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Personen

Bücher über gebrochene Menschen

Wenige Tage nach der Ehrung mit dem Nobelpreis gastiert Autorin Olga Tokarczuk in der Liederhalle.

17.10.2019

Von HELGA SINGLE

Olga Tokarczuk fordert eine neue Sicht auf die Gesellschaft. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Rund 800 Gäste haben Olga Tokarczuk im Beethovensaal der Liederhalle gefeiert. Wenige Tage nachdem ihr der Literatur-Nobelpreis zugesprochen wurde, stellte die polnische Schriftstellerin am Dienstagabend in Stuttgart ihren Roman „Die Jakobsbücher“ vor. Das 2015 erschienene Werk liegt seit Oktober in deutscher Übersetzung vor. Aus dem Roman wurden einige Passagen vorgelesen.

Das Literatur- und Medienhaus Stuttgart hatte die Autorin eingeladen, als vom anstehenden Nobelpreis noch nichts zu ahnen war. Als sie die Nachricht erreichte, befand sich Tokarczuk nach eigener Aussage im Auto auf Lesetour in Deutschland: „Da musste ich erst einmal rausfahren und innehalten“, berichtet sie.

Ihre Bücher werden dem „phantastischen Realismus“ zugeschrieben. Die Handlung spielt meist in polnischen Kleinstädten. Die Jakobsbücher nennt sie ihr „Opus Magnum“. Der historische Roman basiere auf realen Fakten. Der Protagonist ist der Jude Jakob Frank, der im 18. Jahrhundert in Podolien, einem südwestlichen Teil der Ukraine, lebte. „Er ist ein jüdischer Häretiker und Querdenker, der wilde Abenteuer erlebt und zuletzt als ehrbarer Kaufmann in Offenbach am Main stirbt.“ Sie will ihn als osteuropäische Antwort auf die westeuropäische Aufklärung verstanden wissen, denn ihr Roman sei eine Emanzipationsgeschichte.

Tokarczuk setzt ihren Roman in Bezug zum Werk des Henryk Sienkiewicz, Literaturnobelpreisträger 1905. Man werfe ihr eine Demontage des Preisträgers vor, dessen Bücher eine traditionelle Sicht wiedergeben. Seine Helden seien männlich, die Gesellschaft homogen und die katholische Kirche tonangebend. „Bei mir kommen gebrochene, schwache Menschen vor, ich habe ein anderes Bewusstsein und eine andere Perspektive auf die Dinge“.

Eine Gesellschaft müsse sich stets neu überdenken – ein Hinweis auf die von der konservativen Partei PIS gewonnene Parlamentswahl. PIS-Politiker hatten Tokarczuk angefeindet. Staatspräsident Andrzej Duda von der PIS sprach nun von einem großen Tag der polnischen Literatur, was sie schmunzelnd zur Kenntnis nehme. Helga Single

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Erstellt:
17. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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