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Bunt, laut und närrisch

Fastnacht, Fasching, Karneval: Elf Fragen, elf Antworten

Die närrischen Tage sind im vollen Gange. Was steckt hinter der fünften Jahreszeit?

09.02.2019

Von Katrin Stahl mit dpa/kna

Rottweiler Narrensprung. Foto: Patrick Seeger dpa/lsw

Sei ein Narr! Zumindest bis zum Aschermittwoch. Denn in dieser Zeit ist ja bekanntlich alles möglich. Doch wo ruft man was? Welche Verkleidungen sind angesagt? Was ist in den närrischen Tagen erlaubt ... und was nicht? Wissenswertes für Narren – und solche, die es werden wollen.

1 Fastnacht, Fasching, Karneval – wo sagt man was?

Gefeiert wird an vielen Orten. Je nach Region gibt es aber oft völlig unterschiedliche Traditionen, Bräuche – und Namen. Ein kurzer Überblick: Die schwäbisch-alemannische Fasnet („Nacht vor Beginn der Fastenzeit“) findet im südwestdeutschen Raum und in Teilen der Schweiz statt. Die Mainzer schunkeln zu ihrer Fastnacht. In Bayern und im Osten Deutschlands sagt man Fasching. Das geht auf das mittelhochdeutsche Wort „vastschanc“ zurück, was vermutlich „Ausschank des Fastentrunks“ bedeutete. Karneval, die höfische Variante der Narrenzeit, feiern vor allem die Rheinländer. Der Name hat einen lateinischen Ursprung: Mit „carne vale – Fleisch, lebe wohl!“ bereitete man sich auf die anstehende Fastenzeit vor.

2 Welche Verkleidungen sind im Trend?

Flamingo, Pantomime, „Candy“, Casino-Welt, 80er Jahre: Die Trends, die der größte Kölner Kostümausstatter Deiters in diesem Jahr beobachtet, sind eher unpolitisch. Verkleidungen wie Indianer, Eskimo, oder Sultan seien bei Kindern weiterhin gefragt, wären aber wirtschaftlicher weniger bedeutsam, fasst Geschäftsführer Björn Lindert zusammen. Kulturanthropologin Gabrielle Dafft erkennt eine Veränderung im Umgang mit Kostümierungen. „Karneval hält der Gesellschaft den Spiegel vor – und ich finde es gut, dass hier eine Sensibilisierung für Alltagsrassismus stattfindet“, sagt sie.

3 Was ist in der Narrenzeit erlaubt ...?

Bei öffentlichen Versammlungen gilt in Deutschland generell das Vermummungsverbot. Ist das auch an den närrischen Tagen der Fall? Nein. Dafür sorgt eine Ausnahmeregelung in Paragraph 17a des Versammlungsgesetzes: Masken oder gesichtsverdeckende Helme sind in dieser Zeit also erlaubt. Autofahren mit Kostüm stellt auch kein Problem dar. Einzige Bedingung: Die Fahrtüchtigkeit darf nicht beeinträchtigt sein. Auch wer bei Umzügen mit Süßigkeiten wirft, muss sich im Normalfall keine Gedanken machen. Im Jahr 2010 forderte eine Frau 1500 Euro Schmerzensgeld, weil zwei Schokoriegel sie am Auge verletzt hatten. Das Amtsgericht Köln gab ihr nicht Recht: Das mögliche Risiko sei für die Zuschauer erwartbar.

4 ... und was nicht?

Die närrischen Tage sind keine rechtsfreie Zeit. Körperverletzung ist und bleibt strafbar und kann vor Gericht enden. Auch beim Genuss von Alkohol gelten dieselben Regeln wie immer: Ab etwa 0,3 Promille ist Autofahren ein Vergehen. Bei 0,5 Promille (erreicht bei ein bis zwei Flaschen Bier!) drohen neben einem Bußgeld von 500 Euro zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Ein weiteres Problem, mit dem so mancher Narr bei zu viel Alkoholgenuss kämpfen muss: eine volle Blase. Vor Wildpinkeln sei aber gewarnt. Das führt in vielen deutschen Städten nämlich zu einer Strafe von rund 35 Euro. Bei besonders schweren Fällen, zum Beispiel wenn ein Kind zusehen kann, erwartet den Wildpinkler sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr.

