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Die Flüchtlingshilfe Härten lud zum Informationsabend – Betroffene aus Syrien mit dabei

Bürokratische Hürden, menschliche Dramen

Die Flüchtlingshilfe Härten wollte endlich Nägel mit Köpfen machen: Zur Gesprächsrunde zum Thema „Arbeit für Flüchtlinge auf den Härten“ mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal waren auch Arbeitgeber eingeladen worden.

21.05.2015

Von Miri Watson

Wankheim.Der Gesprächskreis fand auf Deutsch, Englisch und Syrisch statt, denn unter den gut 30 Interessierten, die am Dienstagabend im Wankheimer Gemeindehaus zusammengekommen waren, befanden sich auch einige der Wankheimer Flüchtlinge aus Syrien. „Es ist wichtig, nicht über, sondern mit den Flüchtlingen zu reden“, sagte Marc Schauecker von der Flüchtlingshilfe zu Beginn. Und: „Die Flüchtlinge müssen die Chance haben, sich zu ihren Themen zu äußern.“

Da im Moment für manche der Flüchtlinge noch gar nicht an Arbeit zu denken ist, war das Dublinverfahren das erste große Thema des Abends: Die Regelung sieht unter anderem vor, dass Flüchtlinge im ersten „Dublin-Staat“ – dazu gehören neben den Staaten der EU auch Norwegen, Island und die Schweiz –, den sie auf ihrer Flucht betreten haben, auch Asyl beantragen müssen.

Fünf der Wankheimer Flüchtlinge befürchten deswegen, nach Ungarn oder Italien abgeschoben zu werden. Da sie noch Frauen und Kinder in Aleppo, Damaskus oder Homs haben, ist es ihnen ein großes Anliegen, ihre Familien möglichst schnell in Sicherheit zu wissen. Allerdings können sie erst einen Antrag auf Familiennachzug stellen, wenn sie auch anerkannte Asylbewerber sind.

Daniel Lede Abal, Landtagsabgeordneter und Integrationsbeauftragter der Grünen, konnte zumindest ein wenig Hoffnung machen: „Ich denke, dass Dublin als Gesamtkonzept nicht mehr funktioniert“, sagte Lede Abal. Er befand, es gebe erste Anzeichen für einen Abschied von diesem Verfahren. Einerseits seien das die Kontingente für die Aufnahme von syrischen Flüchtlingen, andererseits auch Gerichtsurteile, die eine Abschiebung in manche der „Dublin-Staaten“ ausgesetzt haben. So wurden Abschiebungen nach Ungarn wegen „systemischer Mängel“ im dortigen Asylverfahren gestoppt. Für Familien gab es auch Gerichtsurteile, dass Abschiebungen nach Italien unzulässig seien. Dennoch: Eine Möglichkeit, das Verfahren für die Wankheimer Flüchtlinge zu beschleunigen, gebe es wohl nicht. „Da ist die Bürokratie auf der einen Seite; auf der anderen Seite sind menschliche Dramen“, erinnerten die Unterstützer von der Flüchtlingshilfe.

Dass die deutschen Behörden noch immer nicht genügend auf die vielen Flüchtlinge eingestellt sind, die hier ankommen, war ein weiteres Problem, das in der Gesprächsrunde häufig angesprochen wurde. Sowohl bei der Erstaufnahme als auch bei der Gesundheitsversorgung und der Arbeitsvermittlung gibt es Engpässe, viele Situationen sind gesetzlich noch nicht geregelt. So waren beispielsweise die anwesenden Arbeitgeber unsicher, unter welchen Bedingungen sie Geflüchtete einstellen dürfen. Grundsätzlich ist es so: Die ersten drei Monate darf ein Asylbewerber gar nicht arbeiten, in den folgenden zwölf Monaten hat er einen „nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt“. Das heißt, dass Arbeitgeber die Stelle, die sie einem Flüchtling geben würden, dem Arbeitsamt melden und bis zu sechs Wochen unbesetzt lassen müssen, bevor der Flüchtling sie bekommen kann. Nach insgesamt 15 Monaten im Asylverfahren gibt es diese Beschränkung nicht mehr, allerdings wird dann immer noch geprüft, ob etwa der Lohn angemessen ist.

Die Flüchtlingshilfe Härten sieht sich als Vermittlerzwischen Arbeitnehmern und Flüchtlingen: Wer sich als Arbeitgeber, Geflüchteter oder Unterstützer in bestimmten Situationen unsicher ist, kann die Flüchtlingshilfe über ihre Homepage (www.fluechtlingshilfe-haerten.de) kontaktieren. Auch wer bereits Erfahrungen hat, wie es für die Flüchtlinge mit Arbeitsvermittlung, Ausbildung, Praktikum oder Schule läuft, ist aufgerufen, sich zu melden. „Wir versuchen, es für Arbeitgeber so einfach wie möglich zu machen, Stellen für Flüchtlinge anzubieten“, so der Unterstützerkreis der Flüchtlingshilfe.

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Erstellt:
21. Mai 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Mai 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2015, 12:00 Uhr

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