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Betten für Urlauber fehlen

Bundesgartenschau: Heilbronner Hotelkapazitäten reichen nicht aus

Mit der Bundesgartenschau will sich Heilbronn endlich als touristisches Ziel etablieren. Die Stadt hat aber bei weitem nicht genügend Betten für den erhofften Ansturm der Gäste, befürchten Experten.

08.02.2016

Von HANS GEORG FRANK

Bauen für die Bundesgartenschau: Damit die "Gartenschau des Südens" 2019 auch rechtzeitig eröffnen kann, wird derzeit kräftig in Heilbronn geschuftet. Foto: Hans Georg Frank

Heilbronn. Steffen Schoch, oberster Marketingmann in Heilbronn, kann den Blick auf die Autobahn kaum ertragen. "Auf der A 6 fahren jährlich 50 Millionen Autos an uns vorbei", hat er gezählt. Ein paar dieser Passanten möchte er gerne in die Stadt am Neckar locken. Beste Chancen für die Umleitung bietet die Bundesgartenschau, die zwar erst 2019 ausgerichtet wird, aber spätestens von nächstem Jahr an beworben werden soll. Durch die "Gartenschau des Südens" soll sich Heilbronn endgültig und nachhaltig als touristische Destination etablieren. "Wir müssen viel selbstbewusster werden", ermunterte Manager Schoch und verwies stolz schon mal auf die wissenschaftlich ausgerichtete "Experimenta", die nach dem Ausbau "das größte Science-Center in Europa"sei.

Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus Marketing Baden-Württemberg, konnte Schoch und dem Chef-Organisator der "Buga 2019", Hanspeter Faas, etwas Hoffnung auf nennenswertes Interesse machen. "Weltweit liegen Events im Trend", erklärte Braun, "das kann auch eine Buga sein". Von der steigenden Beliebtheit der Städtereisen - jährliches Wachstum zwei Prozent - könnte der aktuelle Themenmix aus Farbenpracht und Blumenduft, aus Urban Gardening, Stadtklima und Ernährung ebenfalls profitieren. Zu den Zielgruppen rechnet Braun nicht nur Beetepfleger und die "Best Ager", Menschen jenseits der 50 Jahre, sondern auch "Lohas", also jene Zeitgenossen, die angenehmen Lebensstil mit Gesundheit und Nachhaltigkeit kombinieren.

Die Bundesgartenschau sei ein "typisch deutsches Thema", sagte Braun bei einer der regelmäßigen Informationsveranstaltungen in Heilbronn. Sie passe gut zu drei Schwerpunkten des Tourismus im Südwesten: Natur, Kultur und Genuss. "Es gibt große Schnittmengen zu unserem Marketing", fasste der Experte zusammen. Dabei sei es auch wichtig, den beliebten Neckarradweg zu bewerben, da er direkt zum Buga-Areal führe. Auf dem Gelände müsse durch Kostproben unbedingt der Wein als örtliche Spezialität präsentiert werden. "Die Leute wollen sich belohnen, da ist so ein Achtele doch etwas ganz Herrliches", meinte der Fachmann.

Faas erwartet für sein "lustvolles Produkt" 2,2 Millionen zahlende Besucher, die für Tickets und Konsum rund 50 Millionen Euro ausgeben sollen. Da jährlich 400 Millionen Tagesgäste das Land erkunden, ist er sicher, dass die Rechnung aufgeht. "Wir sehen die Buga als die Riesenchance der nächsten Jahrzehnte", beschrieb Tanja Seegelke von der Tourismusgemeinschaft Heilbronner Land die herausragende Bedeutung. Wer die Buga positiv erlebt habe, komme wieder.

Die Euphorie wird allerdings gedämpft durch eine offenbar nicht optimal aufgestellte Hotellerie. Mit 1700 Betten, waren sich alle einig, gebe es viel zu wenige Unterkünfte. "Das ist ein ganz, ganz, ganz niedriges Level", sagte Marketingmann Schoch. Oftmals sei auch die Qualität unzureichend. "Ich habe noch nie so schlecht und so teuer geschlafen wie hier", erinnerte sich der Südbadener Faas an seine Anfangszeit in Heilbronn. "Wir sind es nicht gewohnt, eine Region für Gäste zu sein", bedauerte Steffen Schoch. Bisher belegten vor allem Geschäftsreisende, Monteure und Bauarbeiter die Betten. Der Standard entspreche trotz hoher Preise nicht den Vorstellungen vieler Urlauber. Doch dank jährlicher Steigerungsraten von acht bis zehn Prozent gebe es "keinen Leidensdruck"bei den Hoteliers. Wegen der geringen Kapazitäten könnten die größten Arbeitgeber der Region wie Audi, Lidl und Kaufland keine Großveranstaltungen abhalten.

Auch wenn noch vor 2019 ein neues Hotel mit 140 Betten direkt beim Kongresszentrum Harmonie eröffnet werden soll, wird keine wesentliche Verbesserung der als misslich empfundenen Situation erwartet. Steffen Schoch rechnete aus, dass 1400 Betten mehr bis 2019 benötigt werden, teilte er auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE mit.

"Bauen Sie Hotels", appellierte Andreas Braun an die Zuhörer. Um die Auslastung müsse man sich nicht sorgen: "Eine funktionierende Wirtschaft und eine wunderbare Urlaubslandschaft direkt beieinander - besser kann man es sich gar nicht vorstellen." Sollten die Gästezimmer für die Gartenschaubesucher nicht ausreichen, hat Braun eine Alternative im Sinn: Flussschiffe, die direkt neben dem eingezäunten Gelände ankern.

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Erstellt:
8. Februar 2016, 08:29 Uhr
Aktualisiert:
8. Februar 2016, 08:29 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Februar 2016, 08:29 Uhr

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