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Über Annette Widmann-Mauz

CDU-Frau auf dem Sprung ins Ministeramt

Annette Widmann-Mauz mochte gestern ihre voraussichtliche Berufung als Gesundheitsministerin nicht bestätigen.

08.02.2018
  • Renate Angstmann-Koch

Für einen stilistischen Fehler ist die Tübinger CDU-Abgeordnete zu gewieft und schon zu lange im politischen Geschäft. Gerade die Union hält auf Etikette, und manches Thema verträgt bekanntlich das Schnaufen nicht. Die 51-Jährige wird sich gewiss erst dann über das neue Amt, das sie wohl bekleiden wird, äußern, wenn es ihr Angela Merkel persönlich angetragen und das auch offiziell verkündet hat.

Die Balingerin Widmann-Mauz ist auch sonst nicht für Durchstechereien bekannt. Sie verhält sich stets loyal zu Partei und Fraktion, doch vor allem zur Kanzlerin. Die Namen der anderen für die Ministerposten der CDU gehandelten Politiker machen deutlich, dass Loyalität offenbar für Angela Merkel auch sonst ein wichtiges Auswahlkriterium war. Keiner von ihnen lässt den Hang zu einer Intrige oder Palastrevolte vermuten, die das Zeug hätte, Merkel zu einem vorzeitigen Abgang zu zwingen.

Gewiss hat bei der Auswahl der CDU-Minister auch Regionalproporz eine Rolle gespielt. Der Baden-Württembergerin Widmann-Mauz kam wohl zugute, dass Wolfgang Schäuble jetzt Bundestagspräsident ist. Auch hat die Tübinger Abgeordnete starkes Gewicht als Chefin der Frauen-Union. Und sie war nie in große Skandale verwickelt. Zwar wurde ihr und den anderen Mitgliedern einer Delegationsreise des Gesundheitssausschusses in die USA 2008 vorgeworfen, sich anmaßend verhalten zu haben. Doch das erwies sich eher als Lappalie.

Die politische Karriere von Annette Widmann-Mauz ist bemerkenswert. Schon längst geht sie selbstbewusst damit um, Politik und Jura studiert, aber keinen Abschluss gemacht zu haben – was in der CDU durchaus als Makel gelten könnte. Doch Widmann-Mauz, seit 1984 Mitglied in der Jungen Union und der CDU, erwies sich schon früh als politisches Talent. Als Herta Däubler-Gmelin – bisher die einzige Tübinger Bundesministerin – 1998 für die SPD den Wahlkreis direkt gewann und Claus-Peter Grotz (CDU) sein Mandat verlor, zog Widmann-Mauz über die Landesliste in den Bundestag ein. Vier Jahre später holte sie das Direktmandat für ihre Partei zurück. Die CDU lag ihr dafür zu Füßen.

Schnell wurde sie Vorsitzende der Gruppe der Frauen der Unions-Fraktion. 2001 wurde sie mitten in der BSE-Krise die Verbraucherschutzbeauftragte von CDU/CSU und machte sich bald einen Namen als Fachfrau für knifflige Angelegenheiten. Seit 2002 ist sie zuständig für Gesundheitspolitik, seit immerhin 2009 als Parlamentarische Staatssekretärin. Sie hält sich damit in einem Ressort, in dem es um viel Geld geht, das so stark wie wenig andere mit Lobbyinteressen konfrontiert ist. Das spricht für das Beharrungs- und Durchhaltevermögen der Abgeordneten, mag auch die politische Konkurrenz mehr Profil anmahnen. Ihr wird überdies nachgesagt, bei den Koalitionsverhandlungen als CDU-Verantwortliche für Frauen- und Familienfragen großes Geschick bewiesen zu haben.

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08.02.2018, 01:00 Uhr
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