis“, hatte sich zuvor Lisa Federle vorgestellt. Auch Andreas Braun aus Wolfenhausen erhielt von den Zuhörerinnen und Zuhörern viel Beifall für seine Vorstellungsrede. Der 28-jährige Lehramtsstudent erschien den meisten CDU-Mitgliedern jedoch offenbar für eine Kandidatur noch zu jung.

Chronik einer langen Wahlkrimi-Nacht

Der erste Wahlgang, begann um 21.15 Uhr und wurde wegen eines Formfehlers von 21.45 Uhr an wiederholt. 333 Wahlberechtigte wurden gezählt, 322 stimmten ab. Auf Horst Schuh entfielen 118 Stimmen, auf Lisa Federle 102, auf Arnold Oppermann 37, auf Michael Rak 35 und auf Andreas Braun 30. Damit bekam niemand die absolute Mehrheit.

Für den zweiten Wahlgang zogen Braun und Rak ihre Bewerbung zurück, Oppermann blieb im Rennen. Das Ergebnis: 310 gültige Stimmen, davon 138 für Federle, 136 für Schuh und 36 für Oppermann – erneut keine absolute Mehrheit.

Die Stichwahl im dritten Wahlgang wurde um 23.35 Uhr eröffnet. Um 0.05 Uhr gab Klaus Tappeser das Ergebnis bekannt: 161 Stimmen für Schuh, 146 Stimmen für Federle.

Als Zweitkandidatin setzte sich Sandra Ebinger mit 98 Stimmen gegen Christine Jerabek (69 Stimmen) durch. Die Versammlung sang zum Abschluss das Lied der Deutschen, um 1 Uhr wurde sie geschlossen.

Glückwünsche von Parteifreunden für Horst Schuh, den eben gekürten Landtagskandidaten der Tübinger Wahlkreis-CDU: von links Landrat Joachim Walter, der Reutlinger Landtagsabgeordnete Dieter Hillebrand, der CDU-Kreisvorsitzende Klaus Tappeser und die amtierende Tübinger Landtagsabgeordnete Monika Bormann. Bild: Sommer

Sandra Ebinger, 39-jährige Vorsitzende des Tübinger CDU-Stadtverbands, tritt als Zweit- Kandidatin an

Kommentar: Kehrt in Richtung Mappus-CDU 24.07.2010

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Erstellt:
24. Juli 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Juli 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2010, 12:00 Uhr

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