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Lebenstraum erfüllt

Bundespräsident Gauck bespricht mit Barack Obama die Weltlage

Bundespräsident Gauck hat gestern zum Abschluss seiner USA-Reise US-Präsident Obama getroffen. Bei vorherigen Auftritten hatte Gauck intensiv für gute deutsch-amerikanische Beziehungen geworben.

08.10.2015
  • PETER DE THIER (MIT DPA)

Washington Dass dieser Tag für Joachim Gauck keine Routine ist, sondern eine hochemotionale Angelegenheit, vielleicht die wichtigste Auslandsreise seiner Amtszeit, das ist nicht zu übersehen. Fast eine Stunde sprach der Bundespräsident gestern im Weißen Haus mit US-Präsident Barack Obama, und es ging um nichts weniger als die komplizierte Weltlage.

Syrien, die Flüchtlinge, der Iran und Deutschlands Rolle in der Welt - so ein Gespräch mit dem mächtigsten Mann der Welt hätte er sich vermutlich nicht vorstellen können, als er damals auf der Münchner Sicherheitskonferenz mehr internationale Verantwortung für Deutschland gefordert hatte. Dass es so dick kommen würde, war damals nicht abzusehen. Jetzt spricht Gauck sogar von einer "großen Gefahr auch für die politische Stabilität Deutschlands". "So etwas wie die Erfüllung eines Lebenstraums" hatte er zuvor den Besuch genannt.

Fast zwei Jahrzehnte waren verstrichen, seitdem ein deutscher Bundespräsident im Weißen Haus von einem US-Präsidenten empfangen wurde. So gesehen war für Gauck das Gespräch mit Barack Obama der politische Höhepunkt seines zweieinhalbtägigen Besuchs in Philadelphia und Washington.

Selbstverständlich war es keineswegs, dass der Bundespräsident eine Audienz bei Obama bekam. Zuletzt hatte Ex-Präsident Bill Clinton 1997 Roman Herzog im Weißen Haus begrüßt, und als Gauck vor zwei Jahren Obama zu einer Unterredung im Schloss Bellevue empfing, nahm er kein Blatt vor den Mund. Deutlich artikulierte der Bundespräsident, der einst Chef der Stasi-Unterlagenbehörde war, gegenüber dem hohen Gast aus Washington seinen Unmut über die Spähaktivitäten der US-Geheimdienstbehörde NSA.

Gaucks jetzige Reise ging einher mit einem Loblied auf die deutsch-amerikanische Freundschaft. An der Universität von Pennsylvania zitierte er Präsident John F. Kennedys Vision einer US-europäischen Allianz. Diese könne besser als selbst "das mächtigste Land der Welt Armut wirksam bekämpfen, Wohlstand nachhaltig fördern und eine Gemeinschaft freier Nationen bauen und verteidigen."

Am Vorabend des Besuchs bei Obama hielt der Bundespräsident anlässlich eines rauschenden Fests in der Residenz des deutschen Botschafters eine bewegende Rede. Darin beschrieb Gauck seinen ersten Besuch in seinem Traumland USA, der wenige Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer stattfand.

Das Amerikabild des Bundespräsidenten, der die USA nur aus dem Fernsehen kannte, hat sich zwischenzeitlich zwar verändert. Doch obwohl er die Vereinigten Staaten nun kritischer sieht, würdigte Gauck die zentrale Rolle, die das Land bei der deutschen Wiedervereinigung spielte. Präsident George H.W. Bush (senior) sei "der Patron der deutschen Einheit", sagte der Bundespräsident und erntete tosenden Applaus von den 3000 geladenen Gästen.

Bundespräsident Gauck bespricht mit Barack Obama die Weltlage
Audienz im Weißen Haus: Bundespräsident Joachim Gauck (links) zu Gast bei US-Präsident Barack Obama. Foto: dpa

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08.10.2015, 12:00 Uhr
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