Weiberfastnacht in Düsseldorf. Foto: Federico Gambarini/dpa

5 Wer flirtet mit wem?

Narren schunkeln, lachen und flirten auch mal gern – manchmal in seltsamen Kombinationen: Eine Umfrage des Online-Panels Mafo mit 1041 repräsentativ ausgewählten Teilnehmern hat ergeben, dass männliche Karnevalisten dabei Damen im Krankenschwesterkostüm bevorzugen. Frauen finden Polizisten am attraktivsten.

6 Wie sind die Narrenzünfte organisiert?

Treffen sich zwei Narren, dann gibt es ein großes Hallo – oder vielmehr ein großes Juhu, Hoppla-ho oder Zong raus! Zumindest, wenn man die schwäbisch-alemannische Fastnacht feiert. Fast jede der knapp 2000 Narrenzünfte im Südwesten hat ihren eigenen Narrenruf. Nicht so einfach, da den Überblick zu behalten. Volker Gegg von der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte beruhigt: „Den Ruf Narri – Narro kann man bei uns überall verwenden.“

7 Was macht ein närrischer Regent?

Einmal Prinz sein – davon träumt manch einer in den Narrenhochburgen. In Köln wurde „Seine Tollität“ Anfang des Jahres ins Amt gehoben. Oberbürgermeisterin Henriette Reker überreichte dem Karnevalsprinzen sowie seinen Begleitern, Jungfrau und Bauer, die Insignien. Die närrische Regentschaft hat dabei einen durchweg symbolischen Charakter, wie Tanja Holthaus vom Festkomitee Kölner Karneval erklärt: „Pro Session stehen etwa 450 Termine auf dem Programm, darunter auch viele karitative Anlässe wie Besuche in Krankenhäusern und Obdachlosenheimen.“ Prinz sein ist übrigens Ehrensache, Geld verdient man dabei nicht.

8 Wer kann mit alldem gar nichts anfangen?

Bei der Narrenzeit scheiden sich in Deutschland die Geister, wie eine YouGov-Studie zeigt. 29 Prozent der Befragten bezeichneten sich dabei als Faschingsmuffel. Der Hauptgrund: Es gehe nur noch ums Trinken. Zudem würden sich die Menschen albern verhalten, die Stimmung sei aufgesetzt und die Straßen werden zugemüllt. Das können die 28 Prozent Faschingsfans nicht verstehen. Sie schätzen vor allem die ausgelassene Stimmung.

Dieses Jahr im Trend: Pantomime. Foto: © Master1305/Shutterstock.com

9 Wann ist der Berliner ein Krapfen?

Wir sind uns einig: Süß und klebrig, so muss das frittierte Hefegebäck mit Füllung und Zuckerhaube sein. Größere Uneinigkeit herrscht bei der Frage, wie die närrische Nationalspeise denn nun genannt wird. In Bayern und Österreich heißt es Krapfen. Die Hessen sagen Kräppel. Im Westen Deutschlands und in der Schweiz ist es ein Berliner. Und die Berliner benennen das Schmalzgebäck natürlich nicht nach sich selbst, sondern sagen Pfannkuchen dazu. Der richtige Pfannkuchen ist bei ihnen ein Eierkuchen.

10 Wie feiert die Welt Karneval?

Eis und Schnee gehören für die Narren in Deutschland dazu. Beim Karneval im brasilianischen Rio de Janeiro geht es heißer her. Mit dabei: glitzernde Kostüme, laute Musik und viel Hüftschwung. Weniger Haut, dafür mehr Masken, werden beim historischen Karneval in Venedig gezeigt. Die zehntägigen Festivitäten ziehen jedes Jahr viele Touristen an. Etwas mehr Zeit lassen sich die Schweizer: Die Basler Fastnacht beginnt erst am Montag nach Aschermittwoch und dauert drei Tage. Sie gehört zum immateriellen Unesco Weltkulturerbe.

11 Warum eigentlich immer elf?

Am Elften im Elften um 11.11 Uhr wird vielerorts die närrische Zeit eingeläutet. Warum ist die elf die Zahl der Karnevals- und Faschingsfreunde? Einige der zahlreichen Theorien zur Auswahl: Im Mittelalter galt elf als die Ziffer der Maßlosigkeit und der Sünde – und davon gibt es in der Narrenzeit ja bekanntlich genügend. Ein paar Jahrhunderte später forderten unsere französischen Nachbarn: „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit – Egalité, Liberté, Fraternité!“ Die jeweiligen Anfangsbuchstaben zusammen gefügt ergeben, richtig, das Wort elf. Die einfachste Erklärung ist und bleibt jedoch: Elf ist eine Schnapszahl. In diesem Sinne: Prost!

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Erstellt:
9. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Februar 2019, 06:00 Uhr

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