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Feen, Zwerge und Gespenster

Bürgermeister entmachtet: Im ganzen Steinlachtal haben die Narren die Herrschaft über die

Steinlachtal. Schon vom hellichten schmotzigen Vormittag an warf die Mössinger Rathausbelegschaft jeglichen Normenzwang über Bord und bewies ihre fabulösen Remmidemmi-Kompetenzen. Im Foyer kippten Massen von Mietzekätzchen im Animalprint Blubberwasser. Eine ganze Clown-Menagerie vernichtete Brezeln und Popcorn.

13.02.2015

Die Bälga-Quetscher-Combo machte Krawall. Und mitten drin im Zirkus Bulandini regierte, feingemacht in Frack und Zylinder, der Oberbürgermeister als Direktor, solange es ihm noch vergönnt war. Dann rückte die Invasion der Mössinger Steinlachhexen, Wendgoischter und Co. an, das städtische Verwaltungsgebäude zu stürmen und den Zampano zu stürzen. Die Degradierung ging mit einer gewissen Symbolträchtigkeit einher: Da stand der einstige Schultes also prompt in Zwergenmontur, ausstaffiert mit Rauschebart und Zipfelmütze, draußen in der Februarsonne. Zunftmeisterin Doris Kondic las ihm die Leviten und frotzelte: „Zebrastroifa kenna mr ons künftig spara, mer derfat ja eh nemme schneller als 30 fahra!? Bulanders Performance beim Zwergentanz versprach aber volle Punktzahl in der B-Note.

Äckerlesmacher und Fürstenwaldhexen waren gestern schon vor Sonnenaufgang auf den Beinen, um die Ofterdinger Bürger aus den Federn zu holen. Gegen 10 Uhr enterten sie das Rathaus. Joseph Reichert ließ sich Schlüssel und Krawatte ohne große Gegenwehr abnehmen: Nach 20 Jahren im Amt kann ein Bürgermeister wohl ganz gut einschätzen, wann er unterlegen ist. Auch Getränke, Gebäck und ein Sprüchle hatte er für die Gäste vorbereitet: „Es ist schön, dass ihr da seid, aber es ist auch schön, wenn ihr wieder geht.?

Lange konnte sich gestern die Bediensteten im Nehrener Rathaus des Ansturms nicht erwehren. Alle versuchten noch, mit ausgiebigem Werfen von Süßigkeiten aus den Bürofenstern ihr Schicksal abzuwenden. Es half nichts. Der Oberwolf schleppte den Schultes Egon Betz, der sich als Jake Blues getarnt hatte, samt dem Schlüssel auf der Schulter aus dem Gebäude. Ein langer Umzug hatte sich vom Kirschenfeldschulhof durch Nehren geschlängelt, unter Führung der Rammertwölfe und der Gomaringer Wiesaz-Lomba, die trommelten, trompeteten und posaunierten, was die Narrenmarsch-Hitliste hergab.

„Es ist Zeit für mich, auszuspannen, ich zieh jetzt von dannen.? Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch schien geradezu auf die Ablösung der Narren gewartet zu haben. Adrett mit grüner Basecap und Billigkrawatte gekleidet schlenderte er auf den Rathausvorplatz, wo ihn die Burghexen freundlich empfingen und natürlich Marienkäfer und Prinzessinnen vom Kinderumzug. Dabei hat er gelogen: Abends leitete er noch eine Gemeinderatssitzung.

Anhaltenden Widerstand leistete das Gomaringer Rathaus beim 20. Rathaussturm moderner Zeitrechnung. Oichele, Käsperle und Hexen mussten eine Barrikade überwinden und fanden dann im Rathaus erstmal niemand. Die Belegschaft hatte sich versteckt und dann auch noch getarnt mit weißen Bettlaken. Die Narren hatten Mühe, den Bürgermeister überhaupt zu identifizieren. Steffen Heß schickte sich nur widerstrebend in sein Schicksal, vom Rathausthron gestoßen zu werden. Er zeigte den Narren gleich wie hart die Verwaltungsarbeit ist. Er überreichte den Obernarren die Bestätigung der Teilnahme einer Schulung zur Verkehrssicherung im Straßenraum.

Am längsten musste gestern Uwe Ganzenmüller auf seine Entmachtung warten. Um 17.30 Uhr stürmten Butzi und Butzenweiber das Bodelshäuser Rathaus. Als Zahnfee warb Ganzenmüller in seiner gereimten Ansprache für das Kinderfreundliche Bodelshausen. Den Kostümwettbewerb der Bürgermeister hat er jedenfalls für sich entschieden.kal / mosi / jon / bei

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Erstellt:
13. Februar 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Februar 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2015, 12:00 Uhr

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