Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Rettung am Morgen: Mann übernachtet im Flugzeug in 30 Metern Höhe

Bruchlandung im Wipfel

Nach einer Bruchlandung in einem Baum musste im Kreis Göppingen ein Pilot die Nacht in seinem Flugzeug verbringen. Gestern wurde er gerettet.

17.08.2016
  • DIRK HÜLSER

Lauterstein. Als gestern gegen 12 Uhr Rauch im Wald unterhalb von Weißenstein (Kreis Göppingen) aufstieg, war klar: Die Bergung des Ultraleichtflugzeugs vom Typ „Motte“ war fehlgeschlagen, die Maschine in Flammen aufgegangen. Doch weit wichtiger war, dass der Pilot die Bruchlandung in einem Baumwipfel nicht nur überlebt hatte, sondern gänzlich unverletzt geblieben war.

Gegen 10 Uhr fährt ein Rettungswagen einen Weg am Rand der Lützelalb im Lautertal zwischen Weißenstein und Degenfeld hinunter. An Bord: Der 59-Jährige Hobbyflieger aus dem Kreis Göppingen, der am Vorabend mit seinem Flugzeug in knapp 30 Metern Höhe in einem Baumwipfel gelandet war. Dort hing die blau-gelbe Maschine fest, unter ihr baumelte ein roter Fallschirm. Der gehört zum Rettungssystem der „Motte“, der Pilot hatte es ausgelöst und war samt Flugzeug in der Krone einer Buche gelandet.

Warum der Mann den Fallschirm ausgelöst hat, war gestern unklar. Die Polizei ging zwar von einem technischen Defekt der Maschine aus. Doch nun muss das ausgebrannte Wrack zuerst einmal untersucht werden. Das Feuer war bei der Bergung ausgebrochen, nachdem Waldarbeiter die Buche, in deren Krone die „Motte“ hing, gefällt hatten. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatten sich auslaufendes Benzin und Schmierstoffe entzündet. Nur noch der dünne Alu-Rahmen ist von dem rund 25 000 Euro teuren Sportgerät übrig geblieben.

Begonnen hatte alles mit einem Tagesausflug bei schönem Wetter. Gegen 10.30 Uhr war der Mann mit einem Bekannten, der eine zweite Maschine flog, auf dem Sportflugplatz Hornberg bei Schwäbisch Gmünd gestartet. Als der Bekannte abends um kurz nach 20 Uhr wieder auf dem Hornberg landete, war die „Motte“ verschwunden – der Pilot, nach Informationen unserer Zeitung ein Mitglied der Fliegergruppe Waldstetten, hatte den Tower bereits über seine Bruchlandung informiert. Sofort startete der zweite Flieger wieder, um die havarierte Maschine zu orten, das gelang dem Piloten recht schnell: In 3,5 Kilometern Entfernung entdeckte er das auffällige Fluggerät auf dem Baumwipfel, rund 200 Meter vom Waldrand entfernt an einem steilen und unzugänglichen Hang. Er informierte die Rettungskräfte. Um 20.20 Uhr wurde die Bergwacht Schwäbisch Gmünd alarmiert – irrtümlich ging die Leitstelle in Aalen zu diesem Zeitpunkt davon aus, das Unglück sei auf Gemarkung Degenfeld (ein Stadtteil von Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis) geschehen. Erst gestern Morgen stellte sich heraus, dass die Havarie im Kreis Göppingen auf dem Gebiet der Stadt Lauterstein stattgefunden hatte.

Die Retter sind schnell vor Ort, bis um zwei Uhr nachts sind rund 100 Helfer am Waldrand, berichtet der Sprecher der Göppinger Bergwacht, Raimund Wimmer. Aus Bayern kommt ein Hubschrauber der Bundeswehr, auch ein Helikopter der Polizei ist im Einsatz. Die Bundeswehrmaschine unternimmt einen Versuch, den Piloten aus seiner misslichen Lage zu befreien – doch der Abwind der Rotorblätter ist zu stark.

Der Mann muss die Nacht in seinem offenen Cockpit verbringen. Im Morgengrauen unternehmen die Retter einen erneuten Anlauf. Jochen Dikel von der Höhenrettung der Berufsfeuerwehr Stuttgart ist ab 5 Uhr mit vier Kollegen an der Unglücksstelle. Die Männer von der Bergwacht klettern auf zwei benachbarte Bäume und sichern den Flieger mit Spanngurten. Dikel klettert seinerseits auf den Baum mit der Unglücksmaschine und versucht, den Piloten mit Hilfe einer Winde zu bergen. Das Vorhaben klappt.

„Der Pilot hat einen stabilen Eindruck gemacht und konnte selbstständig aus dem Cockpit aussteigen“, berichtet Dikel. Für die Helfer werde die Rettungsaktion in die Geschichte eingehen, glaubt er: „Ja schon, das war ein absolut außergewöhnlicher Einsatz.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

17.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular