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Stadtplanung

Bunte Vielfalt auf öder Fläche

Auf dem Österreichischen Platz unter der Paulinenbrücke parkten früher Autos. Der Verein Stadtlücken hat mit vielen Aktionen gezeigt, was aus dem Areal werden könnte.

12.10.2019

Von BARBARA WOLLNY

Das gemeinsame Kochen unter der Brücke gehört zu den erfolgreichen Aktionen des Stuttgarter Vereins. Foto: Stadtlücken e.V.

Sommerkino, Flohmarkt, Diskussionsforum, Kochen mit geretteten Lebensmitteln, Pflanzentauschbörse, österreichische Brettljause, Chorproben, Picknicks und weitere Aktionen haben in den vergangenen beiden Jahren den Österreichischen Platz belebt. Die unwirtliche Fläche unter der stark befahrenen Paulinenbrücke im Stuttgarter Süden war ein Parkplatz und auch Treffpunkt von Obdachlosen und Junkies. Inzwischen hat sich der Platz zum beliebten, stark frequentierten städtischen Treffpunkt entwickelt.

In einer speziellen Form der Bürgerbeteiligung hatte die Stadt den Verein Stadtlücken beauftragt, die städtische Fläche ehrenamtlich zu verwalten und ein langfristiges Nutzungskonzept aufzustellen.

Als im Juli 2018 das letzte Auto von den Parkplätzen unter der Brücke rollte, legte der Verein richtig los. „Wir sind etwas in das Projekt hineingeschlittert und hatten keine Vorstellung davon, dass es solch einen Umfang annehmen würde“. Die Architektinnen Carolin Lahode und Sarah Sutter, die heute an der Hochschule für Technik forschen, waren schon als Studentinnen 2016 beim Start von Stadtlücken dabei. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, Bewusstsein für den öffentlichen Raum zu schaffen. „Wir haben rund 30 Mitglieder und haben eigentlich jede freie Stunde in die Arbeit für den Österreichischen Platz gesteckt.“

Der Platz sollte zum Experimentierfeld für die Zukunft städtischen Zusammenlebens werden. Sie wollten Antworten geben, welche Nutzungen passend sein könnten, wie sich unterschiedliche Interessen vereinbaren lassen und wie der Platz zum innerstädtischen Ort des Austauschs und der Geselligkeit werden könnte. Dafür stellte die Stadt ein Budget von 80 000 Euro bereit.

„Aus dem alltäglichen Miteinander wurde hier ein zukunftsfähiges Modell für die Stadtplanung entwickelt, das besser funktioniert als klassische Bürgerbeteiligungen. In diesem Reallabor werden die Vor- und Nachteile der verschiedenen Nutzungen direkt erlebbar“, zeigt sich Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle überzeugt vom Projekt. Die Herangehensweise sei den üblichen Stadtplanungsprozessen weit überlegen. „Da geht es ja leider meist nur darum: Was kostet der Flecken und wie kann ich noch mehr für ihn bekommen“. Die Bezirksvorsteherin würdigt die hohen Teilnehmerzahlen. Bis zu 600 Personen wurden bei einzelnen Aktionen gezählt. „Die Stadtlücken haben es geschafft, Leute zu aktivieren, die sonst nie von ihrem Sofa aufgestanden wären“, sagt Kienzle.

Konflikte blieben nicht aus. Während einige Anwohner die wachsende Gentrifizierung durch den Bau des Einkaufszentrums Gerber in der Tübinger Straße kritisieren, fühlten sich andere durch die Belebung des Platzes belästigt. Insgesamt aber seien weniger Polizeieinsätze als früher zu verzeichnen.

Jetzt ist das Projekt beendet. An diesem Samstag steigt ab dem Nachmittag ein Abschiedsfest. Akteure und Besucher blicken auf bewegte eineinhalb Jahre zurück. Fest steht, dass der Platz weiterhin öffentlicher Raum bleiben soll und nicht wieder als Parkplatz genutzt wird. Eine Boulderfläche und Tischtennisplatten stehen schon. Der Gemeinderat soll Geld für die Umgestaltung bereitstellen. Kienzle möchte weiterhin nicht kommerzielle Nutzungen verwirklichen. Sie könnte sich ein Fahrradparkhaus und einfache Künstlerateliers vorstellen.

Solche Ateliers und Proberäume für Musiker fände auch der Verein Stadtlücken gut. „Wir widmen uns jetzt auch einmal gerne anderen Projekten“, sagt Sarah Sutter. Der Verein stehe aber für weitere Vorhaben zur Verfügung. „Der Österreichische Platz ist inzwischen für uns zu einer Herzensangelegenheit geworden.“

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Erstellt:
12. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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