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Eine Tulpe namens Angela

CDU-Landesparteitag mit Kanzlerinnen-Besuch in Reutlingen

Die Südwest-CDU stimmte sich am Samstag mit Unterstützung von Kanzlerin Angela Merkel auf den Entspurt im Wahlkampf ein.

10.09.2017
  • Uschi Kurz

Der warme Empfang in Reutlingen dürfte Balsam für die Seele der in ihrer alten Heimat bei jüngsten Wahlkampfauftritten so schnöde geschmähten Kanzlerin gewesen sein: Als Angela Merkel am Samstag Punkt 11 Uhr zu aufpeitschender Musik unter gigantischem Beifall in die Stadthalle einläuft, wird hinter dem Podium der Vorhang hochgezogen. Auf der Bühne erscheinen rund 200 meist junge Menschen und halten Plakate in die Höhe: „Voll muttiviert“ steht darauf oder nur „Kanzlerin“ oder „Angela Merkel“. Auf manchen findet sich auch eine schlichte Liebeserklärung für Merkels charakteristische Handhaltung.

„Sie strahlen Zuversicht und Optimismus aus“, heißt Generalsekretär Manuel Hagel die Kanzlerin in der Mitte der Neu-Mitglieder willkommen. Angela Merkel begrüßt ihrerseits launig die Lokalmatadoren (Michael Donth und Annette Widmann-Mauz) auf dem Podium und alte Freunde und Weggefährten (Erwin Teufel und Toni Pfeifer) in der ersten Reihe. Dann geht sie in medias res. „Die Menschen entscheiden sich erst in den letzten Tagen“, fordert sie die 330 Delegierten auf, noch einmal mit voller Kraft auszuschwärmen und um jede einzelne Stimme zu kämpfen. „Für ein Deutschland in dem wir gut und gerne leben.“ Das höre sich trivial an, räumt sie ein, aber man müsse jetzt die Weichen stellen, damit dies auch morgen noch so sei.

Sie erinnert daran, dass es nicht immer so gewesen sei. Im Jahr 2000 sei Deutschland der „kranke Mann Europas gewesen“. Als sie Bundeskanzlerin geworden sei, habe es noch fünf Millionen Arbeitslose gegeben. Die rot-grüne Vorgänger-Regierung habe mit der Agenda 2010 und der Rentenreform – „mit unserer Unterstützung“ – die Voraussetzungen für den jetzigen Wohlstand geschaffen. „Aber die Sozialdemokratie bekennt sich nicht zu diesen Reformen.“

Kein einziges Mal in ihrer 50-minütigen Rede nimmt Merkel den Namen ihres Herausforderers Martin Schulz in den Mund. Spitzen gegen die Sozialdemokraten hingegen gibt es häufig, wenngleich reichlich verhalten. Beispiel: Wohnungspolitik. Die CDU habe mit der SPD die Mietpreisbremse beschlossen. Doch die habe nicht gewirkt. Nun dürfe man nicht wiederholen, was nicht funktioniert habe. Statt die Verknappung zu regulieren, müsse man Bedingungen schaffen, „damit wieder mehr in Wohnungsbau investiert wird“. Großer Beifall.

Versprechen macht sie auch: „Auch wir wollen die Steuern für die mittleren Einkommen senken.“ Aber anders als die Sozialdemokraten wolle man gleichzeitig nicht an anderer Stelle die Steuern erhöhen. Eine Erhöhung der Erbschaftsteuer, meint sie in Richtung der Familienunternehmer, werde es mit der CDU nicht geben. Noch größerer Beifall. „Wir wollen bis 2020 3,5 Prozent des Bruttosozialproduktes in die Forschung und Entwicklung stecken.“ Beim Thema Bildung plädiert sie dafür, dass der Bund finanzschwache Kommunen unterstützen solle. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Chancengleichheit der Kinder zu verbessern, sei der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in der Grundschule nötig.

Zum Schluss kommt die Kanzlerin kurz auf das Thema Innere Sicherheit und Flüchtlinge zu sprechen. „Wir haben gelernt, dass wir nicht weggucken können.“ Fehler räumt sie keine ein, aber man müsse die Dinge besser steuern. Fluchtursachen bekämpfen, Schleppern das Handwerk legen. Sie beklagt mangelnde Solidarität der europäischen Partner und gibt gleichwohl – wie vor ihr der Landesvorsitzende Thomas Strobl – ein deutliches Bekenntnis für Europa ab. Sie bedauere es sehr, dass sich Großbritannien für den Ausstieg entschieden habe, „aber mit 27 Mitgliedstaaten sind wir immer noch stark“.

Dann schwört sie die Delegierten abermals auf den Wahlkampf ein: „Wir haben keine Stimme zu verschenken.“ Die SPD schließe „rot-rot-grün“ niemals aus, mahnt sie, „und ich sage ganz deutlich: rot-rot-grün ist schlecht für unser Land.“ Das Land brauche keine Experimente, sondern Stabilität und Sicherheit. Standing ovations.

„Wir werden ein dickes Pfund abgeben“, verspricht Strobl. Als Geschenk überreicht er der Kanzlerin ein Porträt, gefertigt von einer Künstlerin, die erst seit kurzem CDU-Mitglied ist, aber immer CDU gewählt habe. Vom Reutlinger Bundestagsabgeordneten Michael Donth bekommt Merkel – passend zum Blazer – einen lachsfarbenen Tulpenstrauß und die dazugehörigen Zwiebeln. Die Mischung hat der Gönninger Samenhändler Fetzer eigens kreiert und auf den Namen „Angela“ getauft. „Ein tolles Geschenk“ findet die Namensgeberin. Vor allem als sie hört, dass man die Zwiebeln auch im Oktober noch stecken kann.

Verdi und Greenpeace demonstrieren vor der Stadthalle

CDU-Landesparteitag mit Kanzlerinnen-Besuch in Reutlingen
Recht überschaubar blieb der Verdi-Protest am Samstag vor den Toren der Stadthalle: Lediglich rund 20 Pflegekräfte machten mit Plakaten auf die Personalnot in den Krankenhäusern aufmerksam. Bild: Faden
Empfangen wurden die CDU-Delegierten vor der Stadthalle von knapp 20 Verdi-Demonstranten. Sie trugen weiße Arztkittel und verteilten Flugblätter, um auf die ihrer Ansicht nach katastrophalen Zustände in der Pflege aufmerksam zu machen: Im Wahlprogramm der Union fehle eine verbindliche Vorgabe für Personalausstattung an Krankenhäusern, kritisieren sie. Die Reaktionen waren unterschiedlich. „Manche haben gesagt: ‚Lassen Sie mich in Ruhe‘, andere haben positive Rückmeldungen gegeben“, sagte eine Verdi-Aktivistin. Die Frau eines Abgeordneten arbeite selbst in der Pflege, so kenne er die Probleme. 20-Greenpeace-Leute demonstrierten hinter den Absperrgittern. Sie verlangten auf einem Plakat die Verkehrswende. „Wir fordern den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor“, so Jannis Stoppel aus Hamburg. Das bedeute keine Neuzulassungen dieser Autos mehr ab 2025. mre

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10.09.2017, 19:30 Uhr
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