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Bund prüft Bau der Großen Wendlinger Kurve
Per Deutschland-Takt zum zweiten Gleis

Bund prüft Bau der Großen Wendlinger Kurve

Schon S-21-Schlichter Heiner Geißler hatte die Große Wendlinger Kurve gefordert. Gebaut wird aber zunächst eingleisig. Der Bund prüft, die zweigleisige Variante in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen.

01.12.2015
  • FABIAN ZIEHE

Ulm. Von einem "Hoffnungsschimmer" spricht Matthias Gastel. Und keiner, der sich wie der grüne Bundestagsabgeordnete mit der Anbindung der Tübinger Bahn an die Schnellbahntrasse nach Stuttgart beschäftigt, wagt mehr Euphorie. Bemerkenswert ist dennoch, was das Bundesverkehrsministerium in einem Brief an ihn zur "Wendlinger Kurve" erklärt: Berlin schließt nicht mehr aus, dass eine bessere Anbindung des Zugverkehrs der Region Neckar-Alb an Stuttgart 21 kommen wird. Projektgegner fordern dies schon seit vielen Jahren.

Der "zweigleisige Ausbau des Abzweigs Neckartal", so schreibt der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) an Gastel, werde "in das mehrstufige Bewertungsverfahren für den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen" - wie alle Vorschläge der Studie "Deutschland-Takt". Diese belegt die Machbarkeit eines "integralen Fahrplans", regelmäßigen Verbindungen zwischen großen Städten gepaart mit optimalen Umsteigemöglichkeiten. In der Schweiz ist das schon Realität, in Deutschland braucht es dafür noch eine bessere Schieneninfrastruktur.

Im Oktober noch hatte das Ministerium erklärt, in Wendlingen (Kreis Esslingen) werde nur der Ausbau einer Weiche erwogen. Nun, "nach Rücksprache mit den Verfassern der Machbarkeitsstudie" habe man erkannt, dass die Experten auch die zweigleisige Variante "Große Wendlinger Kurve" fordern. Also prüfe man die Aufnahme des Vorhabens in den Verkehrswegeplan. Paradox ist: Noch gibt es gar keine Wendlinger Kurve, sie wird erst gebaut. Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm sieht an der Kreuzung von Schnellbahnstrecke und Tübinger Trasse eine eingleisige Einschleifung vor. Züge sollen die Kurve in beide Richtungen befahren. Bei viel Betrieb könnten sich Schnell- und Regionalbahnen so gegenseitig blockieren.

"Jetzt muss mal die Politik in die Pötte kommen", sagt Gastel. Das Ministerium schiebe die Veröffentlichung des Verkehrswegeplan-Entwurfs seit Monaten vor sich her. Er hat ohnehin kaum Hoffnung, dass eine Große Wendlinger Kurve zusammen mit S 21 realisiert wird. "Im besten Fall bekommt dieses Schienenstück eine faire Chance."

Diese sieht die Bahn eh nicht mehr. Die Bauvergabe für den Bauabschnitt bei Wendlingen laufe schon. Nur als "nachgelagertes Projekt", so ein Sprecher, sei die verbesserte Variante denkbar. An Unterstützern für so ein Projekt mangelt es nicht. Die Kurve sei für die Region "das Tor oder das Nadelöhr zur Welt", sagt Tübingens OB Boris Palmer (Grüne). Er hatte schon 2010 in der S-21-Schlichtung die zweigleisige Variante gefordert. Auch Reutlingen, so ein Sprecher, habe weiter starkes Interesse an einer Großen Wendlinger Kurve.

Auch im Landtag findet die Variante nur Unterstützer. Seitens der Koalition ohnehin: "Die eingleisige kleine Wendlinger Kurve war von Anfang an falsch angelegt", sagt der grüne Verkehrsexperte Andreas Schwarz. Klar sei, wer nun in der Pflicht sei: "Es ist Aufgabe des Bundes, auch bei Wendlingen eine leistungsgerechte Schienenverbindung sicherzustellen." Die FDP hatte schon nach Veröffentlichung der Studie gefordert, in Wendlingen umzuplanen. Nun sagt auch die CDU-Abgeordnete Nicole Razavi: "Wenn die Große Wendlinger Kurve im Rahmen des Deutschland-Takts kommt, begrüßen wir das sehr."

Dem Landeschef des Verkehrsclubs Deutschland, Matthias Lieb, stoßen die Sympathie-Bekundungen bitter auf. Erst werde die schlechtere Variante gebaut, um womöglich später für viel Geld nachzurüsten. Vor ein paar Jahren unter schwarz-gelber Ägide hätte man gleich die bessere Variante auswählen können. "Das ist natürlich ein Schildbürgerstreich - aber so ist das ganze Bahnprojekt aufgebaut."

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01.12.2015, 08:00 Uhr
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