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Brüder auf der Bühne: Zwillinge singen, tanzen und spielen

Die Fünftklässler David und Samuel Nellen stehen bei „Bodyguard“ in Stuttgart im Rampenlicht

Der Zufall wollte es, dass Samuel und David Nellen bei „Bodyguard“ auf der großen Musical-Bühne in Stuttgart landeten.

10.10.2018

Von Amancay Kappeller

Die Zwillinge bei der Vorbereitung vor der Show in Stuttgart. Bild: Stage Entertainment/Jan Potente

Bei Ikea in Sindelfingen wurden die damals neunjährigen Brüder im vergangenen Jahr von einer Frau angesprochen, die selbst beim „Tanz der Vampire“ mitgespielt hatte. Die Schüler, die in Öschingen zu Hause sind, bekamen einen Flyer in die Hand gedrückt. „Coole, extrovertierte Jungs“ suchte das Stage Palladium
Theater in Stuttgart zu diesem Zeitpunkt, „Typ junger Michael Jackson“ – für das Musical „Bodyguard“, das im Herbst 2017 anlaufen sollte.

Das erste Casting war zu dem Zeitpunkt schon gelaufen, erinnern sich beiden Brüder. Ende Oktober wurden sie aber doch noch eingeladen, nachdem sie sich kurzerhand entschlossen hatten, sich zu bewerben. Und Samuel und David schafften es, das Kindercasting-Team von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Ab Ende November erhielten die Jungen dann ein halbes Jahr
lang Schauspiel-, Gesangs- und Tanzunterricht von Profis aus der Musicalbranche – zur Vorbereitung auf ihre Rolle im Rampenlicht.

Auftritt in acht Szenen

Gemeinsam auf der Bühne stehen die Brüder außer zur Probe aber nie. Beide gehören zum knapp 20-köpfigen Pool von Darstellern für den kleinen Fletcher Marron – den Sohn der Hauptdarstellerin, Soul-Diva Rachel Marron. „Bodyguard“ nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise durch das aufreibende Leben der Königin des Soul und Pop, mit allen Licht- und Schattenseiten. Dabei prallen die Welten des Superstars und des bodenständigen Bodyguards Frank Farmer aufeinander. Das mündet in einer nie für möglich gehaltenen Liebesgeschichte – vielen bekannt aus dem gleichnamigen Hollywood-Blockbuster von 1992 mit Whitney Houston und Kevin Costner in den Hauptrollen.

Sehr viel gelernt hätten sie in der Zeit bei „Bodyguard“, sagen Samuel und David in ihrem Wohnzimmer im Öschinger Zuhause. Hier leben die beiden mit Schwester Sarah, 7, und den Eltern Katrin und Emmanuel Nellen. Die Brüder besuchen die fünfte Klasse des Evangelischen Firstwald-Gymnasiums in Mössingen. Aus dem Stegreif tanzen die Jungen am Montag einen Abschnitt aus der Choreographie zum Song „How will I know“ vor, inklusive Gesang – mit Musik aus dem CD-Player. Man sieht, wie viel Spaß die Zehnjährigen dabei haben. Und man ahnt, dass die Jungen, die beide überhaupt nicht schüchtern sind, die Zuschauer mit ihrer Ausstrahlung und Präsenz in den Bann ziehen können.

Samuel Nellen am Klavier, sein Bruder David mit der Gitarre daheim in Öschingen. Bild: Kappeller

„Dabei haben wir davor noch nie richtig getanzt“, berichten die Zwillinge lachend. Eine Herausforderung war die Rolle des Fletcher Marron also durchaus. „Aber es macht Spaß!“ Bühnenerfahrung hatten die Jungen in der Vergangenheit lediglich bei Auftritten wie Weihnachtsmusicals in der Öschinger Kirche gesammelt. „Wir mussten viel auswendig lernen“, berichten David und Samuel, die sich richtig gut verstehen. In acht Szenen tritt Fletcher auf. Beherrscht werden müssen sowohl Sprechszenen als auch Ensemblenummern. Während der Show muss sich „Fletcher“ sechs Mal umziehen – im Affenzahn, es bleiben dafür immer nur ein bis zwei Minuten Zeit. Genau eineinhalb Minuten sind es vor der Szene mit der Oscarverleihung, erklären die Fünftklässler. Was denn ihr Lieblingsoutfit im Musical sei? Das ist das coole mit den beigen Shorts, dem weißen Shirt, der roten Weste, den Sneakers und der roten Basecap. Rundum wohlgefühlt haben sich die Jungen auf und auch hinter der Bühne, erzählen sie. Professionell und engagiert hat sich das Theater-Team in der „Fletcher School“ um die Kinderdarsteller gekümmert. Die sind alle im Alter zwischen 9 und 13 Jahren alt. Boris Ritter und Bob Edwards, die das Orchester dirigieren, haben mit den Kindern die Lieder eingeübt. Fredrik Andersson war für den Tanzunterricht zuständig, Martin Schäffner fürs Schauspiel. Am liebsten mögen David und Samuel die Szenen im Tanzstudio und im Blockhaus.

Das Kapitel ist vorbei

In seiner Freizeit spielt David Gitarre, Samuel Klavier. Beide machen gerne und vielseitig Sport. Davids Lieblingsfächer sind Mathe, Sport und Englisch, Samuels Mathe, Sport und Deutsch – kleine Unterschiede müssen, bei allen Gemeinsamkeiten schließlich auch sein. Den Aufwand, die Söhne mehrmals die Woche nach Stuttgart zu fahren, haben die Nellens während des letzten Jahres gerne betrieben. „Es war ja auch zeitlich begrenzt“, sagt Mutter Katrin Nellen. „Da war das in Ordnung.“ Samuel und David haben diese Woche noch jeweils einen Auftritt. Dann ist das Kapitel „Bodyguard“ für die Brüder auch schon wieder Geschichte. Etwa 20 Auftritte hatte dann jeder der beiden. Langweilig wird es den Zehnjährigen in Zukunft aber bestimmt nicht. Neben der Schule und den Hobbys „erfinden“ sie gemeinsam Lieder und kleine Musicals. Wer weiß, wo das später einmal hinführt. Schließlich haben die Brüder das Rampenlicht in den letzten Monaten so richtig für sich entdeckt.

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Erstellt:
10. Oktober 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
10. Oktober 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2018, 01:00 Uhr

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