Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Bundesländer wollen Verbot von Wildtieren in Zirkussen durchsetzen
Aus für Löwe, Eisbär und Co.?

Bundesländer wollen Verbot von Wildtieren in Zirkussen durchsetzen

Längst steht die Wildtierhaltung in Zirkussen in der Kritik. Und seit Jahren fordern etliche Bundesländer ein Verbot - bislang vergebens. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf: Der Bundesrat soll Druck machen.

18.03.2016
  • DPA

Berlin. Ein Elefant balanciert, Vorderfüße in die Luft gereckt, auf seinen Hinterbeinen. Tiger springen durch brennende Reifen. Bären lassen Hula-Hoop-Reifen um die Hüften kreisen. Kunststücke mit Wildtieren gehören für manche Besucher zum Zirkus wie Akrobaten, Sägespäne und Popcorn-Geruch - noch. Denn seit Jahren steht die Wildtier-Dressur zur Volksbelustigung in der Kritik.

Der Bundesrat will nun auf Initiative von Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen einen neuen Anlauf zu einem Verbot nehmen. Die Position der Länder: Die Haltung vor allem von Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörnern, Nilpferden und Affen in Betrieben, die die Tiere an wechselnden Orten zur Schau stellen, ist nicht mehr zeitgemäß. Mit einem Entschließungsantrag, der heute beschlossen werden soll, will der Bundesrat die Bundesregierung zum Handeln auffordern.

Denn diese Länder und Tierschützer sind sich einig: Eine artgerechte Haltung von Wildtieren ist in Zirkussen nicht möglich. Weiblichen Elefanten etwa, normalerweise Herdentiere, fehle in Zirkussen meist sehr wichtiger Sozialkontakt, erklärt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Tiger seien oft, entgegen ihrem natürlichen Verhalten, in ihrer Bewegung stark eingeschränkt.

Wildtiere leiden in Zirkussen - zu diesem Schluss kommt zumindest ein Teil der Bundesländer. Das führe auch vermehrt zu Zwischenfällen wie dem in Buchen im Neckar-Odenwald-Kreis im vergangenen Sommer, als Elefantenkuh Baby aus einem Zirkus ausgerissen war und einen Spaziergänger angegriffen und getötet hat.

Auch die Überwachung der Tierhaltung klappt aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes nicht. Zwar gäben Zirkusleitlinien vor, wie jedes Tier zu behandeln sei, sagt Schmitz. Diese Leitlinien seien aber nicht rechtlich bindend. Bei 895 Kontrollen von Veterinärämtern wurden nach einer Anfrage der Grünen-Fraktion aus dem Jahr 2014 allein im Jahr 2011 bei der Tierhaltung in Zirkussen 409 Verstöße festgestellt. Zu selten kommt es aus Sicht des Tierschutzbundes zu Konsequenzen - wie vergangene Woche, als im bayerischen Plattling der 22 Jahre alte Braunbär Ben beschlagnahmt wurde. Gestern klagte dessen Besitzer vor dem Verwaltungsgericht Regensburg auf dessen Herausgabe - er wurde abgewiesen.

Ob ein Entschließungsantrag des Bundesrats in der Bundesregierung auf Gehör trifft, ist fraglich. Ähnliche Vorstöße gab es schon mehrfach. Das Landwirtschaftsministerium sieht sich nicht in der Lage, Druck zu machen: Ein Verbot sei nach dem Tierschutzgesetz nur möglich, wenn die Tiere unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden gehalten oder transportiert werden, so eine Sprecherin. Von den Ländern gebe es dazu keine ausreichenden Erkenntnisse. "Der Einführung eines solchen Verbots sind verfassungsrechtlich hohe Hürden gesetzt." Diese Hürden sind vor allem Eingriffe in die Berufsfreiheit. Ein Tierlehrer, der auf Elefanten spezialisiert sei, könne nicht ein anderes Tier trainieren, erklärt Frank Keller vom Berufsverband der Tierlehrer.

Auch aus Sicht der "Gesellschaft der Circus-freunde", der rund 2000 Mitglieder aus der Zirkus-Szene angehören, wäre ein Verbot schlicht überflüssig. Viele Zirkusse gingen längst von sich aus über die Anforderungen der Leitlinien weit hinaus, so Präsident Helmut Grosscurth. Und für viele Betriebe seien die Tiere überlebenswichtig: "Ein Verbot würde die Existenz zahlreicher Zirkusunternehmen in Frage stellen." Außerdem: Wildtiere seien nicht mehr "wild", sagt Keller. Die meisten seien in menschlicher Obhut geboren und hätten andere Bedürfnisse als wilde Artgenossen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

18.03.2016, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular